Landgericht Verden hebt angefochtenes Urteil des Amtsgerichts Walsrode am Ende auf

Keine Erinnerungen mehr an frühere Aussagen

Bomlitz/Verden – Um Selbstjustiz nach dem Diebstahl eines Geldbetrages im fünf- bis sechsstelligen Bereich ging es in einem Berufungsverfahren am Landgericht Verden. Das Amtsgericht Walsrode hatte in erster Instanz zwei 27 und 35 Jahre alte Angeklagte aus Bomlitz zu jeweils sechsmonatigen Bewährungsstrafen wegen vollendeter beziehungsweise versuchter gefährlicher Körperverletzung verurteilt. In Verden wurde unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen verhandelt. Das von den Angeklagten angefochtene Urteil wurde am Ende aufgehoben.

Im August 2015 soll ein Familienmitglied der Angeklagten einem heute 20-Jährigen aus Walsrode, der zu Besuch im Haus der Familie in Bomlitz war, eine Tasche mit Bargeld gezeigt haben. Verbleib und Herkunft des Geldes sind nicht bekannt. Ebenso wenig der genaue Betrag. Genannt wurden Summen zwischen 50 000 und 200 000 Euro.

Vier Tage nach dem Besuch des 20-Jährigen soll bemerkt worden sein, dass das Geld weg war. Der junge Mann geriet schnell unter Verdacht.

Die Feststellungen des Amtsgerichts zu dem, was danach geschah, bestätigten sich in dem Berufungsverfahren nicht. Der 20-Jährige behauptete in der Berufungsverhandlung, dass er sich alles nur ausgedacht habe. „So genau weiß ich das nicht mehr“, „ich habe das alles vergessen“, „ich kann mich an nichts erinnern“, lauteten seine Erklärungen. „Wenn man Ihnen das nicht glaubt, müssen Sie mit einem Verfahren wegen Falschaussage rechnen“, ermahnte ihn der Vorsitzende Richter Dr. Andreas Ortmann. Geändert hat dies an der Aussage des jungen Mannes nichts.

Er habe keine Erinnerungen an frühere Aussagen, wonach sein Bruder in einen Wald gefahren und mit Waffen bedroht worden sein soll. Dann wieder erklärte der Zeuge, dass alles ausgedacht gewesen sei. So auch, dass er selber im Haus der Familie in Bomlitz von dem 35 Jahre alten Angeklagten mit einem Messer bedroht worden sei.

Laut erstinstanzlichem Urteil sollte der 35-Jährige mit einem Messer auf den Zeugen zugestürmt sein und gedroht haben, diesem die Kehle durchzuschneiden. Nur wegen dieser Tathandlung war der 35-Jährige angeklagt und in erster Instanz wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden.

Dass er im Haus war, bestätigte der Zeuge dann doch. Aber es habe keine Bedrohung mit einem Messer und keine Misshandlung gegeben, sagte er entgegen seinen damaligen Aussagen bei der Polizei. Es stimme auch nichts von einer weiteren Befragung in den Räumen eines Walsroder Kulturvereins.

Das Verfahren gegen den 35 Jahre alten Angeklagten wurde schließlich gegen Zahlung von 1 000 Euro eingestellt. Sein 27 Jahre alter Neffe wurde vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen. Dabei ging es um die Duldung eines Faustschlages, den ein nicht ermittelter Täter bei der Suche nach dem gestohlenen Geld einem Zeugen verpasst haben soll.

Zu Prozessbeginn gab es rechtliche Hinweise, dass Verurteilungen wegen Bedrohung, Nötigung, Freiheitsberaubung oder Geiselnahme in Betracht kommen könnten. Mit dem Freispruch und der Verfahrenseinstellung waren diese vom Tisch.  wb

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