Prozess vor dem Landgericht Verden

Hat Heer Insolvenz verschleppt?

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Mediengruppe Kreiszeitung

Walsrode/Verden - Wegen Insolvenzverschleppung und Gläubigerbegünstigung muss sich Wolfgang Heer seit gestern vor dem Landgericht Verden verantworten. Es geht um Vorfälle, die bereits neun Jahre zurückliegen. Ebenfalls angeklagt ist die damalige Geschäftsführerin der später insolventen Musikproduktions GmbH.

Der ursprüngliche Anklagevorwurf aus dem Jahr 2012 lautete auf Bankrott. Die damals zuständige Kammer des Landgerichts Verden hatte es jedoch abgelehnt, das Verfahren zu eröffnen. Die Staatsanwaltschaft Verden ließ diese Entscheidung durch das Oberlandesgericht Celle überprüfen, und diese sah nicht den Vorwurf des Bankrotts als berechtigt an, sondern der Gläubigerbegünstigung. Darüber hat neben dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung nun die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts zu entscheiden.

Die Angeklagten sollen als Geschäftsführer einer 1999 gegründeten Musikproduktions GmbH am 27. Juli 2007 einen Vertrag auf den 30. Dezember 2005 rückdatiert haben und damit das Inventar einer Diskothek und eines Tanzcafés einer Gastronomie Betriebs GmbH sicherungsübereignet haben.

Am 19. Juli 2007 war bei einem Brand die Inneneinrichtung der Disko vernichtet worden. Die Versicherung zahlte laut Anklageschrift im Januar 2008 als Entschädigung 235000 Euro – und zwar auf Grund der Sicherungsübereignung an das Gastro-Unternehmen und nicht an die Musikproduktions GmbH. Die Angeklagten sollen an der Gastronomie Betriebs GmbH beteiligt gewesen sein und der laut Anklage überschuldeten Musikproduktions GmbH das Geld entzogen haben. Heer wird mit einer zweiten Anklageschrift vorgeworfen, trotz Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung keinen Insolvenzantrag für die Musikproduktions GmbH gestellt zu haben.

Der gestrige Start gestaltete sich holprig. Die Verteidiger Dr. Jürgen Meyer und Raben Funk erhoben eine Verzögerungsrüge. Akten hätten ihnen nicht vollständig vorgelegen. Als unrechtmäßig erachtete Funk den „Import und Export von Daten“ in dem Verfahren. „Es ist fraglich, inwieweit diese verwertbar sind“, so Funk. Entsprechende Unterlagen sollen im Rahmen von Durchsuchungen, die jedoch aus anderen Gründen stattgefunden hatten, sichergestellt worden sein.

Keiner der Beteiligten dürfte ein Interesse an einem „Endlosverfahren“ haben. „Ich denke, alle wollen es zu Ende bringen“, so der Vorsitzende Richter Markus Tittel. Heer nickte zustimmend.

Angedeutet wurde, dass Heer maximal eine kleine Geldstrafe droht. Eine Einlassung wollten die Angeklagten zunächst nicht abgeben. Zeugen wurden noch nicht gehört. Eine Einstellung des Verfahrens hat die Staatsanwaltschaft abgelehnt. Heers Ziel ist jetzt ein Freispruch.

Bis Montag, 22. Februar, sind zunächst vier Verhandlungstage eingeplant.

wb

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