Weißer Ring warnt vor unseriösen Schlüsseldiensten

Rechnung über 481 Euro und ein kaputtes Schloss

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Das Schloss, das nicht mehr zu retten war und nach stundenlanger Arbeit herausgearbeitet wurde. Hätte auch schneller gehen können und – müssen 

Heidekreis - Von Klaus Müller. Wolfgang Baron, Leiter der Außenstelle Heidekreis des Weißen Rings, spricht von Abzocke – „Man könnte es auch Betrug nennen“ – und rät, die Polizei einzuschalten. Denn was dem 60-jährigen Manfred M. passierte, ist längst kein Einzelfall mehr. Baron: „Es gibt immer mehr unseriöse Schlüsseldienste, die mit manipulierten Telefonvorwahlen den betroffenen Bürger täuschen und später mit stark überhöhten Rechnungen nach vollendeter Arbeit von dannen ziehen. Barzahlung natürlich inbegriffen.“

„Ich hatte mich ausgeschlossen“, berichtet der Geschädigte. Das Haus fein säuberlich unzugänglich gemacht, nichts ging mehr. Natürlich an einem Samstag, wo viele Betriebe nicht mehr zu erreichen sind. „Und dann bin ich ins Internet gegangen, habe gegoogelt.“

Nach mehreren Fehlversuchen – „Der Schlüsseldienst, der mir bekannt war, fuhr gerade gen Hannover“ – landete Manfred M. bei einem Dienst mit der Vorwahl 01573. „Stand unter den Schlüsseldiensten in Walsrode.“ Der vermeintliche Experte sagte, er habe ein Büro in der Gottfried-Daimler-Straße und könne gleich kommen. Und weil Samstag sei, müsste man mit wesentlich höheren Kosten rechnen, „so um die 170 Euro herum“.

Irgendwann sei ein junger Mann in einem Kleinwagen mit Essener Kennzeichen gekommen. Spätere Recherchen hätten ergeben, dass es das Büro in Walsrode wohl nicht gibt. Der Mann habe sich als „Sachverständiger für Schloss- und Sicherheitstechnik“‘ vorgestellt und begonnen, an der Tür „herumzubrokeln“, was irgendwann nicht mehr so sachverständig ausgesehen habe, berichtet der Ausgesperrte.

Bei Tischlermeister Bernd Funke und seinen seriösen Kollegen hätte die Türöffnung erheblich weniger gekostet.

Die Tür habe sich nicht öffnen lassen. Die eingesetzte Schraube, die später mit 19,99 Euro berechnet wurde und nach Aussagen von Fachunternehmen nur knapp einen Euro kostet, half auch nicht. Aber nach einigen Telefonaten, angeblich mit einem Kollegen, habe er dann doch die Tür geöffnet und, damit überhaupt wieder zugeschlossen werde konnte, ein ganz billiges Schloss eingebaut, auch noch verkehrt herum. 481 Euro habe der Geschädigte auf den Tisch legen müssen, immer noch erschrocken und fertig mit der Welt. „Ich könnte Sie auch zur Bank bringen, dort können Sie das Geld abheben“, zitiert M. den angeblichen Fachmann. Der sei dann übers Telefon nicht mehr zu erreichen gewesen, bis heute nicht.

Wolfgang Baron, Ansprechpartner des Weißen Rings im Heidekreis: „Man sollte nur den vorher vereinbarten Betrag zahlen. Eine Pflicht zur Barzahlung besteht nicht.“ Und falls es Schwierigkeiten mit dem Dienst gebe, sollte man sofort die Polizei einschalten, die den Fall dann vor Ort überprüfe.

Baron kennt diese Schlüssel-Erlebnisse: „Wir werden immer wieder mit solchen Fällen konfrontiert.“ Er rät generell zur Vorsicht gegenüber nicht bekannten Schlüsseldiensten, die horrende Summen verlangten. In diesem Fall schlägt der Experte vor, bei der Polizei eine Strafanzeige wegen Betruges aufzugeben. „Sie führt zu Ermittlungen, der Sachverhalt wird von der Staatsanwaltschaft juristisch geprüft und kann zu einer Anklage führen.“

In Zusammenarbeit mit dem Sozialverband Heidekreis wird es diesem Jahr in den Ortsverbänden entsprechende Vorträge zu diesem Thema geben, „denn gerade ältere Menschen wissen dann nicht mehr, was sie tun können“, sagt Baron.

Aufklärung dringend nötig

Der Sozialverbands-Kreisvorsitzende Jürgen Hestermann sieht die dringende Notwendigkeit einer Aufklärung. „Darum freuen wir uns, dass uns der Weiße Ring mit seinen wertvollen Informationen unterstützen will.“

Tischlermeister Bernd Funke ist für Schlüsseldienst-Probleme in Walsrode „und um zu“ als einer der seriösen Unternehmen schon seit Jahren tätig. „Ich kenne diese Dienste, die auch uns wegen ihrer stark überhöhten Preise das Leben schwer machen. Ich habe meine Preise mit dem Verbraucherschutz abgestimmt. Solch eine Tür zu öffnen, wie in dem geschilderten Fall würde bei mir durchschnittlich 75 Euro kosten. Es ist einfach unglaublich, was sich einige Abzocker einbilden und wie leicht sie an die hohen Geldbeträge kommen.“

Dem 50-jährigen Walsroder ist es sehr wichtig, zufriedene Kunden über viele Jahre zu haben, statt nur ein kurzes Geschäft abzuwickeln. Es sei bedauerlich, dass in den Telefonbüchern immer noch die AAA-Nummern einiger unseriöser Betriebe an erster Stelle zu finden seien.

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