„Die Krelinger Heide ist fast tot“

Jürgen Abenrieb (l.) vom Dorfverein Krelingen und Dieter Heidmann vor einem Bereich der Krelinger Heide, die praktisch platt ist. Foto: Müller

Dieter Heidmann und Jürgen Abenrieb kämpfen um ein ehemals wunderschönes Fleckchen Heidelandschaft und fordern: „Hier müssen Fachleute her!“ Der Landkreis ist schon eingeschaltet.

VON KLAUS MÜLLER

Krelingen – „Die Krelinger Heide ist eine der beiden größeren Heideflächen im südlichen Teil des Landkreises und fühlt sich wegen ihrer kleinen Steigungen und Senken wie eine Landschaft in der Toskana an.“ So preist ein Infoblatt der Lüneburger Heide immer noch das Fleckchen Erde an, aber die Wirklichkeit sieht anders aus. Dieter Heidmann, Ur-Krelinger und Vorsitzender des Dorfvereins, und der Landwirt Jürgen Abenrieb stehen auf dem 16 Hektar großen Gelände und schauen über eine Fläche, die erschüttert. Heidmann fasst seine Eindrücke zusammen: „Die Krelinger Heide ist tot. Wir müssen unbedingt aktiv werden, um dieses herrliche Stück Natur nicht zu verlieren.“ Und Jürgen Abenrieb pflichtet ihm bei, zeigt auf Flächen, die von Gras überzogen sind oder nur noch eine dünne Sandnarbe zeigen: „Es ist hohe Zeit, dass hier Fachleute ans Werk gehen. Sonst haben wir die Heide bei Krelingen verloren.“

Ende des Monats soll am alten Schafstall wieder das traditionelle Heidesingen stattfinden. „Wir schämen uns fast, dass wir unseren Gästen kaum noch Heide zeigen können“, sagt Heidmann. Zwar gibt es noch einige kleine zusammenhängende Partien, wo sich die Pflanze durchsetzen konnte. „Aber andere Bereiche sind völlig blank.“ Und trotzdem, die Krelinger hoffen, dass wieder viele Gäste dort hinkommen, ein Zeichen setzen, dass sie dieses Stück Natur in ihr Herz geschlossen haben.

Vor zwei Jahren hatte der Heideblatt-Käfer hier gewütet und die Blüte zerstört. Viele Bereiche mussten abgeplaggt oder abgezogen werden. So langsam hat sich hier mittlerweile wieder Heide durchgesetzt. „Aber gegen das aufkommende Gras ist nichts getan worden“, klagen die beiden Krelinger. Früher hatten sie beim Landkreis einen Experten, der auf die Heide und ihren Wuchs aufpasste und immer wieder vor Ort war. Auch einen Landschaftsgärtner aus der Landkreis-Verwaltung, „aber heute finden wir dort keine Unterstützung mehr“, klagt Heidmann.

Auch die Schafherde aus Grethem taucht nur noch gelegentlich im hinteren Teil der Fläche auf, so dass andere Partien veröden. Man könnte, so die beiden Krelinger, einen Dachdecker ansprechen, der das Heidekraut, das er in diesem Gebiet „ernten“ könnte, gut für das Reetdach gebrauchen würde. Aber es bewegt sich nichts.

Auch die Tierwelt ist direkt betroffen. Zehn Bienenvölker standen einmal in der Krelinger Heide. „Aber wenn keine Heide da ist, kommen die Bienen auch nicht“, so Jürgen Abenrieb. Früher sei hier sehr guter Honig entstanden.

Dieter Heidmann hat trotzdem nicht stillgehalten. Er hat vor einiger Zeit ein Gespräch mit dem Landrat geführt. Und Ende des Monats soll ein Ortstermin mit dem Landkreis in der Krelinger Heide stattfinden. Und dann soll es eine richtungsweisende Entscheidung geben.

Fast sechs Millionen Schüsse im Jahr

Und dann ist da noch ein Krelinger Problem. Ganz in der Nähe der Krelinger Heide, gleich jenseits der Autobahn, hat die Kreisjägerschaft ihren Schießstand. Auch an diesem Nachmittag knallt es ständig herüber. Dieter Heidmann: „1600-mal am Tag und fast sechs Millionen Mal im Jahr, das kann doch nicht so weitergehen.“ Hier sei das letzte Wort der Krelinger noch nicht gesprochen.

Ganz in der Nähe der Noch-Heidefläche führte ein historischer Weg in Richtung Celle. Heute wird er von der Autobahn unterbrochen. Auch Hügelgräber befinden sich in dem tiefen Wald bei Krelingen. Es ist ein historischer Teil des Heidekreises, der an diesem Tag auch von einer Familie aus Dortmund besucht wird. Heide haben sie hier am Freitag nur wenig gesehen.

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