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Mit Maßband, Waage oder Kamera

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Der Vogel sitzt auf der Stange eines Gestells, das auf einer Waage steht. Eine Frau bedient die Waage.
Beim Wiegen eines Gelbbrustaras. © Weltvogelpark Walsrode

Walsrode – Mit Maßband, Waage oder Kamera – wenn Ende Januar Tierpfleger, -ärzte und Biologen des Weltvogelparks Walsrode in die Saisonvorbereitung einsteigen, werden alle Tiere gründlich durchgecheckt. Dabei steht nicht nur die Gesundheit im Fokus, sondern auch die Futterkalkulation fürs neue Jahr, schreibt der Weltvogelpark in einer Pressemitteilung.

Denn die über 4 000 Vögel aus 650 Arten hätten nicht nur einen großen Appetit, sondern bisweilen auch einen eigenwilligen Geschmack.

Von Januar bis zur Saisoneröffnung Mitte März aktualisieren die Mitarbeitenden des Weltvogelparks die Datenblätter und Bestandsbücher. Dabei startet das Team zuallererst mit einem Blick auf das Vorjahr. Allein 2021 wurden knapp 32 000 Kilogramm Fisch, 11 000 Kilogramm Fleisch, 19 500 Kilogramm Futtertiere sowie rund 1 000 Kilogramm Insekten wie Mehlwürmer verfüttert. Hinzu kommt eine Menge Obst und Gemüse, allein 1 600 Kilogramm Bananen, rund 13 000 Kilogramm Äpfel und Birnen, über 1 650 Salatköpfe, 7 000 Kilogramm Melone und Papaya, 4 500 Kilogramm Kartoffeln und Möhren sowie über 6 000 Eier.

Gourmets und wählerische Papageien

„Echte Gourmets und bisweilen sehr wählerisch sind zum Beispiel die verschiedenen Papageienarten. So bevorzugen unsere beiden Palmkakadus Granatäpfel und haben davon 2021 genau 98 Stück gefressen. Und unsere Zwergpapageien lieben getrocknete Feigen. Insgesamt 31 Kilo wurden davon 2021 vernascht“, wird Janina Ehrhardt, Pressesprecherin des Weltvogelparks, zitiert.

Die richtige und ausreichende Ernährung spielt also eine große Rolle für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bewohner. „Dementsprechend wichtig ist eine regelmäßige Evaluierung unserer Bestände und des Bedarfs. Denn schließlich steht bei uns auch eine ausgewogene und artgerechte Ernährung im Vordergrund“, verrät Ehrhardt weiter. „So bekommen tropische Arten, wie zum Beispiel die Nashornvögel, die sich in der Natur von verschiedenen Früchten ernähren, von uns einen leckeren Obstsalat in Kombination mit speziell für diese Vogelarten entwickelten Frucht-Pellets, die eingeweicht werden und so eine Konsistenz wie reife Früchte haben. So können wir eine gute Versorgung mit allen Nährstoffen gewährleisten.“

Bereits im November wurden mit der Umsiedelung in die Winterquartiere die Jungtiere, die von den Elterntieren zum Beispiel in der großen Freiflughalle selbstständig aufgezogen wurden, erfasst und beringt und damit offiziell in den Vogelbestand aufgenommen. Nun werden auch die erwachsenen Tiere noch einmal besonders unter die Lupe genommen. Dabei heiße es stets: Bloß keinen Stress. Denn den gelte es im Umgang mit den Vögeln tunlichst zu vermeiden, berichtet Ehrhardt.

Rosa Flamingos brauchen den rötlichen Farbstoff

So würden etwa die besonders stressanfälligen Flamingos nur einmal im Jahr zum großen Gesundheitscheck beordert. Gezählt würden die drei Flamingogruppen am besten bei ihrer kleinen Reise vom Innenbereich in den Außenbereich der Anlage. Bei 93 Kuba-, 49 Chile- und 29 Rosaflamingos, die sich weitgehend gleichen, sei das nicht immer einfach.

Präzision sei jedoch wichtig, denn schließlich müsse jedes Kilo Futter kalkuliert werden. Über 4 700 Kilogramm Pellets werden über das Jahr an die Flamingos verfüttert. Diese Pellets sind zusammen mit den Experten des Weltvogelparks entwickelt worden und genau auf die Bedürfnisse der Flamingos abgestimmt. Da das Futter eine Zeit lang auf der Wasseroberfläche schwimmt, können die Flamingos im Wasser ihren aus feinen Lamellen bestehenden „Filterapparat“ im Schnabel nutzen, um es aus dem Wasser zu seihen. Übrigens: In der Natur würden sich Flamingos von kleinen Krebstieren und Algen ernähren, die auch die roten Farbstoffee nthalten, die das Gefieder rosa färben. Diese natürlichen Farbstoffe müssen auch im Futter enthalten sein – denn sonst würden nach jeder Mauser die Federn weiß nachwachsen.

Etwas einfacher als bei den Flamingos ist die Zählung bei den Humboldt-Pinguinen, denn diese sehen nur oberflächlich gleich aus. Die Unterschiede zeigen sich im Bauchgefieder. Der Bauch ist weiß gefärbt und zeigt ein Muster aus schwarzen Punkten – die Anzahl und Verteilung dieser Punkte sind bei jedem Tier unterschiedlich und. So kann jeder Pinguin eindeutig seiner Transponder-Nummer zugeordnet werden. Zur schnellen Erkennung tragen farbige Armbänder an den Flügeln bei. Ohne Stress können so die 24 Pinguine beim Füttern von Fisch aus der Hand im Blick behalten werden.

Die Vögel der Flugshow sind an die Trainer als feste Bezugspersonen gewöhnt und haben eine starke Vertrauensbindung. So lässt sich die Marabudame Malaika geduldig inspizieren und vermessen. Allerdings nur von den männlichen Tierpflegern. Malaika hat zwar einen ruhigen Charakter, ist sehr zutraulich und gelehrig, nur Tierpflegerinnen haben es schwer mit ihr, denn die mag sie nicht. Daher wird sie ausschließlich von den männlichen Kollegen umsorgt und trainiert.

Palmgeierdame Oreo ist Vegetarierin

Palmgeierweibchen Oreo ist sehr menschenbezogen und neugierig. Dank intensivem Training konnte sie schon nach 21 Tagen frei über die Flugshowwiese segeln. Absoluter Rekord: Üblicherweise dauert ein solches Training mehrere Monate. Im Gegensatz zu vielen anderen Geiern haben Palmgeier übrigens einen befiederten Hals und Kopf, da sie sich in der Natur nicht von Aas, sondern überwiegend von Palmfrüchten ernähren. Sie können sogar mit dem Rücken nach unten unter Früchten hängen, um diese mit dem Schnabel zu lösen und sie dann zu zerkleinern. Das Training im Park klappt besonders gut mit Bananen – die liebt das Palmgeierweibchen. Mit diesen gelockt, stellt sich Oreo gern auf die Waage.

Pinguine stehen in ihrer Felsgrotte nebeneinander aufgereiht.
Kein Pinguin gleicht dem anderen. © Weltvogelpark Walsrode

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