Infoveranstaltung zu Lymph- und Lipödemen am 19. November in Walsrode

Viele kennen ihre Krankheit nicht

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DGB-Kreisvorsitzender Charly Braun (v.l.), Karl-Heinz Röder und ver.di-Bildungssekretär Ralf Bohlen hoffen, dass auch Ärzte die Infoveranstaltung nutzen.

Walsrode - „Zehn Prozent der Bevölkerung leiden an Lymph- oder Lipödemen“, sagt Karl-Heinz Röder. „Die meisten wissen es nicht.“ Auch der Schneverdinger tappte lange im Dunkeln. Nun will er andere aufklären.

Gemeinsam mit dem DGB und ver.di, mit der AOK, den beiden Lymph-/Lipödem-Selbsthilfegruppen aus Winsen/Aller bzw. Bremen und umzu, der Apotheke Eimer und dem Physiotherapiezentrum Am Markt, beide aus Schneverdingen, lädt Röder daher zu einer Informationsveranstaltung ein. Die Fachärztin Dr. Christina Schreiber aus Hamburg wird am Donnerstag, 19. November, ab 19.30 Uhr, im ver.di-Bildungs- und Tagungszentrum in Walsrode, Sunderstraße 77, referieren. Das Thema lautet „Lymphödeme – Lipödeme erkennen und behandeln“. Der Eintritt ist frei.

Im Alter von 15 Jahren, so berichtet Karl-Heinz Röder, habe er begonnen zuzunehmen. Damals wog er 60 Kilogramm. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten sollte sich sein Gewicht verdreifachen.

„Ich konnte es nicht erklären“, sagt Röder. Und offensichtlich fanden auch die Ärzte, die er konsultierte, nicht die richtige Lösung. Jahrelang wurde der Schneverdinger wegen Adipositas und Herzinsuffizienz behandelt, auf Diät gesetzt und angewiesen, Entwässerungstabletten zu schlucken. Gerade die seien aber kontraproduktiv, meint Röder. Sie sorgten zwar für den Abtransport des Wassers aus dem Körper. Das in der Lymphflüssigkeit enthaltene Eiweiß lagere sich aber ab und könne zu Entzündungen führen.

Erst 2008, nach fast 40 Jahren, stellte eine Lymphtherapeutin die richtige Diagnose. Seitdem geht er mehrmals in der Woche zur Lymphdrainage und trägt tagsüber am gesamten Kompressionsbandagen. Sein Gewichts konnte der Frührentner so halbieren und auch seine Bewegungsfreiheit wiedererlangen.

Damit anderen Betroffenen ein langer Leidensweg, wie er hinter ihm liegt, erspart bleibt, möchte er über die Erkrankung und ihre Symptome informieren. Seinen Mitstreitern von DGB und ver.di, Charly Braun und Ralf Bohlen, ist es dabei ein besonderes Anliegen, dass auch Ärzte und medizinisches Fachpersonal den Vortrag besuchen. Ihr Ziel ist es, die medizinische Versorgung in der Region zu verbessern. Denn bislang gibt es im nordwestdeutschen Raum gerade mal 19 Fachärzte für Lymphologie.

Zur Erklärung: Das Lipödem ist eine chronische, genetisch bedingte Fettverteilungsstörung. Häufig tritt sie an den Beinen auf, der Volksmund spricht daher oft von „Reiterhosen“ oder „Säulenbeinen“. Aber auch die (Ober-)Arme sind betroffen. Es erkranken fast ausschließlich Frauen. Erfahrungsgemäß beginnt die Krankheit schon mit der Pubertät und setzt sich dann mit der nächsten Hormonumstellung (Schwangerschaft/Wechseljahre) weiter fort.

Ein Lymphödem entsteht, wenn der Körper keine mechanische Fähigkeit zum Abtransport von Lymphflüssigkeit (mehr) besitzt. Es beschreibt eine sicht- und tastbare Flüssigkeitsansammlung im Zwischenzellraum. Betreffen sind vor allem die Extremitäten, aber auch das Gesicht, Hals, Rumpf und die Genitalien.

kp

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