„Adventure Camp“ in Vethem arbeitet präventiv mit Jugendlichen

Mutig und selbstbewusst

Nur mit Teamwork klappt’s: Fabio aus Köln greift nach dem Becher. Seine Teamkameraden unterstützen ihn dabei. - Fotos: Templin

Vethem - Von Aenne Templin. Draußen in der Natur schlafen, abends am Lagerfeuer neue Freunde kennenlernen und im Hochseilgarten eigene Grenzen überwinden: 100 Jugendliche aus ganz Deutschland stürzten sich am vergangenen Wochenende in ein dreitägiges Abenteuer im „Adventure Camp“ in Vethem. Louise (13) und Nina (12) aus Berlin sowie Annalena (13) aus der Nähe von Köln sind sich einig: „Es gibt nichts Besseres.“

Der Verein „Keine Macht den Drogen“ veranstaltet das Zeltlager gemeinsam mit dem „Camp Adventure“, auf dessen Gelände in Vethem den ganzen Sommer über verschiedene Abenteuercamps stattfinden. Die Teilnehmer im Alter zwischen 11 und 15 Jahren beschäftigen sich am Wochenende mit Hilfe ausgebildeter Betreuer mit verschiedenen Formen der Sucht, zum Beispiel dem Verlangen nach Alkohol, Drogen, Internet und Essen. Action und Nervenkitzel standen dabei im Mittelpunkt, nicht trockene Theorie oder der erhobene Zeigefinger.

„Der Frontalunterricht ist Geschichte“, sagt Sandra Hainzl vom Verein „Keine Macht den Drogen“. Und: „Wir zeigen den Kindern heute Alternativen auf, mit deren Hilfe sie auch ohne Drogenglücklich sein können.“ Beim Klettern, Schaukeln und Bogenschießen erleben die Jugendlichen in kleinen Gruppen Teamarbeit, lernen eigene Grenzen zu überwinden und Menschen zu vertrauen. „Während des Camps werden viele Freundschaften geschlossen und Freunde sind eine wichtige Basis, um jeder Sucht entgegenzuwirken“, sagt Sandra Hainzl.

Ein gutes Team benötigt auch der zwölfjährige Fabio aus Köln. An einer Markierung stehend, versucht er, einen auf dem Boden stehenden Becher zu angeln, ohne die Markierung zu übertreten. Während er seinen Körper und die Fingerspitzen ausstreckt, halten ihn seine Teammitglieder an Armen und Beinen fest. Fünfmal endete der Versuch im Gras. Nach einer kurzen Diskussion steht eine neue Strategie fest. Als Fabio schließlich den Becher in der Hand hält, brechen alle in Jubelschreie aus. „Ich hab zu Beginn nicht gedacht, dass das klappt“, sagt der Schüler.

Ein Stück weiter im Wald wird gerade eine Teilnehmerin von ihren Teammitglieder mit einem elastischen Seil in die Baumkronen gezogen. Nach einem Countdown schaukelt sie mit einem lauten Schrei zum nächsten Baum. „Nochmal!“, ruft sie ihren Mitstreitern mit einem breiten Grinsen im Gesicht zu.

„Anderen Menschen zu vertrauen, ist ein wichtiger Bestandteil der Präventionsarbeit“, so Hainzl. Die Jugendlichen trauen sich darüber hinaus Dinge, die sie im Alltag nicht erlebt hätten. „Das stärkt das Selbstbewusstsein und endet hoffentlich darin, dass die Jugendlichen auch mal deutlich ‚Nein‘ in einer Situation sagen und nicht dem Gruppenzwang nachgeben.“

Louise (13) aus Berlin, Annalena (13) aus Köln und Nina (12) aus Berlin (v.l.) haben sich erst im „Adventure Camp“ kennengelernt. „Es gibt nichts Besseres“, sagen die drei.

Ein klares „Nein“ hätten einige Teilnehmer am liebsten auch zu Beginn des Camps gesagt: Alle Jugendlichen mussten ihre Handy abgeben. Von dem „Schock“ haben sich aber alle schnell wieder erholt. „Es sind nur drei Tage, das lässt sich aushalten, und so schlimm ist es gar nicht ohne Handy“, stellt Louise klar. Sie hat sich alleine auf den Weg gemacht, kannte vorher niemandem im Camp. Ihre Mutter hat sie und ihren Bruder zum Zeltlager angemeldet. „Mama sagte, das wäre vielleicht gar nicht schlecht für uns. Und ich finde das auch.“ Gulia aus Bielefeld sagt zum Thema Handy: „Mir macht das nichts aus. Ist trotzdem geil hier.“ Sie hat sich gemeinsam mit ihren Klassenkameraden angemeldet.

Am Abend warten auf die jungen Teilnehmer ein Lagerfeuer, eine Disco und ein Wettbewerb für alkoholfreie Cocktails. Das Team, das den Geschmack aller trifft, gewinnt. „Cool. Darauf freue ich mich“, sagt Annalena.

Das Camp und die Anreise dazu sind für die Teilnehmer kostenlos. Die Veranstaltung finanziert der Verein „Keine Macht den Drogen“ aus Spendengeldern. Jeder zwischen 11 und 15 Jahren kann sich zu der Veranstaltung anmelden. Andere Voraussetzungen gibt es nicht, auch nicht, dass ein Jugendlicher schon Erfahrungen mit Drogen gemacht haben muss. Mehr Informationen gibt es online.

Adventure Camp in Vethem

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