Löns-Feier: Rainer Kaune hinterfragt das klischeehafte Bild des Heimatdichters

„Ein Segen für die Heide“

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Die Feierstunde für den Heidedichter war wieder sehr gut besucht. Obligatorisch ist die Niederlegung des traditionellen Bruchs.

Walsrode - Wie war er denn nun wirklich, der Hermann Löns? Diese Frage stellte sich der Autor und Kenner der Löns-Literatur, Rainer Kaune aus Bassum, bei der Feierstunde zum Abschluss der Löns-Woche. Am Grab des Journalisten und Schriftstellers stand am Ende seiner Festrede folgendes Fazit: „Vieles, was über Löns kolportiert wird, lässt sich so nicht halten.“

Stattdessen zitierte Kaune den Autor Gerhard Eckert: „Löns war neben Wilhelm Busch einer von Niedersachsens literarischen Trümpfen.“ Löns habe wahrhaft Großes zu leisten vermocht, so der Bassumer weiter „Unter anderem hat er die bis dahin wenig geliebte Lüneburger Heide aus ihren Dornröschenschlaf geweckt.“

Zehn Millionen Mal wurden die Werke von Hermann Löns weltweit gedruckt. Sein berühmter Zyklus „Der kleine Rosengarten“ inspirierte weltweit 340 Komponisten, diese Texte von Löns zu vertonen.

Löns, so Kaune, sei nie ein Nationalist im traditionellen Sinne gewesen, er habe die Heimat geliebt, sei aber gleichzeitig sehr weltoffen gewesen. Er sei auch nie, wie immer behauptet, ein forscher Frauenheld gewesen. Dies lasse sich weder aus der Literatur des Heidedichters noch aus Aussagen von Freunden und Zeitgenossen belegen. „Natur- und Tierliebhaber ja, den Menschen offen und tolerant zugewandt ja,“ so der Redner. Und immer wieder belegte er seine Behauptungen mit Zitaten aus den Löns-Werken oder mit Aussagen aus seiner Umgebung. Hermann Löns sei sicher ein „impressionistischer Nervenmensch mit extremen Gemütsschwankungen bis hin zu Depressionen gewesen“.

Für den bekannten Literatur-Papst Marcel Reich-Ranicki sei Löns ein „Neurotiker wie viele andere Literaten auch“ gewesen, zitierte der Festredner, eben ein Mensch mit seinen eigenen Widersprüchen. Und, mit der Obrigkeit habe Löns so seine Probleme gehabt, er habe immer autonom bleiben wollen. „Maul-Deutsch à la Wilhelm“ sei nicht die Sache des Heidedichters gewesen. Dagegen gehörten klare Bekenntnisse gegen Antisemitismus, klare Aussagen zu Toleranz gegenüber anders denkenden, anders fühlenden Menschen in den Besteckkasten der Löns-Aussagen, sagte Rainer Kaune. „Vieles davon zu Natur, Tier und Mensch hat heute noch eine große Relevanz.“

Walsrodes Bürgermeisterin Helma Spöring und die gerade für drei Jahre wiedergewählte Präsidentin der Löns-Verbände für Deutschland und Österreich, Monika Seidel, zeigten sich unterdessen erfreut über den guten Besuch der Feierstunde am Löns-Grab. Gemeinsam mit der Bürgermeisterin legte die Verbands-Präsidentin den traditionellen Bruch auf den Löns-Stein inmitten blühender Heide.

Festlich umrahmt wurde die Feier inmitten von den Jagdhornbläsern des Dorfmarker Hegerings und von der Walsroder Chorgemeinschaft unter der Leitung von Axel Nikolaus. Am Rande des Festprogramm übte Monika Seidel Kritik daran, dass bei den Kutschfahrten in der Heide und speziell zum Löns-Grab viel „dummes Zeug“ über den Heidedichter erzählt werde.

hf

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