Am Landgericht Verden

Prozess wegen versuchten Mordes: Vom Räuber zum Gejagten

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Walsrode/Verden - Vom Räuber zum Gejagten soll ein 22 Jahre alte Angeklagter am 6. Oktober in Walsrode geworden sein. Nur aus Angst will er auf seiner Flucht vor Zeugen mit einem Messer hantiert und einen 20-Jährigen lebensbedrohlich verletzt haben. Seit Montag muss sich der zum Tatzeitpunkt wohnungslose Mann vor dem Landgericht Verden jedoch wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und versuchter schwerer räuberischer Erpressung verantworten.

„Ich war in Häuslingen rausgeflogen und hatte kein Geld“, sagte der Angeklagte beim Prozessauftakt am Montag. Er habe sich von der Beute Essen, Trinken und Drogen kaufen wollen. Vorrangig habe er Marihuana und Speed konsumiert. Ansonsten gelegentlich Ecstasy und Kokain.

Auf die Idee eines Überfalls vor einer Spielothek habe ihn ein Bekannter gebracht, der von seiner Geldnot gewusst habe, behauptete der Angeklagte. „Weil die meisten, die dorthin gehen, Geld dabei haben“, erklärte er. Der Bekannte habe ihm das bei der Tat verwendete Einhandklappmesser, laut Anklageschrift mit einer neun Zentimeter langen Klinge, gegeben. Der eingesetzte Teleskopschlagstock sei seiner gewesen.

Als Opfer wählte sich der bezüglich des versuchten Raubes geständige Angeklagte jedoch einen 16-Jährigen aus, der gar nicht in die Spielothek wollte. Das Tatgeschehen ist soweit unstrittig.

Zwischen Volksbank und Spielothek habe er den Jugendlichen an eine Wand gedrückt und ihm das Messer an den Hals gehalten, heißt es in der Anklageschrift. „Er forderte alle Wertgegenstände und begann ihn zu durchsuchen. Zwei Zeugen wurden darauf aufmerksam“, verlas die Staatsanwältin. Der Angeklagte ergriff die Flucht und soll von mehreren Personen verfolgt worden sein.

Umgehende Behandlung verhindert Lebensgefahr

In der Parkanlage am Klostersee soll einer der beiden ersten Zeugen versucht haben, den Angeklagten zu Boden zu reißen. Der 20-Jährige wurde mit drei Messerstichen in den Bauchbereich, Hinterkopf und Schlüsselbein lebensbedrohlich verletzt, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Nur durch eine umgehende ärztliche Behandlung soll akute Lebensgefahr verhindert worden sein.

Der Angeklagte bestreitet jegliche Tötungsabsicht und gezielte Stiche. „Ich wollte ihn nur auf Abstand halten. Ich hatte Angst, dass die auf mich einschlagen“, so der Angeklagte. Die Gruppe der Verfolger sei mit Elektroschocker, Schlagstock und Ästen bewaffnet gewesen. Gegen zwei Männer wurde wegen Körperverletzung inzwischen Anklage beim Amtsgericht Walsrode erhoben. Sie sollen auf den Angeklagten eingeschlagen und ihm unter anderem einen Bruch der Mittelhand zugefügt haben.

Bei der Tat will der Angeklagte nicht nur unter Drogeneinfluss gestanden haben. Er habe bei minus elf Dioptrien ohne Brille kaum etwas sehen können. Als erste Zeugen wurden Montag die beiden Opfer gehört. Dienstag wird der bis 20. April terminierte Prozess mit weiteren Zeugen fortgesetzt. 

wb

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