Psychisch Kranker vor dem Landgericht / Aus Unterbringung entlassen

Vorfälle nur in Walsrode

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Mediengruppe Kreiszeitung

Walsrode/Verden - Immer wieder wurde ein 54 Jahre alter Mann in der Psychiatrie des Heidekreis-Klinikums Walsrode fixiert. Zur Sprache kam dies in einem Unterbringungsverfahren am Landgericht Verden, wo sich der Mann wegen Angriffen auf Krankenschwestern verantworten musste. „19 Tage durchgehend 24 Stunden zu fixieren, das ist Mittelalter“, erklärte der vom Gericht beauftragte psychiatrische Sachverständige Dr. Matthias Eibach.

Im März 2014 war der psychisch kranke Mann nackt über den Flur der Psychiatriegelaufen, um sich aus einer Wäschekammer Kleidung zu holen. Dort griff er eine Schwester an und rieb sich an ihr.

Der Vorwurf des versuchten Totschlags hat sich nicht bestätigt. Das Gericht wertete das Tatgeschehen als gefährliche Körperverletzung und sexuelle Nötigung. „Wir sind überzeugt, dass er die Geschädigte mit einer Intensität gewürgt hat, dass man von einer lebensgefährdenden Behandlung ausgehen kann. Ein Tötungsvorsatz lässt sich aber nicht nachweisen“, hieß es in der Urteilsverkündung.

Zwei Monate später soll der Mann eine Schwester mit einer Suppenkelle bedroht haben. Der Beschuldigte sprach von einem Schöpfer. Er sei sehr gläubig und habe als des Schöpfers verlängerter Arm gehandelt. „Eine Bedrohung lag nicht vor. Er hat nicht zugeschlagen, obwohl er es hätte tun können“, sagte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk.

Weil der Mann auf Grund seiner psychischen Erkrankung im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt hatte, drohte ihm die Anordnung einer Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Doch dafür brauchte es eine Gefahrenprognose hinsichtlich weiterer Taten. „Es muss eine Wahrscheinlichkeit höheren Grades vorliegen“, erklärte der Vorsitzende. Doch diese sah der Sachverständige nicht.

Bei dem Beschuldigten wurde eine „paranoid halluzinatorische Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis“ diagnostiziert. Diese bestehe seit 30 Jahren. In der ganzen Zeit habe er keine Straftat begangen.

Der Mann hatte sich im Februar 2014 freiwillig in die psychiatrische Abteilung des Heidekreis-Klinikums begeben. Davor hatte er im Geistlichen Rüstzentrum Krelingen gelebt.

Nach dem Vorfall mit der Suppenkelle im Mai 2014 kam der unverheiratete Mann auf Grund eines Unterbringungsbefehls nach Lüneburg, wo es keine Übergriffe gab. „Die Vorfälle waren nur in der Psychiatrie in Walsrode“, hieß es in der Urteilsbegründung. Dort hatte sich der Beschuldigte laut dem Sachverständigen in einer Extremsituation befunden.

Am Ende des Verfahrens beantragte nicht nur der Verteidiger, sondern auch die Staatsanwältin, den Antrag auf Unterbringung zurückzuweisen und den vorläufigen Unterbringungsbefehl aufzuheben. Dem folgte die Kammer, und der Beschuldigte wurde sofort entlassen.

Der Betreuer hatte dem 54-Jährigen bereits vorsorglich einen Platz in einer Einrichtung außerhalb des Heidekreises besorgt.

wb

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