Klinik Walsrode Partner im Netzwerk „ProBeweis“ / Opfer häuslicher und sexueller Gewalt

Anonyme Beweissicherung möglich

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Dr. Christiane Thein, Prof. Dr. Michael Klintschar und Dr. Helmut Jäger präsentieren den Untersuchungs-Kit und erläutern die Möglichkeiten der Beweissicherung.

Walsrode - Opfer häuslicher oder sexueller Gewalt befinden sich psychisch in einer Ausnahmesituation. Viele scheuen sich deshalb, eine Strafanzeige bei der Polizei zu erstatten. Was aber, wenn man die Tat später doch noch anzeigen möchte? Die nötigen gerichtsfesten Beweise fehlen dann in der Regel. Das Netzwerk „ProBeweis“ der Medizinischen Hochschule Hannover, Institut für Rechtsmedizin unter Prof. Dr. Michael Klintschar, hat es sich seit drei Jahren zum Ziel gesetzt, Beweisspuren zunächst unter dem Mantel der Schweigepflicht für die Opfer kostenlos zu sichern.

Inzwischen ist ein Netzwerk mit 20 Kliniken in Niedersachsen aufgebaut worden. Ab sofort gehört das Walsroder Krankenhaus des Heidekreis-Klinikums dazu. Die Chefärztin der Walsroder Gynäkologie, Dr. Christiane Thein, und ihr Oberarzt Dr. Helmut Jäger begrüßen die Zusammenarbeit im Sinne der Opfer.

Etwa einmal pro Monat erstatte in Walsrode ein Opfer Anzeige. Ungefähr fünfmal im Jahr werde darauf verzichtet, sagte Jäger. Aber es gebe da sicher eine hohe Dunkelziffer, besonders unter Frauen. Viele scheuten sich, ins Klinikum zu einer Untersuchung und Dokumentation ihrer Verletzungen zu kommen.

Auf Landesebene, so Klintschar, habe die Rechtsmedizin bereits in über 300 Fällen zunächst anonym die nötigen Beweise gesichert. Alle Partner-Kliniken hätten rechtsmedizinische Fortbildungen erhalten, damit das gerichtsfest geschehe.

Thein bestätigte: „Wir sind ja in erster Linie Behandler und keine Rechtsmediziner, die auf andere Dinge achten.“ Nach der Schulung sehe das natürlich anders aus. Man spreche die Opfer grundsätzlich an, ob sie Anzeige erstatten wollten. Sei das nicht der Fall, werde ab sofort auf die anonyme Art der Beweissicherung hingewiesen.

Die Netzwerkpartner erhalten von der Rechtsmedizin Beweis-Kits, die neben geeigneten Untersuchungsmitteln auch einen Dokumentationsbogen und einen Kamerachip für Beweisfotos enthalten. Daten und Dokumente werden an die Gerichtsmedizin in Hannover übergeben. Dort erfolgt die Sicherung der Materialien und Erstellung eines Gutachtens. Die tatsächlichen Beweismittel werden drei Jahre aufbewahrt, die Gutachten und Dokumentationen länger.

„Wir hoffen einfach, dass durch das Senken der Schwelle, die Anzeigefreudigkeit der Opfer, in 95 Prozent sind es Frauen, auch hier in der Region steigen wird“, sagen Thein und Jäger. Opfer, die diese neue Form der zunächst anonymen Beweissicherung kostenlos in Anspruch nehmen wollen, müssten ins Walsroder Krankenhaus kommen und sich bei der Notaufnahme melden. Eine Beweissicherung ist 24 Stunden am Tag möglich. Das Soltauer Krankenhaus ist nicht Partner des Netzwerkes „ProBeweis“.

hf

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