Elfter Titelgewinn: Funker Andreas Hahn ist Mitglied der Nationalmannschaft

Kurzwellen-Weltmeister aus Schneeheide

Ein Mann sitzt an einem Tisch voller elektronische Geräte und Tastaturen.
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Der Schneeheider Andreas Hahn an seiner Funkstation.

Eine Weltmeister aus Walsrode: Der Schneeheider Andreas Hahn hat als Mitglied der Nationalmannschaft bei der IARU-Kurzwellen-Weltmeisterschaft den seinen elften Titelgewinn eingefahren.

  • Der frischgebackene Weltmeister freut sich über seinen elften Titel.
  • Er erklärt, dass es um die Zahl der Funkkontakte geht und darum, sie von Funkern aus möglichst großer Entfernung aufzuspüren.
  • In seiner Station in Schneeheide, hat er im Team mit einem Freund den Äther abgehorcht.

Die IARU-Kurzwellen-Weltmeisterschaft findet traditionell am zweiten Juliwochenende statt. Für Deutschland war erneut Ilmenau in Thüringen das Hauptquartier, aber auch in anderen Regionen Deutschlands saßen Amateurfunker vor ihren Funkanlagen. Insgesamt waren 50 Amateurfunker ins Nationalteam berufen worden. Für sie galt es, im Zeitraum von 24 Stunden weltweit möglichst viele Logs (Verbindungen) im Sende- und Empfangsbetrieb zu erreichen und zwar mittels Sprechfunk oder mit Morsen. Das passiert auf allen sechs Bändern, die auf der Kurzwelle für den Amateurfunk reserviert sind.

Bei jedem Kontakt wurden mit dem Funkpartner zur späteren Kontrolle und Wertung das jeweilige Rufzeichen und ein Signalrapport (Empfangsqualität) sowie eine Kontrollnummer ausgetauscht. Nach Abschluss des Contests wurden die eingereichten Logs aller Teilnehmer am Sitz der IARU in den USA ausgewertet und die einzelnen Verbindungen gegeneinander kontrolliert. Danach hieß es für die Wettbewerber, zu warten.

Punkte errechnen sich aus den Verbindungszahlen

Jedes teilnehmende Land ist eine Zone. Die Punktzahl wird aus den Verbindungspunkten errechnet. So gibt es zum Beispiel einen Punkt für die Verbindung mit dem eigenen Land oder der gleichen Zone, drei Punkte für eine andere Zone auf dem gleichen Kontinent und fünf Punkte für Stationen von anderen Kontinenten – multipliziert mit den Multiplikatorpunkten für jeweils neue Zonen. Mit 25 676 392 Wertungspunkten hatte Deutschland knapp die Nase vorne und verwies Frankreich/TM0HQ (25 163 538) auf den zweiten Platz. Polen/SN0HQ (20 696 780), Tschechien/OL0HQ (20 654 988) und Slowenien/S50HQ (20 502 514) folgten.

Stolz ist Andreas Hahn darauf, als Mitglied des erfolgreichen Teams einen Anteil am Titel zu haben. Er war an einer der modernsten Funkanlagen mit von der Partie. Er war unter anderem zuständig für die Morsetelegrafie auf Kurzwelle im 28-Megahertz-Bereich. Dabei hatte er wie jeder Teilnehmer mit wechselnden Sende- und Empfangsbedingungen zu kämpfen, die von der Sonne abhängig sind.

Anders als bei den Radiosignalen im UKW-Bereich würden die Signale auf der Kurzwelle an verschiedenen Schichten, deren Bildung von der Tageszeit und den Temperaturen abhängig sei, in der Erdatmosphäre reflektiert und könnten sich so um den Erdball ausbreiten, so Hahn. „Kurz gesagt: Keine Sonnenflecken – keine guten Bedingungen für uns auf 28 MHz.“ In den Zeiten des Sonnenfleckenminimums fehle die Aktivität, die für die Funkwellenausbreitung notwendig sei. So seien in niederfrequenten Bereichen der Kurzwelle in der Nähe zur Mittel- und Langwelle nach Einbruch der Dunkelheit auch Signale von weit entfernten Stationen möglich, während bei höheren Frequenzen tagsüber die Verbindungen über den ganzen Planeten liefen.

Verbindung nach Amerika, China und Japan

Für die Teams sei es wichtig gewesen, mit leistungsstarken Antennen einen guten Empfang zu gewährleisten. In Ilmenau sorgte dafür ein nach allen Seiten offener Standort auf einem Hügel. In der ersten Stunde des Wettbewerbs seien durch alle zwölf deutschen Funkstationen fast 2 000 Rufzeichen gearbeitet worden und nach 24 Stunden hätten 22 750 Verbindungen im Logbuch gestanden. Die Verbindungsrate im Morsebetrieb habe im Höchstfall bei gut 180 Verbindungen pro Stunde gelegen, so Hahn. Bis Mitternacht habe man mit Amerika konferiert, am frühen Morgen mit China oder Japan.

Bei den Funkwettbewerben (Contest) gehe es um Schnelligkeit, Taktik und höchste Konzentration, erläuterte Hahn. Signale seien teils nur für Sekunden zu hören und Ausbreitungswege manchmal nur für fünf Minuten offen. Meist kämen Signale auf dem direkten Weg, also genau aus der Richtung, wo sich die Gegenstation befindet. Es könne aber auch passieren, dass man Nordamerika mit einem „Umweg“ über die Karibik erreiche oder Signale aus Japan nicht von Osten, sondern über den Nordpol kämen. Das schnell und effizient zu erkennen, könne am Ende den Weltmeistertitel bedeuten oder den Sieg kosten.

Zumeist sei mit zwei Funkoperateuren gleichzeitig an der Station gearbeitet worden. „Die Verbindung Gehör – Gehirn filtert bei zwei Menschen auch unterschiedliche Frequenzen heraus“, erläuterte Hahn. Das sei genutzt worden, um gleichzeitig mehrere Signale hören zu können. Die Arbeitsplätze seien „Rücken an Rücken“ aufgebaut worden. „Während im Stationsraum nur das Surren der Lüftung und das Schalten von Relais zu hören ist, herrscht unter den Kopfhörern ein herrliches Jahrmarkttreiben der piepsenden Morsetöne“, so Hahn.

Die besten erreichen 5000 Stationen

Weltweit finden nahezu jedes Wochenende Wettbewerbe statt, meist auf lokaler Ebene. Ähnlichen Stellenwert wie im Tennis die Grand-Slam-Turniere, haben für die Funksportler die durch den amerikanischen Funkverband ARRL veranstalteten drei 48-Stunden-Contests in Funkfernschreiben, Sprechfunk und Telegrafie. Die besten Teilnehmer erreichen über 5 000 Stationen. Regional wird durch die drei „sächsischen“ DARC-Distrikte (Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Sachsen) Ende August die Distriktmeisterschaft ausgetragen. Die Auswertung der letztjährigen Veranstaltung steht noch aus, ein Podiumsplatz könnte drin sein.  rö

Mit 25 676 392 Wertungspunkten hatte Deutschland knapp die Nase vorne.

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