90 Minuten von Schneverdingen nach Walsrode

Erixx-Pendler beschweren sich: „Jeden Morgen Dauerstress“

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Der Erixx beim Halt im Walsroder Bahnhof.

Walsrode/Heidekreis - „Gesa W.“ (Geändert, die Betroffene möchte ihren Namen nicht nennen) wohnt in Schneverdingen, fährt jeden Tag mit ihrem Fahrrad acht Minuten zum Bahnhof.

Ihre Arbeitsstelle befindet sich in Walsrode, und darum ist Erixx, der Nahverkehrszug und Heidesprinter, wie er sich selbst nennt, zwischen Hannover und Hamburg, eine sehr gute Möglichkeit, um auf der gerade erst neu ausgebauten Strecke in die Hermann-Löns-Stadt zu kommen. „Der Preis für die Monatskarte ist in Ordnung, das Personal überwiegend freundlich.“ Man rede auf der Strecke miteinander, tausche sich aus, so Gesa W.

Die Schwierigkeiten beginnen in Soltau. „Dort müssen wir umsteigen, in einen wartenden Zug nach Hannover, der uns nach Walsrode bringen wird.“ Ganze fünf Minuten Zeit stehen zur Verfügung, „manchmal geht es im Laufschritt zum Zug“, sagt die Schneverdingerin. 

Aber manchmal auch nicht. Dann, wenn Erixx zu spät aus Buchholz in der Nordheide kommt und der andere Zug abgefahren ist. „Der wartet nicht – dann muss ich eine Stunde in Soltau warten, bis der Nächste kommt. Das kann ich mir als Arbeitnehmerin eigentlich nicht leisten.“

Suche nach Gründen für die Verspätungen

So wie Gesa geht es vielen anderen auch, Pendler, die ebenfalls Richtung Hannover fahren, Geschäftsreisende. „Wir treffen uns dann in einer Bäckerei, um einen Kaffee gegen den Ärger zu trinken – und uns auszutauschen, den Frust loszuwerden.“

Das Umsteigen in Soltau am Morgen im Berufsverkehr können viele Pendler aus dem Nordkreis nicht nachvollziehen. Wieso fahren die Züge von Buchholz nach Hannover nicht durch, wie alle darauffolgenden? Im Berufsverkehr scheint der ÖPNV in Nord- und Südkreis geteilt, die Fahrtrichtung Buchholz bevorzugt.

Rainer Peters von der Landesnahverkehrsgesellschaft in Hannover sagt auf Anfrage unserer Zeitung, dass der „Sechs-Uhr-Zug“ nicht länger in Soltau warten könne, wenn sich Erixx verspäte. „Laut Auskunft der Deutschen Bahn gibt es im weiteren Streckenverlauf Kreuzungen, die genaue Ankunftszeiten notwendig machen.

„Und wenn Erixx zu spät Bennemühlen erreicht, könnte es sein, dass er hinter der langsamer fahrenden S-Bahn aus Hannover hinterherdackeln müsse.“ Das Gefüge würde kräftig durcheinander geschüttelt. Laut Peters muss mit Erixx geklärt werden, warum es immer wieder zu den Verspätungen aus Buchholz kommt. „Letztendlich könnten wir als Nahverkehrsgesellschaft die Zuschüsse an den Betreiber kürzen, um Druck auszuüben.“

Deutsche Bahn gibt Erixx die Schuld

Sprecher Egbert Meyer-Lovis vom Regionalbüro Nord der Deutschen Bahn schiebt den „Schwarzen Peter“ auf das Unternehmen Erixx. Im nördlichen Abschnitt Soltau-Buchholz fänden zurzeit keine Bauarbeiten statt. Es gebe lange eingleisige Abschnitte und so übertrügen sich Verspätungen.

Erixx-Sprecherin Anna Jäger bedauert die immer wieder auftretenden Verspätungen, nennt als Gründe Stellwerksprobleme, den Sturm und im letzten, sehr aktuellen Fall, eine verspätete Zugkreuzung. Dass es keine Informationen für die Pendler gab, werde untersucht. Die Sprecherin: „Wir haben unser Zugpersonal noch einmal entsprechend informiert.“

An der Unfallstelle bei Beetenbrück wurde das Schienennetz am 9. November durch einen Unfall zwischen einem Lkw und dem Erixx so stark beschädigt, dass umfangreiche Arbeiten vorgenommen werden müssen. Diese wurden am 30. November abgeschlossen. Zuletzt fuhr der Erixx in diesem Bereich nur zehn Stundenkilometer. Und das koste für die gesamte Fahrt nach Hannover Zeit. Laut Meyer-Lovis mussten 650 Schwellen erneuert werden.

Verspätungen nehmen zu

Die Verspätungen haben zugenommen. Das bestätigt Landrat Manfred Ostermann, dem ständig Beschwerden von Fahrgästen erreichen. „Besonders heftig wurde es nach dem Sturm Xavier, als ich zwei Stunden auf dem Bahnhof in Hamburg festsaß, ohne dass eine Information herüberkam und die Bahnverantwortlichen auf den Bahnsteigen genervt und überfordert waren. Ich habe mir selbst geholfen und bin mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof nach HH-Harburg in den Buspendelverkehr nach Buchholz gefahren. Angesagt wurde diese Möglichkeit nicht“, so Ostermann.

Er wird bald zum Treffen aller Beteiligten nach Hannover fahren. „Ich werde mich für meine Region einsetzen und versuchen, aufgrund der Gespräche wieder eine Normalität des Bahnverkehrs in die Heide herzustellen.“ Es sei schwer, mit den Bahnverantwortlichen zu kommunizieren, „aber immerhin werde ich jetzt über Störungen direkt und schnell per E-Mail informiert. Diese Informationen gebe ich sofort über unsere Biwapp weiter“. - mü

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