Immer ein offenes Ohr für die Patienten

Seelsorge im Walsroder Heidekreisklinikum auch an Weihnachten

Zwei Frauen mit FFP2-Masken stehen in einem Raum, eine hält einen Korb mit Tannengrün.
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Wünschen sich, dass sich trotz des Besuchsverbotes auch über die Weihnachtsfeiertage alle Patienten gut aufgehoben und liebevoll umsorgt fühlen: Nina Bernard, Leiterin Unternehmenskommunikation, und Maike Becker-Petzold, Krankenhausseelsorgerin.

Wer im Krankenhaus liegt, der ist darüber nur selten glücklich. Und wenn zu körperlichen Beschwerden auch noch Sorge kommt, zum Beispiel Angst vor einer Operation oder Verzweiflung nach einer schlimmen Diagnose, dann wünscht sich der Patient vielleicht jemanden, der ihm zuhört. Gerade in diesen Zeiten, in denen wegen Corona Besuchsverbot gilt, ist es Maike Becker-Petzold, seit zehn Jahren Krankenhaus-Seelsorgerin im Heidekreis-Klinikum in Walsrode, noch wichtiger, die Patienten, die sich einsam fühlen, liebevoll begleiten zu können.

Walsrode – Viele kleine Lichter funkeln in diesem Zimmer, historische Kirchenfenster mit Buntglas lehnen dekorativ an der Wand, das Regal ist voller Bücher. Die Stühle sind weich gepolstert und auf dem Tisch steht eine Kanne mit dampfendem Tee und ein Teller mit Süßigkeiten. Vor dem Fenster ist ein kleiner Altar aufgebaut, in diesen Tagen ist er weihnachtlich geschmückt. Er ist sehr gemütlich, dieser „Raum der Stille“ und nichts deutet darauf hin, dass er sich mitten in einem Krankenhaus befindet. Bis auf die flackernden Kerzen vielleicht, die bei genauem Hinschauen nicht echt sind, sondern elektrisch, wegen der strengen Brandschutzbestimmungen.

Momente der Ruhe im „Raum der Stille“

In diesem Raum können Krankenhausbesucher und Patienten einen Moment der Ruhe finden oder das Gespräch suchen mit der 64-jährigen Krankenhausseelsorgerin. Meistens sei sie allerdings auf den Stationen unterwegs, erzählt Maike Becker-Petzold, in den Krankenzimmern, direkt bei den Patienten und ihren Angehörigen. Sie gestalte Andachten, bete mit den Patienten – aber vor allem höre sie ihnen zu. Unterstützt werde sie bei ihrer Arbeit von der langjährigen und sehr engagierten ehrenamtlichen ausgebildeten Seelsorgerin Anne Fischer.

Rethemern ist Maike Becker-Petzold bekannt. Ihr Mann Diedrich, der vor einigen Monaten verstorben ist, war viele Jahre Pastor in St. Marien, bevor ihn seine Krebserkrankung 2019 in den vorzeitigen Ruhestand zwang. Auch seine Frau war anfangs mit einer halben Stelle im Rethemer Pfarramt beschäftigt, bis diese 2011 gestrichen wurde. „Ich habe mich dann auf den Job als Seelsorgerin im Heidekreis-Klinikum beworben.“ Sie habe dafür eine umfangreiche Zusatzausbildung absolvieren müssen. Nach der erfolgreichen Bewerbung habe sie 2012 angefangen – und diesen Schritt nie bereut. Jetzt, wo es für sie auf den Ruhestand zugehe, blicke sie mit Freude auf diese so besondere Arbeit zurück.

