Positives Fazit aller Beteiligten

Abschluss der ersten „Landpartie Heidekreis“: „Eine wirkliche Bereicherung“

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Studentinnen, Ärzten und Landkreis-Vertretern gefiel die „Landpartie“.

Hünzingen - Sie haben engen Kontakt zu Patienten gehabt, neue Eindrücke gewonnen, viel dazugelernt und sich, besonders wichtig, auf dem Land wohlgefühlt. Die drei Medizinstudentinnen Miriam Schweinefuß, Frederike Schwick und Laura Wieddekind haben ein zweiwöchiges Blockpraktikum im Heidekreis verbracht.

Das Besondere: Sie nahmen an dem am 16. Mai gestarteten Kooperationsprojekt „Landpartie Heidekreis“ von Landkreis, Medizinischer Hochschule Hannover und akademischen Lehrpraxen teil. Ziel ist es, dem sich vor allem in ländlichen Regionen abzeichnenden Hausärztemangel entgegenzuwirken. Den jungen Leuten soll das Landleben gezeigt werden, damit sie sich später in einer Landgemeinde als Hausarzt niederlassen. Zum Rahmenprogramm gehörten auch Ausflüge. Am Mittwoch endete für die drei jungen Frauen das Praktikum. Bei einer Abschlussveranstaltung zogen sie und die ausbildenden Ärzte im Forellenhof in Hünzingen ein Resümee.

„Wenn die Teilnahme von Studenten dazu führt, dass sie sich mit Landarztpraxen auseinandersetzen, war es schon ein Erfolg“, sagte Landrat Manfred Ostermann. Der Heidekreis sei nach Zeven und Lüchow die dritte Region in Niedersachsen, die die „Landpartie“ anbiete. Natürlich würden sie Kosten und Aufwand irgendwann evaluieren. Zunächst seien jedoch zwei weitere Termine, im November und im Februar, geplant. Eine weitere Idee sei, ein Stipendium auszuschreiben, vielleicht ab 2019, so der Landrat weiter.

An die Studentinnen gerichtet, fragte Ostermann: „Werden Sie nun in den Heidekreis ziehen?“ Laura Wieddekind, die aus Kaufungen bei Kassel stammt, und zu Gast in der Gemeinschaftspraxis von Dr. Jens Schlake und Barbara Woesthoff in Walsrode war, antwortete: „Es war aus meiner Sicht ein wirklich bereicherndes Praktikum.“ Sie habe Einblicke erhalten, die es so im regulären Studium nicht gebe. Die Patienten seien ihnen sehr offen begegnet. „Ich kann mir vorstellen, im ländlichen Raum tätig zu sein.“ Die Unterschiede zu städtischen Praxen seien im Ablauf nicht allzu groß. Auf dem Land seien die Allgemeinmediziner oft noch die erste Ansprechperson. Sie lobte die persönlichen Beziehungen.

„Nicht abgeneigt, auf dem Land zu arbeiten“

Miriam Schweinefuß aus Quedlinburg absolvierte ihr Praktikum in Neuenkirchen. „Ich bin nicht abgeneigt, auf dem Land zu arbeiten“, sagte sie. Sie hob das Engagement der Ärzte hervor. „Sie haben sich viel Zeit genommen.“ Zudem hätten sie ein sehr breites Tätigkeitsspektrum. „Man muss ein eigenes Gespür entwickeln“, erzählte die Studentin. Es sei nicht möglich, sich nur auf bildgebende Verfahren zu verlassen. Sie erwähnte, dass die Patienten ihnen viel Vertrauen entgegengebracht hätten. „Man bekommt viel Dankbarkeit zurück.“

Frederike Schwick aus Dortmund hatte sich vorher nicht unbedingt vorstellen können, längere Zeit auf dem Land zu leben. Das habe sich geändert – vielleicht für einen Teil ihres Berufslebens oder auch länger. „Bei vielen Studenten fehlt vielleicht einfach die Information.“

Dr. Jens Schlake erzählte, dass er am Projekt teilnehme, weil durch persönliche Kontakte die Lebensumstände auf dem Land am einfachsten zu vermitteln seien. Wenn es sich ergeben sollte, wäre es natürlich auch gut, jemanden mit in die Praxis zu holen. Bei den jungen Menschen sei die Zukunftsplanung noch nicht abgeschlossen.

Dr. Britta Bostelmann-Häuser sagte, dass sie sich als junge Medizinerin nicht habe vorstellen können, aufs Land zurückzukehren. Dann habe sie ihren jetzigen Kollegen kennengelernt und das Arbeitsmodell als sehr attraktiv empfunden. Das Projekt sei eine gute Möglichkeit, diesen Weg eher einzuschlagen. Sie könne sich allerdings vorstellen, dass vier Wochen noch besser wären.

Dr. Matthias Zink berichtete, dass er aus Mannheim stamme und dort vor über 30 Jahren bei seinem Vater in die Praxis hätte einsteigen können. „Ich habe mich bewusst für das Land entschieden. Anfangs habe ihn die hohe Dichte mit Bereitschaftsdiensten jeden dritten Tag sehr belastet. Doch nach der Reform habe sich das deutlich geändert. „Viele haben noch das Gefühl, als Landarzt immer präsent sein zu müssen und Angst, an jeder Ecke von Patienten angesprochen zu werden. Das ist unbegründet.“ 

sal

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