Rektorin Renate Reinhardt geht in den Ruhestand / 23 Jahre in Rethem

Tokio und etwas Bullerbü

Vor dem Stundenplan: Rektorin Renate Reinhardt (r.) wird in den Ruhestand verabschiedet, Heide Thomas wird die Kirchboitzer Grundschule bis 1. August kommissarisch leiten.
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Vor dem Stundenplan: Rektorin Renate Reinhardt (r.) wird in den Ruhestand verabschiedet, Heide Thomas wird die Kirchboitzer Grundschule bis 1. August kommissarisch leiten.

Kirchboitzen - Renate Reinhardt sagt Tschüs. Nach 40 Jahren im Schuldienst verabschiedet sich die Rektorin der Grundschule Kirchboitzen am Freitag in den Ruhestand. Die 63-jährige Pädagogin kann auf ein bewegtes Berufsleben zurückblicken, unter anderem auf vier Jahre in Tokio und auf ein bisschen Bullerbü.

Wie viele Menschen, die aus dem Berufsleben scheiden, verabschiedet sich Renate Reinhardt mit einem weinenden und einem lachenden Auge ins Private. „In meinem Alter hätte ich ja noch nicht gehen müssen, ich habe das freiwillig gewählt“, sagt die Walsroderin. Ihr Mann Paul, ehemaliger Lehrer am Walsroder Gymnasium, ist bereits seit eineinhalb Jahren im Ruhestand. Deshalb habe sie sich auch zu diesem Schritt entschlossen.

„Auf der anderen Seite übe ich meinen Beruf immer noch gerne aus“, sagt Reinhardt und gerät ins Schwärmen, wenn sie von „ihrer“ Grundschule spricht. „Das gesamte Kollegium, die Eltern, die pädagogischen Mitarbeiter, sie alle bringen sich ein. Es ist ein tolles Team, eine Bullerbü-Schule“, lächelt die Schulleiterin. Die Kinder trügen mit einer großen Portion Disziplin zum guten Gelingen des Schulalltags bei. Sachbeschädigungen, Schmierereien oder Schlägereien gebe es so gut wie gar nicht. Reinhardt weiß, dass die Jungen und Mädchen bei ihr besonders gut parieren. „Ich bin alt und ich bin Chef. Wenn ich komme, spuren die“, schmunzelt die Schulleiterin. Sie selbst sei einst keine gute Schülerin gewesen, gesteht die Pädagogin.

Sie habe nach dem Abschluss vor der Frage gestanden: Werde ich Schauspielerin oder Lehrerin? Dass es Letzteres wurde, habe seinen Grund. „Ich hatte damals keine sehr guten Lehrer und wollte es einfach besser machen. Und eine Lehrerin muss immer auch ein bisschen Schauspielerin sein. Sie muss Begeisterung rüberbringen können“, begründet die Ruheständlerin in spe. Also begann Reinhardt ein Lehramtsstudium in Göttingen und fand eine Anstellung an der Grundschule Rethem, wo sie von 1970 bis 1993 unterrichtete.

Und da sie und ihr Mann schon immer gerne unterwegs waren und fremde Kulturen kennen lernten, entschlossen sich die Eheleute, mittlerweile waren zwei Töchter da, ein paar Jahre in Tokio zu leben und an einer deutschen Schule zu arbeiten. „Diese Zeit hat mein ganzes Leben verändert“, erinnert sich Reinhardt. Und das offensichtlich so sehr, dass sie sich nach ihrer Rückkehr auf die Schulleiterstelle in Kirchboitzen bewarb. „Im Regelfall kann man als Lehrerin nur einmal ins Ausland. Ich wollte aber noch einmal, und das funktioniert nur, wenn man Rektorin ist.“ So stand vor ein paar Jahren Hongkong auf dem Wunschzettel. Die Sache verlief im Sande.

Aber auch ohne den Aufenthalt in der Metropole blickt Reinhardt zufrieden auf ein erfülltes Berufsleben zurück. Einiges habe sich im Laufe der Jahre verändert. Die Feinmotorik der Schüler zum Beispiel sei schlechter und die Konzentrationsphasen kürzer geworden. Und auch der Job habe sich gewandelt. „Als Schulleiterin wäre es heutzutage von Vorteil, wenn man zwei, drei Semester Betriebswirtschaftslehre studieren würde“, spielt die Pädagogin auf die Selbstverwaltung der Einrichtung an.

Ob sie ihren beruflichen Weg noch einmal gehen würde, kann Reinhardt nicht mit Bestimmtheit sagen: „Ich kann gut organisieren, vielleicht würde ich auch Managerin werden. Aber ich muss immer einen Sinn in meiner Arbeit sehen. Von daher wäre Ärztin auch ganz gut geeignet.“

Am Freitag wird die Schulleiterin mit einer Feierstunde verabschiedet. Dann wird Konrektorin Heide Thomas das Zepter kommissarisch übernehmen, ehe die Stelle am 1. August fest besetzt wird.

mf

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