Oft hört sie einfach nur zu

An einem normalen Tag drehe sie ihre Runden durch die Zimmer, stelle sich den neuen Patienten vor, aber dränge sich nie auf. Wenn jemand offen für ein Gespräch sei, stehe sie zur Verfügung. Für Trost, Stärkung oder einfach nur Begleitung. Auch wenn sie zunächst einmal eine Fremde sei, vertrauten sich ihr viele Patienten an. „Manchmal ist es vielleicht sogar leichter, mit jemanden zu sprechen, den man nicht kennt. Ich stehe unter Schweigepflicht, ich werte nicht, ich gebe keine Ratschläge. Ich höre einfach nur zu, versuche mich, in die Gefühle hineinzuversetzen und stelle vielleicht mal ein paar Fragen.“

Und wenn jemand richtig schlimm Angst hat, vor dem Sterben oder dem Tod? „Dann halte ich die Angst mit aus.“ Sie könne den Patienten ihre Gefühle nicht abnehmen, aber sie vielleicht lindern, in dem sie einfach da sei.

Begleitung von Eltern von Sternenkindern

Ein weiterer Aspekt ihrer Arbeit sei auch die Begleitung der Eltern von Sternenkindern, also von Kindern, die tot zur Welt kommen. In diesen Fällen nehme sie, falls gewünscht, auch Segenshandlungen als sogenannte Nottaufen vor.

Die Konfession spiele bei ihrer Arbeit keine Rolle. So sei sie auch in den Zimmern von Patienten anderer Glaubensrichtungen bisher zumeist sehr willkommen gewesen. „Wir haben alle den gleichen Gott“, sagt Becker-Petzold.

Sie erlebe bei ihrer täglichen Arbeit auf den Stationen bei weitem nicht nur Verzweiflung, Angst und Trauer. „Nein, viele Menschen sind einfach dankbar, dass sie im Krankenhaus in guten Händen sind. Wenn sie mir erzählen, dass sie sich hier liebevoll umsorgt fühlen, dann geht mir jedes Mal das Herz auf, weil ich weiß, wie viel Herzblut hier alle, Pfleger, Schwestern, Ärzte, in die Arbeit stecken und für das Wohlergehen der Patienten an einem Strang ziehen.“ Sie verstehe sich als Teil des großen Klinik-Teams, sie sei nur eine kleine Schraube im Getriebe der Einrichtung.

Weihnachtsstimmung trotz Besuchsverbot

Als ihr Mann im Juni als Notfall im Heidekreis-Klinikum eingeliefert wurde, habe sie das Ganze einmal als Außenstehende erlebt. „Er wurde hier wirklich allerbestens versorgt.“ Sie sei dem ganzen Team immer noch sehr dankbar, dass sie ihn aufgrund der guten Pflege nach ein paar Tagen wieder mit nach Hause nehmen konnte.

Wie wichtig eine liebevolle Begleitung der Patienten und ihrer Angehörigen ist, zeigt sich natürlich besonders jetzt, in diesem zweiten Corona-Winter, wo im Heidekreis-Klinikum absolutes Besuchsverbot gilt. „Wir wissen hier alle, dass das in der Weihnachtszeit wirklich sehr hart ist“, sagt Nina Bernard, Leiterin Unternehmenskommunikation im Klinikum. Sie versichert, dass diese Entscheidung absolut nicht leichtfertig getroffen wurde. Aber solange niemand wisse, wie ansteckend und wie gefährlich die Omikron-Variante des Coronavirus ist, sei der Krisenstab in höchster Alarmbereitschaft. Man dürfe kein Risiko eingehen. Sie verspricht, dass sich alle Mitarbeiter, nicht zuletzt die ehrenamtlichen „Grünen Damen“, größte Mühe geben, den Aufenthalt im Krankenhaus über die Feiertage möglichst angenehm zu gestalten.

Maike Becker-Petzold verteilt Tannengrün und Weihnachtsschmuck in den Zimmern, und vielleicht holt sie sogar ihr Akkordeon raus, um für Abwechslung auf den Fluren zu sorgen. Wer einen Moment der Besinnung sucht, darf im Raum der Stille durchatmen. Und wenn in diesen Tagen jemand Trost benötigt, ein offenes Ohr, oder sich ein gemeinsames Gebet wünscht: Sie sei da, sagt die Seelsorgerin.

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