Kreislandvolk-Vorsitzender zieht eine „schwierige“ Bilanz 2017

Jochen Oestmann: „Der Heidekreis ist im Klimawandel angekommen“

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Dierk und Carina Brandt vor einem Apfelbäumchen.

Schneeheide - Vertreter des Landvolk-Kreisverbandes Lüneburger Heide trafen sich auf dem Hof Brandt am Ortseingang von Schneeheide und zogen Bilanz des vergangenen, vom Wetter nicht begünstigten Jahres. Sie stellten zudem Carina und Dierk Brandt vor, die seit 2014 auf dem Anwesen nahe der Feuerwehrleitzentrale neue Wege gehen und schon erste Erfolge erzielen konnten.

„Auch heute geht in der Landwirtschaft noch etwas“, sagte Jochen Oestmann, Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbandes Lüneburger Heide aus Rethem. Er hält Schweine und hofft auf eine gute Fußball-WM, „damit wir mehr verkaufen können.“ Der Klimawandel sei im Heidekreis angekommen, erzählte Oestmann, spätestens seit dem vergangenen Jahr. 

Es sei oftmals viel zu nass gewesen. Dem heftigen Regenjahr sei 2018 mit viel zu wenig Regen gefolgt. Die Konsequenzen seien für die Landwirtschaft deutlich: „Die Getreideernte brach schon 2017 ein, 50 Prozent weniger Raps gab es. Der Preis wurde entsprechend höher getrieben. Und viele Böden konnten durch die Nässe lange nicht bewirtschaftet werden“, so der Vorsitzende. 

Seit Februar sei alles anders geworden. Es habe nur noch einmal im April Regen gegeben. „In diesen Tagen ist die Natur nur so explodiert“, sagte Oestmann. 2018 habe es einen erfolgreichen ersten Grasschnitt gegeben, mit einem zweiten dürfe man vor allem in der Allermarsch nicht mehr rechnen. Nur der Mais habe den Wetterkapriolen getrotzt. „Wenn jetzt noch etwas mehr Regen kommt, können wir hier zumindest mit einer guten Ernte rechnen.“

Der Landvolk-Vorsitzende Jochen Oestmann.

Politisch hätten sich die Landwirte mit der neuen Düngemittelverordnung auseinandersetzen müssen, so Oestmann weiter. Das Thema Glyphosat bleibe ein Dauerbrenner. Er schätzt, dass spätestens 2023 auf dieses Unkrautvernichtungsmittel verzichtet werden müsse. Die Politik verlange es so, die Ernte werde dadurch weitere Einbrüche haben.

Geschäftsführer Klaus Grünhagen berichtete, dass das Wirtschaftsjahr 2016/17 ein schlechtes für die Landwirtschaft gewesen sei. Im aktuellen erwarte er eine leichte Entspannung bei den Milchpreisen, der Mais „marschiere“, die Kartoffelernte sei eher verzögert und auf dem Rübenmarkt bewege sich nichts. Bei den Schweinehaltern gebe es ein ständiges „Preisgezerre“. Insgesamt rechnet Grünhagen mit einem „befriedigenden“ Ergebnis. Das gelte für den einen mehr, den anderen weniger.

Als positives Beispiel stellten die Teilnehmer die Entwicklung des Hofes Brandt in Schneeheide vor. Der heute 28-jährige Betriebsleiter Dierk führt das Anwesen in der vierten Generation gemeinsam mit seiner Frau Carina. Mit dem zweijährigen Hannes gibt es schon Nachwuchs.

Brandts wollen in die Direktvermarktung einsteigen

Brandt, der zwei Jahre Landesvorsitzender der Niedersächsischen Landjugend war und sich ein Netzwerk aufgebaut hat, bewirtschaftet einen 60 Hektar großen Betrieb mit Ackerbau. Auf zwei Hektar stehen Obstbäume mit Stein- und Kernobst. Er hat eine Ferkelaufzucht mit 1200 Tieren, 800 freilaufende Hühner und betreibt den Ferkelstall, der eine Temperatur von 26 Grad haben muss, mit Holzhackschnitzeln.

Direktvermarktung ab Hof ist das große Ziel des Ehepaars. Freunde und Bekannte schätzen bereits Eier von Hennen aus dem Hühnermobil, aber auch leckere Apfelkonfitüre. Ab August wird es die ersten Früchte von den Bäumen geben; Äpfel, Kirschen, Zwetschen und Birnen sind im Angebot. Mit Flyern wirbt das Ehepaar. „Es ist zwar eine große Aufgabe, aber wir gehen mit Leidenschaft und Spaß daran“, sagt der engagierte Landwirt. 

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