Taten reichen bis sechs Jahre zurück

36-jähriger Walsroder vor dem Landgericht Verden: Noch Chance auf Bewährung

Walsrode/Verden - Ein 36 Jahre alter Angeklagter aus Walsrode muss sich aktuell am Landgericht Verden für Taten verantworten, die bis zu sechs Jahre zurückliegen. Das Amtsgericht Walsrode verhängte in erster Instanz nicht mehr bewährungsfähige Freiheitsstrafen. Am Landgericht Verden soll dem Mann unter Berücksichtigung des langen Zeitraums die Chance der Bewährung gewährt werden. Er ist geständig und hat nach eigener Aussage sein Leben geändert.

Im Dezember 2012 berichtete ein Mann in einem anderen Verfahren, dass sein Kumpel in der Beethovenstraße von einem Türken Betäubungsmittel kaufe. Die Ermittler konzentrierten sich auf ein Mehrfamilienhaus, in dem knapp 20 Personen lebten, davon sechs Männer. Nur der Name des Angeklagten passte zur Personenbeschreibung des Zeugen.

„Polen-Böller“ im Keller und Drogenverkäufe

Für die Observation positionierte sich ein Beamter in einer Wohnung gegenüber der des Angeklagten. Durch den Spion wurde die Wohnungstür des Angeklagten beobachtet. Weitere Beamte überwachten den Außenbereich. Alles hatten sie im Blick: das Vorfahren eines Autos, wie der Angeklagte seine Wohnung verließ, aber nicht gleich das Haus. Stattdessen ging noch kurz im Keller das Licht an.

Als die Beamten zuschlugen, wurden sie nicht in der Wohnung, aber mit Unterstützung eines Drogenspürhundes im Keller fündig. Dort lagerten 22,35 Gramm Kokaingemisch. „Diese Betäubungsmittel gehörten dem Angeklagten. Er wollte sie gewinnbringend veräußern“, stellte das Amtsgericht Walsrode im Urteil fest. Bei der Durchsuchung entdeckten sie in seinen Räumen noch 24 „Polen-Böller“. Im Jahr 2014 ermittelte die Polizei konkrete Drogenverkäufe an mehrere Personen.

„Ihr Mandant war damals kein Guter“

Zum Prozess kam es erst 2017. Aufgrund der zeitlichen Zäsur wurden durch ein einzubeziehendes Urteil zwei Strafen verhängt. Wegen des Besitzes, gewerbsmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz kassierte der in Burgwedel geborene Angeklagte zwei Jahre und zwei Monate sowie weitere zwei Jahre und drei Monate Haft. Wegen der langen, rechtsstaatswidrigen Verfahrensdauer legte das Gericht fest, dass die drei und zwei Monate über den zwei Jahren als vollstreckt anzusehen sind.

„Ihr Mandant war damals kein Guter, das ist objektiv feststellbar. Die Frage ist, ob dieser Schuss vor den Bug gewirkt hat“, wandte sich der Vorsitzende Richter Joachim Lotz an die beiden Verteidiger. „Ich habe genug hinter mir und will nachts in Ruhe wieder schlafen können“, erklärte der Angeklagte. Jahre lebe er nun schon mit der Angst vor einer Inhaftierung, habe mittlerweile eine Familie gegründet und einen festen Job. Sein Schmunzeln auf die Anmerkung des Richters, dass die Drogen eine „Scheiß-Qualität“ gehabt haben sollen, kam indes bei dem Vorsitzenden nicht gut an.

Die Staatsanwaltschaft hatte zwar ebenfalls Berufung eingelegt, stimmte aber einem Verständigungsvorschlag des Gerichts zu. Die Zeichen stehen auf Bewährung. Das Urteil in Verden soll am 9. Februar verkündet werden. 

wb

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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