Eine kleine Bauanleitung

Diese Hacke rückt dem Jakobskreuzkraut erfolgreich zu Leibe

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Richard Rathje zeichnet an, an welchen Stellen er die Kartoffelforke zerteilen will. Wer das Gerät nachbauen möchte, benötigt neben dem Material eine Flex mit verschiedenen Trenn- und Polierscheiben, ein Schweißgerät und eine Bohrmaschine. Wer das hat, weiß sicher auch damit umzugehen.

Nordkampen - Sämtliche Teile der Pflanze schädigen die Leber – vor allem die von Pferden und Kühen. Doch auch für den Menschen ist der Korbblütler nicht ohne. Sogar der Hautkontakt kann gefährlich sein. Kein Wunder also, dass sich das Jakobskreuzkraut keiner großen Beliebtheit erfreut. Es auszumerzen, kann allerdings mit einiger körperlicher Anstrengung verbunden sein. Und hier kommt Richard Rathje ins Spiel.

Der Nordkampener ist Landwirt mit Milchkühen und hat sich als solcher schon oft über das gelbblühende Kraut auf seinen Flächen geärgert. Weil er diese zum Teil extensiv nutzt, kommt der Einsatz von Chemie gegen Senecio jacobaea, so der botanische Name, kaum in Frage.

So ist denn Manneskraft gefragt, um die giftige Pflanze mit ihrem stark ausgeprägten Wurzelwerk aus der Erde zu holen. Über das, was der Fachhandel dafür aber an herkömmlichen Hacken anbietet, hat Rathje seine ganz eigene Meinung: „Die sind scheiße“, lautet das vernichtende Urteil des 66-Jährigen. Sie seien zu breit, die Zinken nicht lang genug, das Werkzeug insgesamt zu instabil und vor allem viel zu belastend für den Rücken.

Nun ist Richard Rathje aber nicht nur Landwirt, sondern auch ein ausgesprochener Tüftler. Autos, die ihre Insassen bei Frontalzusammenstößen besser schützen, spezielle Fertighäuser, Solaranlagen, über all das hat sich der Nordkampener schon so seine Gedanken gemacht.

Eineinhalb Stunden benötigt der Nordkampener zur Fertigstellung einer Hacke. Im Einsatz zieht man sie nicht zu sich, sondern drückt sie von sich weg. Das Jakobskreuzkraut wird so rausgehebelt. Darum sitzt der längere Teil der sogenannten Tülle auch an der Rückseite der Hacke.

So hoch technisiert kommt seine Krauthacke freilich nicht daher. Die Zinken einer Kartoffelforke, der Stiel einer Schaufel, ein Rohr, daraus baut Rathje seine Hacke zusammen. Materialien und Arbeitszeit zusammengerechnet, kommt der Nordkampener auf Kosten von rund 60 Euro. „Würde ich sie dann über die Genossenschaft verkaufen, kostet sie bestimmt 80 Euro.“

Weil ihm klar ist, dass nicht jeder bereit ist, das dafür auszugeben, fordert er nun dazu auf, die Hacke selber herzustellen. Potenzielle Interessenten seien beispielsweise Pferdehalter oder aber Besitzer entweder von extensiv genutzten Flächen oder solchen, auf denen sich das Jakobskreuz noch nicht so stark ausgebreitet hat. Sind dann auch noch Flex, Bohrmaschine, Schweißgerät und ein gewisses Maß an handwerklichem Geschick vorhanden, kann’s schon losgehen.

Der Stoff, aus dem die Hacken sind: Aus einer neunzinkigen Kartoffelforke stellt Rathje drei Krauthacken her. Das Rohr stammt von der Halterung einer Satellitenschüssel. Aus ihr entsteht die Tülle, die stabile Verbindung zwischen Hacke und Stiel. Die Metallteile vorne verwendet Rathje, um Abstände zu markieren.

Rathje selber benötigt eineinhalb Stunden für die Fertigstellung einer seiner Hacken. Den Anfang macht das Zerteilen einer Kartoffelforke. Das neunzinkige Werkzeug reicht für drei Krauthacken. Die Zinken kürzt der Bastler um circa 40 Prozent und spitzt sie an.

Besonderes Augenmerk legt der Landwirt auf die Tülle, also die röhrenförmige Verbindung von Stiel und Hacke. Zunächst einmal dreht er sie quasi von vorne nach hinten. Soll heißen, das verlängerte Ende der Tülle sitzt an der Rückseite des Stieles. Das sei wichtig, erklärt Rathje. Denn anders als bei der herkömmlichen Hacke, die zum Körper hingezogen wird, setzt der Nordkampener bei seiner Version auf die Hebelwirkung.

Richard Rathje mit der von ihm ausgetüftelten Hacke. Von den herkömmlichen Werkzeugen hält der 66-Jährige nichts. Sie seien nicht stabil genug und vor allem zu belastend für den Rücken.

Die Zinken werden mit Schwung in die Erde gehauen und dann heißt es drücken. „Damit krieg ich die größten Dinger raus“, sagt Richard Rathje. „Man hat das Gefühl: Jetzt hab’ ich sie“, beschreibt er das erfolgreiche Aushebeln der Wurzel.

Eine stabile Schweißnaht an der Rückseite des Stiels und eine Verstärkung vorne machen die Kreuzhacke komplett. Klar, dass Richard Rathje die Arbeit desjenigen, der seine Hacke nachbaut, nicht beurteilen kann. Über seine Produkte sagt er aber ganz selbstbewusst: „Die hält ewig.“ 

kp

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