Hohe Kosten für die Landwirte

Schutzgebiete im Allertal: „Wer soll das bezahlen ?“

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Professor Albrecht Mährlein spricht in der Walsroder Stadthalle.

Walsrode - Schon der Vortrag von Helmut Hentschke über die rechtlichen Aspekte der Ausweisung des FFH-Schutzgebietes im Allertal hatte viele Fragen aufgeworfen und beantwortet. Professor Albrecht Mährlein von der Fachhochschule Kiel, zugleich Sachverständiger der Landwirtschaftskammer, wollte in seinem fundierten Referat über die wirtschaftlichen Folgen der Naturschutzmaßnahmen aufklären.

„Wer soll das bezahlen?“, fragte Mährlein. Er befürchtet, dass die Landwirte auf dem Großteil der Kosten sitzen bleiben. „Deswegen fordere ich mehr Aktivität von der Landwirtschaft, um die rechtlichen Möglichkeiten professionell auszunutzen“, so Mährlein. In mehreren Forschungsarbeiten habe er dieses Thema untersucht.

Er führte ein Rechenbeispiel an, bei dem die Landwirte auf einen Verlust von 950 Euro pro Hektar kommen könnten. Grund seien die Kosten für die Ersatzfutterbeschaffung in Höhe von 1 250 Euro. Diese überstiegen die Einsparungen von 300 Euro durch die extensive Nutzung bei den variablen Kosten bei Weitem. „Bei einem Betrieb mit zehn Prozent seiner Fläche im FFH-Gebiet kann der Verlust noch kompensiert werden, aber bei größeren Anteilen ist die ganze Existenz bedroht“, wurde Mährlein deutlich.

Zusätzlich könnten Kosten für die Ausbringung von Gülle auf anderen Flächen hinzukommen, weil die Schutzgebiete dafür nicht verfügbar wären. Das hänge allerdings von den Marktgegebenheiten ab. Bei einer Gesamtschutzgebietsfläche von 2 000 Hektar rechnete er den jährlichen Einkommensverlust für die ganze Region auf rund eine Million Euro hoch.

Wertminderung der Flächen

Ein weiterer wichtiger Punkt ist Mährlein zufolge die Wertminderung um mindestens 20 Prozent bis hin zur Wertlosigkeit durch die Einbeziehung von Flächen in Schutzgebiete. Eine andere Folge: „Schutzgebietsflächen werden bei Beleihungen von Kreditinstituten nicht oder nur bedingt anerkannt“, so der Sachverständige. Deswegen müssten bestehende Agrarkredite gegebenenfalls nachträglich noch weiter abgesichert werden oder würden mit einem höheren Risikoaufschlag, also Zinsen, berechnet. Dies sei unter anderem die Erkenntnis bei einer Umfrage von 33 Agrarkredit-Bänkern gewesen.

Außerdem würden geringere Einnahmen bei Pachten anfallen, die häufig als Altersvorsorge dienten. Noch weitere detaillierte Risiken brachte Mährlein für Spezialfälle vor. Einer betreffe die Allgemeinheit, wenn durch Auflagen der Wege- und Straßenbau mit wesentlich höheren Kosten versehen würde. „Wer trägt dann die höheren Baukosten? Die Familien, die in der Nähe des FFH-Gebietes gerade die Erschließungskosten bestreiten müssen?“, fragte Mährlein.

„Diese und viele weitere Fragen müssen im Zuge des Verfahrens geklärt werden. Wenn die Existenz oder Flächen mit einem Wert von 500 000 Euro auf dem Spiel stehen, sind 5 000 Euro Kosten für ein Kartierungsgutachten unbedingt aufzubringen. Geiz wäre an dieser Stelle sehr gefährlich“, plädierte Mährlein.

lee

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