Im Weltvogelpark

Mit Lockmitteln und Tricks: Große Jahresinventur in Walsrode

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Beim Wiegen des Weißkopfseeadlers.

Walsrode – Im Weltvogelpark Walsrode leben über 4 000 Vögel aus 650 Arten und von allen Kontinenten. Dabei will jeder gefiederte Schützling gut im Auge behalten werden. Vom weltgrößten Greifvogel, dem Andenkondor, bis zum winzigen Kolibri werden jährlich alle Vogelarten auf Herz und Nieren durchgecheckt, bevor am 21. März die Saison beginnt.

Mit der jährlichen Inventur checkt die zoologische Abteilung, bestehend aus Tierärzten, Biologen und Tierpflegern, ob die Vögel gesund sind und in ihren Volieren und Freiflughallen noch ausreichend Platz haben. Basierend auf den Zahlen wird anschließend auch die Futtermenge kalkuliert.

Rund sechs Wochen dauert es, bis Biologen, Tierärzte und -pfleger Schnäbel, Federn und Gewicht aller Bewohner geprüft, dokumentiert und festgehalten haben.

Dabei ist die Inventur auch immer eine kleine Herausforderung: Während sich ein Ara mit Nüssen verhältnismäßig schnell auf eine Waage locken lässt, sieht das bei großen oder gar für den Menschen gefährlichen Vögeln ganz anders aus. Dann wird getrickst. Zunächst stellt sich ein Tierpfleger allein auf die Waage, lockt danach den Greifvogel, wie zum Beispiel einen Andenkondor oder Marabu, mit Futter in seine Arme und wiegt sich erneut. Allerdings muss der Pfleger ganz schön was tragen: Ein Andenkondor kann bis zu 15 Kilogramm wiegen – ungefähr so viel wie eine volle Kiste Bier.

Es wird jedoch nicht nur gewogen, sondern auch gemessen – wie zum Beispiel die Flügelspannweite oder Krallenlänge bei den Marabus. Es handelt sich um imposante Vögel aus der Familie der Störche. Ihre Spannweite von rund drei Metern reicht fast an die des größten Greifvogels der Welt heran: den Andenkondor mit 3,25 Metern Spannweite. „Vögel von einer solchen Größe zu vermessen bedarf einiger Erfahrung. Durch die tägliche Arbeit entwickelt sich eine enge Vertrauensbasis zwischen Tier und Pfleger. Hinzu kommen die gewohnte Umgebung und die regelmäßigen Abstände, in denen die Untersuchungen durchgeführt werden. So stellen wir sicher, dass das Wohl von Mensch und Vogel immer im Fokus steht“, erklärt Janina Ehrhardt, Sprecherin des Weltvogelparks in einer Pressemitteilung.

Auch die Untersuchung der Vögel in der Regenwald- oder Freiflughalle gestaltet sich oft schwierig, da hier viele verschiedene Arten auf einem großen Gebiet leben. Die Inventur ist bei ihnen besonders wichtig, um den Vogelbestand immer genau nachvollziehen zu können. Überraschungen gibt es bei der Inventur manchmal dennoch, wenn sich Paare bilden und unerwartet im Dickicht für Nachwuchs sorgen. Für das erfahrene Tierpflegerteam ist das jedoch kein Problem. „Unsere Besucher können gern selbst ihr Know-how testen, wenn im Laufe der Saison die Anzahl der roten Sichler in der Freiflughalle zunimmt. Das dunkle Gefieder der Jungtiere enttarnt sie schnell zwischen den leuchtend rot durchgefärbten Erwachsenen. Denn es dauert einige Gefiederwechsel, bis sich das Gefieder der Jungtiere ebenso leuchtend rot färbt“, erklärt Ehrhardt.

Dank des erfolgreichen Nachzuchtprogramms können jedes Jahr neue Vögel bei den gefährdeten Arten gezählt werden. Ein großer Erfolg waren die aus Australien stammenden Palmkakadus – und das gleich dreifach. „Jedes Jahr können wir Jungtiere bei gefährdeten Arten verzeichnen, was für die ausgesprochen gute Arbeit unserer Biologen spricht“, freut sich Ehrhardt. „Die schwarz gefiederten Vögel mit nackter Gesichtshaut sind etwas ganz Besonderes, da sie zu den am schwierigsten zu züchtenden Papageienarten zählen. Der Weltvogelpark ist einer von zwei Zoos in Deutschland, die diese außergewöhnliche Papageienart zeigen.“

Spätestens Ende Februar ist das Vermessen und Zählen beendet, sodass der Weltvogelpark am 21. März seine Türen pünktlich zum Start der neuen Saison öffnen kann.

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