Kirchboitzen will „Zum Domkreuger“ erhalten / Genossenschaft gegründet

Bürger kaufen Landgasthof

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Voll besetzter Saal im ,,Domkreuger“: Über 100 Einwohner gründeten eine Genossenschaft, um den Gasthof zu erhalten.

Kirchboitzen - Der ,,Domkreuger“ bleibt Kirchboitzen erhalten: Über 100 Bürger gründeten Freitagabend eine Genossenschaft, um den historischen Landgasthof zu kaufen und zu modernisieren. 102 Einwohner zeichneten 108 Anteile zu jeweils 2500 Euro. Somit verfügt die Genossenschaft über ein Startkapital von zunächst 270 000 Euro. Für die Modernisierung sollen zusätzlich Kredite aufgenommen werden.

280 Jahre war der „Domkreuger“ so etwas wie der Dorfmittelpunkt für Kirchboitzen. In der Gaststätte direkt gegenüber der Kirche fanden stets die großen Veranstaltungen statt, von der Konfirmation bis zur goldenen Hochzeit und – seit Jahrhunderten – die Feiern mit der großen Schlachteplatte zum Boitzer Markt. Doch Inhaberin Annelie Rabe wollte schon lange aus Altersgründen aufhören, der Betrieb des Gasthofes mit Hotel lohnte für sie nicht mehr.

„Schon im Sommer wurde uns klar, dass wir als Einwohner etwas tun müssen“, sagt Torsten Söder, einer der Initiatoren der Genossenschaftsgründung. Viele Möglichkeiten wurden erörtert, aber schließlich wurde allen klar, dass es nur eine Alternative gab, um die Schließung zu verhindern: Die Einwohner selbst müssten den „Domkreuger“ kaufen. Söder: „Wir wollen die Lebensqualität in Kirchboitzen erhalten.“ Die „Kirchboitzer Zukunft eG“, so heißt die neue Genossenschaft, will nun dafür sorgen. Darauf hofft auch ein älteres Paar: Die jetzt in Hannover lebenden Eheleute traten ebenfalls der Genossenschaft bei. „Sie sind bald 70 Jahre verheiratet und wollen dieses Jubiläum hier im Domkreuger feiern. Das hat mich sehr gerührt“, berichtete Söder.

Damit bei der Gründung der Genossenschaft alles korrekt ablief, stand den Kirchboitzern mit Heiko Kischel ein Profi vom Prüfungsverband aus Hamburg zur Seite. Er beantwortete unter anderem Fragen zur Satzung und zur Tätigkeit der ehrenamtlichen Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat, während Vorstandsmitglied Jens Rüpke die Zahlen zur Wirtschaftsplanung erläuterte. Danach hoffen die Genossen auf öffentliche Fördermittel. Erste positive Rückmeldungen habe es bereits gegeben.

Ab Januar sollen die Arbeiten zur Modernisierung beginnen, ab 1. Februar könnte der neue Pächter bereits anfangen. Der muss nun aber erst einmal gefunden werden. Jens Rüpke: ,,Er kann jedenfalls auf gute Startbedingungen hoffen, mit einer nicht zu hohen Pacht.“

Am Ende gab es Wahlen. Aufsichtsrat: Heinz-Jürgen Ahrens, Christian Söder, Johann-H. Bunke, Christine Templin, Frank Tödter, Cord Hibbing und Florian Schweppe. Vorstand: Torsten Söder, Torsten Riekers, Holger Zunft, Mathias Bruns, Rüdiger Welmert, Günther Hogrefe, Jürgen Lohmann, Jens Rüpke und Antje Wiechers.

fra

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