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Präsenz soll Nachwuchsproblem lösen

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Das Bäckerhandwerk kämpft seit Jahren mit Nachwuchsproblemen. In der Backstube ebenso wie am Verkaufstresen. In Walsrode suchten die Mitglieder der Innung einen Ausweg.

Lange Tische, an denen Menschen sitzen sind auf die gegenüberliegende Wand ausgerichtet. Davor steht eine Referentin vor einer Leinwand.
Die Mitglieder der Bäckerinnung trafen sich zu einer Fachtagung in Walsrode. © Müller

Walsrode – Die verstärkten Bemühungen um mehr Interesse beim Nachwuchs an ihrem „schönen Handwerk“ standen im Mittelpunkt eines Gedankenaustauschs von Mitgliedern der zu Jahresbeginn fusionierten Bäckerinnung Lüneburger Heide, die unter anderem aus Walsrode, Bad Fallingbostel und anderen Orten der Region im Hotel Anders zusammenkamen. Obermeister Dirk Wrogemann aus Wietzendorf sagte:

„Wir müssen mehr auf uns aufmerksam machen.“ Er freue sich darüber, dass die Betriebe Eigeninitiative entwickelten, um für den Beruf des Bäckers neue Lehrlinge zu gewinnen. „Gerade die heutige Situation macht es uns allen schwierig, an guten Nachwuchs heranzukommen.“

Die Ausbildung gewinnt immer mehr an Qualität

Die Lage bei den Bäckereien vor Ort stelle sich wie folgt dar: Zurzeit würden 17 junge Menschen ausgebildet. Sie durchliefen vor allem dank einer hervorragenden Zusammenarbeit mit den Berufsbildenden Schulen eine immer besser werdende Lehre, zu der häufig auch eine Auslandsfahrt nach Frankreich gehöre. Die jungen Menschen würden im Nachbarland nicht nur neue Kontakte knüpfen, sondern viel Wissenswertes aus der französischen Backkunst erfahren.

„Wir müssen uns in der Öffentlichkeit noch besser verkaufen“, sagte der Obermeister. Dazu gehöre vor allem auch die Freundlichkeit des Personals gegenüber den Kunden, gerade in der Pandemie-Zeit. Und noch mehr Fachwissen. „Wissen, was ein Sauerteigbrot ist“, beispielsweise.

„Sauerteig selbst riechen ist mehr“

Dieser Meinung ist auch Personaltrainerin Gesa Lüken aus dem ostfriesischen Uplengen. Selber einmal Quereinsteigerin in das Bäckerhandwerk gewesen, regt sie inzwischen dazu an, dass gerade die Auszubildenden in den Betrieben einmal ihre Arbeitsplätze tauschen sollten. „Warum soll ein Bäckerlehrling nicht auch einmal seine Backwaren am Tresen verkaufen können. Und die Verkäuferin in die Backstube hineindürfen?“ Sie habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht und viel dazugelernt. „Sauerteig riechen ist mehr als nur darüber zu sprechen.“

Claudia Wolther, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit bei den heimischen Bäckern, bedankte sich ausdrücklich bei den Berufsschulen. Es sei so wichtig, dass sie direkt vor Ort seien und die schulischen Belange dieses Berufs abdeckten. „Das müssen wir uns auf jeden Fall erhalten.“

Während dieser zweiten Zusammenkunft der Bäcker gab es darüber hinaus viele Tipps für die nächste Zeit. Obermeister Wrogemann gewann der Pandemie auch etwas Positives ab, als er sagte, dass es vielleicht gar nicht einmal so schlecht sei, dass viele Menschen ihr Brot heute selber backten. „Dann sehen sie, wie viel Arbeit damit anfällt und kommen sicherlich wieder eher in die Bäckerei, um ein saftiges Schwarzbrot zu kaufen und zu genießen.“  mü

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