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Kovel-Hilfe Walsrode: Mit Medizin und Schokolade nach Kovel

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Männer und Frauen beim Bepacken des Gepäckfachs eines Reisebusses.
Der Stauraum wurde vollständig ausgenutzt. © Müller, Klaus

Ein ukrainischer Sonderbus startete am Samstag mit 28 Ukrainern an Bord nach Kovel. Mit an Bord war die 87-jährige Anastascija, die in ihre Heimat zurückkehren wollte. Zum Konvoi gehörten außerdem ein gespendeter Rettungswagen und ein mit Schokolade bepacktes Privatfahrzeug aus Bad Fallingbostel.

Heidekreis – Es war 14.45 Uhr an diesem herrlichen Pfingstsamstag, als der ukrainische Sonderbus seine Rückfahrt nach Kovel startete. 28 Ukrainer saßen darin. Ebenfalls geflüchtete Landsleute, ihre Kinder, deutsche Gastgeber und Walsrodes Bürgermeisterin Helma Spöring waren zum Klostersee gekommen, um die Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zu verabschieden.

„Sie wollten unbedingt nach Hause“, sagt Kovel-Initiator Michael Haacke. Der Altenboitzer, der seit über 20 Jahren zigmal in die Stadt nahe der polnischen Grenze und nicht weit von Weißrussland entfernt gefahren ist, steuerte am Samstag den Krankenwagen, den die DRK-Kreisverbände aus Soltau und Fallingbostel gespendet hatten. Und mit einem mit Schokolade vollgepackten Privatfahrzeug aus Bad Fallingbostel setzte sich der kleine Konvoi dann in Bewegung. Rund 22 Stunden wird er unterwegs sein und irgendwann am Sonntag in der Ukraine eintreffen.

„Ich komme auf jeden Fall zurück“, sagt Tania Panova, die Lehrerin, die mit ihrer 87-jährigen Mutter vor den Kriegswirren in der Ukraine geflüchtet war und seit dieser Zeit als Dolmetscherin und Lehrerin in verschieden Schulen des Heidekreises Deutsch unterrichtete. Immer mehr ukrainische Schülerinnen und Schüler besuchen mittlerweile Einrichtungen wie die Südschule in Walsrode.

Tania begleitet ihre Mutter auf dem Weg. „Eigentlich wollte sie jeden Tag zurück, obwohl die Menschen hier so freundlich waren“, berichtet die Lehrerin. Freunden und Bekannte sollen sie in ihrem kleinen Häuschen in Kovel verpflegen. „Das Heimweh war einfach zu stark.“ Gut habe sie es in Deutschland auch gehabt, bei den Rengstorfs in Altenboitzen, aber nun freute sich die Greisin sichtlich auf die Rückkehr.

Freudige Gesichter gab es an diesem sonnigen Tag reihum. Vor allem bei den Ukrainern, die in die Heimat zurückkehren. Mit dabei auch eine Frau aus Kiew, die eine wichtige Unterschrift in ihrem Land zu leisten hat. Es gab trotzdem jede Menge Tränen: Deutsche und Ukrainer hatten sich schnell aneinander gewöhnt. Und es gab mächtiges Daumendrücken, damit der Krieg im Osten endlich ein Ende findet. An diesem Tag wurde darüber aber nur leise geredet.

Bürgermeisterin Helma Spöring verabschiedete die Rückkehrer herzlich. „Wir haben zurzeit noch rund 350 Flüchtlinge in der Stadt“, berichtete sie. Ihr Dank galt Michael Haacke, der erneut die Regie für die Aktion übernommen hatte. „Obwohl meine Frau es nicht wollte, dass ich fahre“, verriet er einem Fernsehteam des NDR. „Sie hat immer Angst um mich.“

Der Krankenwagen, der vom DRK Soltau gekommen war, war vollgepackt mit Arzneimitteln und wird ein Prunkstück im städtischen Zentralkrankenhaus werden. Und bald schon soll auch ein Transporter mit Hebebühne sich dazu gesellen. Er wird zurzeit noch aufpoliert.

Am Sonntagnachmittag erreichte der Konvoi ohne Probleme Kovel. „Wir sind gut angekommen“, meldete sich Michael Haacke nach endlosen Stunden am Steuer. „Aber nun gehe ich erst einmal schlafen.“

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