Puppen-Theaterstück soll Kinder vor sexuellem Missbrauch schützen

„Nein, so will ich das nicht“

Die Mitglieder von Ladies Circle und Round Table Walsrode spendeten 3 300 Euro für das Projekt: (v.l.) Matthias Henning, Andrea Humrich, Dierk-Hinrich Norden, Andrea Reinbold, Karin Rabe (Stephansstift), Roger Walter (Leiter des Stephansstifts) und Wiebke Kultscher vom Kulturzentrum „mittendrin“. - Foto: Templin

Walsrode - Nein zu sagen, verlangt oft viel Mut. Besonders wenn das Nein von einem Kind an einen Erwachsenen gerichtet ist. Stärke und Furchtlosigkeit, sich gegen eine körperlich überlegene Person zu behaupten, bekommen 480 Jungen und Mädchen aus zehn Walsroder Kindertagesstätten vom 23. bis 25. Mai beim Puppen-Theaterstück „Sag Ja zu dir und Nein im richtigen Moment“ beigebracht. Das zweitägige Projekt dient dazu, sexuellem Missbrauch vorzubeugen.

Zum Inhalt des Theaterstücks: Die Drachen Lucky und Feurio versuchen, die zwei Hauptfiguren Tom und Tinka zum Guten oder Bösen zu beeinflussen. Der Mutmachdrache Lucky gewinnt und überzeugt die Kinder, dass es Situationen gibt, in denen man sich durch ein klares Nein wehren darf und muss.

Dazu üben die Charaktere eine selbstbewusste Haltung, nämlich die Hand auszustrecken und deutlich Nein zu sagen. Die jungen Zuschauer tragen anschließend den Inhalt des Stückes weiter: Sie eifern den Hauptfiguren nach, sie singen die Lieder des Stückes, tanzen dazu. Die Musik gibt es am Ende der Projekttage auf einer CD mit nach Hause.

Initiatorin Karin Rabe, Diplom Pädagogin in der evangelischen Jugendhilfe im Stephansstift in Walsrode, sieht in dieser Aktion eine gute Chance zum Schutz der Jüngsten. „Wir können die Kinder nur beschützen, wenn wir sie stärken und ihnen Mut zusprechen.“

Eine einheitliche Prävention gibt es bei sexuellem Missbrauch nicht, sagt die Pädagogin. „Erwachsene sind immer stärker. Wer ein Kind vergewaltigen will, kommt auch leider oft zum Ziel.“

Nicht nur die Kinder nehmen an dem Projekt teil, auch Eltern und Erzieher sind dabei: Mütter und Väter werden in einer Abendveranstaltung zum Thema sexueller Missbrauch sensibilisiert. Die Erzieher aus den Kindertagesstätten bekommen eine fundierte Schulung. Jeder Erwachsene sieht das Theaterstück ebenfalls.

Das Projekt ist in Walsrode nicht neu: Bereits vor drei Jahren begleitete Karin Rabe vom Stephansstift Kinder, Erzieher und Eltern. „Alle, die mitgemacht haben waren begeistert und wünschten sich eine Wiederholung“, berichtet Karin Rabe.

Ihr Wunsch ist es, dass alle Kinder aus Kindertagesstätten im Raum Walsrode das Theaterstück einmal zu sehen bekommen.

Deswegen plant die Pädagogin alle zwei Jahre eine Wiederholung. Wenn es mit der Finanzierung klappt. Die zwei Projekttage mit 480 Kindern, Schulung der Erwachsenen und Arbeitsmaterialien für die Kindertagesstätten kosten 4 500 Euro.

In diesem Jahr unterstützen die Mitglieder des Ladies Circle und des Round Tables aus Walsrode mit einer Spende von 3 300 Euro die Aktion. Der Heidekreis gibt darüber hinaus 500 Euro dazu. Jedes Kind zahlt 1,50 Euro Eigenanteil. Die Räumlichkeiten für die Kinder, Eltern und Erzieher stellt die Stadt Walsrode im Kuturzentrum „mittendrin“ zur Verfügung.

„Ohne diese großzügigen Spenden und die gute Zusammenarbeit wäre das Projekt nicht zustande gekommen“, bedankte sich Karin Rabe. Matthias Henning, Vizepräsident, und Dirk-Hinrich Norden vom Round Table sowie Andrea Reinbold, Vizepräsidentin, und Andrea Humrich vom Ladies Circle überreichten die Summe im Rahmen einer einer symbolischen Scheckübergabe.

Matthias Henning, dessen Tochter Mia vor drei Jahren bei dem Projekt mitgemacht hat, ist überzeugt von der Wirkung: „Meine Tochter hört heute noch die CD und tanzt dazu.“ Und es gab Alltagssituationen, in denen Mia ein Nein übte und mit ausgetreckter Hand sagte: „Nein, so will ich das nicht.“ Der Vater musste zwar erstmal schlucken, nimmt es aber heute mit Humor: „Auch ich habe dazugelernt.“ - at

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