Weltvogelpark Walsrode gibt Tipps zum Schutz von Vögeln und Insekten

Lichtverschmutzung als Gefahr

Fängt in Städten besonders früh an zu zwitschern: die Kohlmeise.
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Fängt in Städten besonders früh an zu zwitschern: die Kohlmeise.

Walsrode – Vogelgezwitscher mitten in der Nacht? Zumindest in der Sommerzeit ist das auch in Deutschland ganz normal. Schließlich fangen einige Singvögel, wie etwa die Singdrossel oder die Rauchschwalbe, bereits eine Stunde vor Sonnenaufgang an zu zwitschern. Der Gartenrotschwanz steht noch früher auf, nämlich rund 80 Minuten vor Sonnenaufgang – aktuell etwa um 3.45 Uhr. Warum die Menschen den Vogelgesang gerade im Sommer genießen sollten, welchen Einfluss das Licht auf die Vögel hat und was gegen die sogenannte Lichtverschmutzung getan werden kann, erklären Experten aus dem Weltvogelpark Walsrode in einer Pressemitteilung.

Gerade in den frühen Morgenstunden ist der Park bereits frühmorgens erfüllt von einer Vielzahl von Gesängen. Exotisches Trällern mischt sich mit vertraut heimischem Zwitschern. Für die Frühaufsteher unter den Weltvogelpark-Biologen ist dies ein ganz besonderes Erlebnis. „Die Monate von April bis Juli sollte man als Vogelfreund besonders genießen. Denn dann ist die Brutzeit der meisten heimischen Singvögel. Und damit auch die Zeit eines besonders intensiven Vogelkonzertes.“ Die meisten Vögel sängen nur in der Paarungs- und Brutzeit, nämlich zur Revierabgrenzung und Partnersuche. „Durch unsere exotischen Vögel hier im Park wird bei uns die Saison natürlich ein wenig nach vorn und hinten verlängert“, verrät Javier Gimeno, Biologe und Geschäftsführer des Weltvogelparks.

„Mit ein wenig Geschick und dem nötigen Know-how kann man sogar recht genau heraushören, wie spät oder eben früh es ist.“ So lasse etwa der Kuckuck etwa 50 Minuten vor Sonnenaufgang seinen markanten Ruf erschallen, die Kohlmeise fange rund 20 Minuten später an zu zirpen, während der Buchfink etwa zehn Minuten vor dem Sonnenaufgang sein Gezwitscher erklingen lasse. „Die Reihenfolge ist dabei immer gleich“, so Gimeno.

Sorgen mache ihm die immer stärker werdende sogenannte Lichtverschmutzung, besonders in großen Städten oder Industrieparks. Denn dort sorgten Straßenlaternen, beleuchtete Wohngebäude oder Ampeln dafür, dass viele Singvögel früher im Jahr mit der Brut und damit auch mit ihrem Gesang starteten.

Auch die Zeit der täglichen Aktivität werde verlängert. „Dabei hat das Kunstlicht den größten Effekt auf die Vögel, die besonders früh anfangen zu zwitschern – etwa Rotkehlchen oder die Amsel“, verrät Gimeno.

Welche langfristigen Auswirkungen Kunstlicht auf die Vogelgesundheit hat, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Fest stehe jedoch schon jetzt, dass Vögel, die früher brüteten, als es die Natur vorsehe, möglicherweise Probleme bei der Versorgung ihres Nachwuchses bekommen könnten, heißt es weiter. Denn früh im Jahr stehe besonders wenig Nahrung zur Verfügung.

„Für Zugvögel wie etwa Kraniche kann Kunstlicht sogar zur tödlichen Falle werden. Gerade beim Niedrigflug können sie durch das Licht geblendet werden und prallen dann ungebremst gegen Gebäude oder höhere Masten. Eine Katastrophe“, ergänzt der Weltvogelpark-Chef.

Negativen Einfluss hätten künstliche Lichtquellen auch auf eine wichtige Nahrungsquelle von Vögeln – Insekten. Nacht für Nacht verendeten Milliarden von Insekten an Straßenlaternen und anderen Lampen. Denn Insekten orientierten sich am Mondlicht und fühlten sich deshalb von allen Lichtquellen fast magisch angezogen. „Und wo Insekten sterben, finden auch Vögel immer schwieriger Nahrung. Ein verhängnisvoller Kreislauf entsteht. In der Natur hängt eben alles zusammen“, sagt Gimeno abschließend.

Eigenheim- und Gartenbesitzer könnten aktive Maßnahmen ergreifen, um der Lichtverschmutzung Herr zu werden, schreibt der Weltvogelpark Walsrode. Lampen sollten mit Weitblick gekauft werden: Bei der richtigen Lichtplanung sollten mehrere Fragen beantwortet werden. Wofür ist die geplante Lampe notwendig? Dient sie wirklich der Sicherheit?

Wer den Gartenweg beleuchten wolle, der sollte genau das tun. Kugelförmige Leuchten strahlten in alle Richtungen und blendeten nicht nur Vögel. Je geringer der Anteil des blauvioletten Lichtes sei, desto weniger Insekten würden durch die Lampe angelockt. „Achten Sie auch darauf, dass um die Glühlampe noch ein geschlossener Korpus ist, damit Insekten nicht angezogen werden und an der heißen Lampe verbrennen.“ Am Haus und im Garten sei eine Dauerbeleuchtung unnötig. Bewegungsmelder sorgten dafür, dass das Licht wirklich nur dann brenne, wenn man es benötige.

Für die meisten Anwendungsfälle komme es nicht auf die Lichtstärke an, sondern auf die richtige und gleichmäßige Ausleuchtung. Ein paar Lampen mit sanftem Schein leuchteten den Weg oft viel besser aus als ein starker Scheinwerfer.

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