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Neuer Botschafter für die Böhmischen Dörfer: Kleinbahn freut sich auf besonderen Waggon

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Eine Kleinbahn, im Hintergrund ein Ortsrand.
Ein goldener Schienennagel könnte eingeschlagen werden: Die aufwendige Umspurung der Strecke bis Vorwalsrode ist endlich geschafft. Aber Gold ist teuer und die Finanzen knapp, sodass die Böhmetalbahn diesen Meilenstein wohl etwas bescheidener feiern wird. © Böhmetalbahn

Walsrode – Von 1897 bis 1937 fuhr der „Wallücker Willem“ auf einer 600-mm-Bahnstrecke zwischen den ostwestfälischen Orten Kirchlengern und Wallücke. Die Stilllegung erfolgte wegen eines jährlichen Fehlbetrages von 7 000 Mark und weil die Post mit einem Postbus in Konkurrenz treten wollte. Für die „Wallücke Bahn“, wie sie offiziell genannt wurde, ist die Geschichte damit aber nicht zuende. Bei der Stilllegung 1937 wurden zwar alle Fahrzeuge verschrottet, aber eine Idee hat überlebt, die man heute als „Niederflurtechnik“ bezeichnet. Genau 125 Jahre nach seiner Erfindung wird ein solcher Zug wieder auf Schienen unterwegs sein, denn ein entsprechender Wagen entsteht aktuell in einer Werkstatt in der Nähe von Walsrode. Alte Zeichnungen und historische Fotos helfen den Handwerkern dabei.

30 zusätzliche Plätze in geschlossenen Waggons

„Aufgrund seiner Konstruktion kann der Waggon an jeder Haltestelle auch von Rollstuhlfahrern benutzt werden“, schreiben die Verantwortlichen der Böhmetal-Kleinbahn in einer Pressemitteilung. Mit dem Nachbau werde das Angebot an gedeckten Waggons bei der Böhmetal-Kleinbahn um sechs Plätze für Rollstuhlfahrer erweitert. „Durch die 30 Fenster haben alle Gäste einen guten Ausblick auf die Besonderheiten entlang der Bahnstrecke. Dazu gehören das Hügelgräberfeld aus der späten Bronzezeit, der Jordan und die schöne Landschaft allgemein.“ Gruppen mobilitätsbeschränkter Personen könnten künftig an einem Erlebnispädagogik-Programm teilnehmen. „Insbesondere bei Regen und im Winterhalbjahr ergeben sich 30 zusätzliche Plätze in geschlossenen Waggons.“

Mit dem Waggon erhalte die Böhmetal-Kleinbahn ein ganz besonderes Fahrzeug, das zum Beispiel zu Werbezwecken für die Region Lüneburger Heide auch auf Messen und Ausstellungen gezeigt und eingesetzt werden kann. „Gewissermaßen ein neuer Botschafter für die Böhmischen Dörfer.“

Umspurung einer fast neun Kilometer langen Bahnstrecke von 1435 auf 600 Millimeter

Doch die Rekonstruktion des Waggons ist nicht das einzige Projekt der Böhmetal-Kleinbahn. Ein weiteres ist die Umspurung einer fast neun Kilometer langen Bahnstrecke von 1435 Millimeter auf 600 – eine gewaltige Herausforderung, die nun beendet wurde. „Eigentlich wäre das Einschlagen eines goldenen Schienennagels fällig gewesen, bevor der erste Zug Vorwalsrode erreicht hat. Gold ist teuer und die Finanzen sind knapp, also bleibt es bei der Meldung“, schreiben die Böhmetalbahner.

1910 wurde die Bahnstrecke Verden-Vorwalsrode eröffnet. In den 60er-Jahren stellte man den Personenverkehr ein. Ab 2013 erwarb die Böhmetalbahn sukzessive die Strecke von Altenboitzen bis Vorwalsrode. Im Jahr 2014 begannen die Arbeiten zur Umspurung von der klassischen Spurweite auf 600 mm, was einer Feldbahn entspricht.

Es musste viel improvisiert werden

Eine Herkulesaufgabe für die Aktiven und Mitarbeiter der Böhmetalbahn, die nun das Ziel erreicht haben. „Zahlreiche Schwierigkeiten waren zu meistern, die mit Worten kaum zu beschreiben sind.“ Keine Bahnbaufirma mit schwerem Gerät kam zum Einsatz, sondern die geringen Ressourcen verlangten von den Ehrenamtlichen die ständige Bereitschaft, zu improvisieren. Nun ist das Werk gelungen, aber noch nicht abgeschlossen. Nur Arbeitszüge dürfen bisher auf die Strecke.

Das Projekt bedarf weiterhin der Unterstützung der Kommunen und des Landkreises. Anerkennung darf man den Aktiven trotzdem schon aussprechen.

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