Prozess gegen 45-jährigen Angeklagten aus Walsrode

Raubüberfall nur vorgetäuscht?

Walsrode/Verden – Im dritten Anlauf versucht das Landgericht Verden zu klären, ob ein 45 Jahre alter Angeklagter aus Walsrode einen Raubüberfall vorgetäuscht und 50 000 Euro veruntreuend unterschlagen hat. Das Geld hatte er im März 2016 als freier Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes von der Sparkasse in Fallingbostel nach Oerbke bringen sollen.

Unterwegs hatte der Mann einen Notruf getätigt. Er sei in der Konrad-Zuse-Straße von einem mit zwei Personen besetzten Motorrad überholt und mit einer Schusswaffe bedroht worden. Einer der beiden habe die Scheibe der Beifahrertür eingeschlagen und den Geldkoffer vom Sitz genommen. Dann sei das Motorrad weggefahren.

Der benannte Tatort liegt in der Nähe eines Unternehmens, das sein Firmengelände mit einer Kamera überwacht hatte. Die Kameraeinstellung war so, dass der benannte Tatort ebenfalls gefilmt worden sein soll. Allerdings war auf dem Mitschnitt kein Motorrad zu sehen, sondern ein weißer Kombi mit auffälligen Details, wie einem dunklen Fleck unterhalb der Scheinwerfer. So wie er „von Mitgliedern der Familie des Angeklagten genutzt“ wird, stellte das Amtsgericht Walsrode später fest.

Zu erkennen sei, dass der weiße Wagen etwa 20 Minuten gewartet habe und der nicht zu identifizierende Fahrer zweimal ausgestiegen sei. Gegen 9.30 Uhr soll der Angeklagte dort angekommen sein. Er habe gehalten, der Fahrer des Kombi habe die Scheibe eingeschlagen und sei weggefahren.

Am 25. April 2018 wurde der sechsfache Vater vom Amtsgericht Walsrode wegen gemeinschaftlich veruntreuender Unterschlagung zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Die Einziehung von 50 000 Euro als Wert des Taterlangten wurde angeordnet. Das Geld aus dem Koffer ist nie aufgetaucht. Der damalige Chef des Angeklagten musste dafür haften.

Angefochten wird das Urteil von dem Angeklagten, der, wie im ersten Prozess, zu den Vorwürfen schweigt. Zweimal war das Berufungsverfahren in Verden bereits gestartet, endete aber nie mit einem Urteil. Zuletzt war es ausgesetzt worden, weil der Verteidiger der Auffassung ist, dass das Video nicht als Beweismittel verwendet werden darf. „Die personenbezogenen Daten wurden unrechtmäßig verarbeitet“, so Verteidiger Dr. Jürgen Meyer.

Staatsanwältin Syna Sanderbrand und die 5. Kleine Strafkammer sahen das anders. Das Video wurde als Beweismittel zugelsassen. Am Donnerstag soll der Prozess mit Zeugenbefragungen fortgesetzt werden.  wb

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