„Ich bin wieder da“

Heinz Laurich und die rauchgeschwärzte Wand aus dem Jahr 1760

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Rauchgeschwärzte Wand hinter Glas. 

Walsrode - Von Klaus Müller. Da steht er, am Eingang des großen Raumes in der Volkshochschule Walsrode, fast versteckt er sich und hat doch so viel zu erzählen. Und dann legt er los, überschlägt sich fast in der Sprache, führt den Besucher in seine, in die Laurich-Welt, zeigt wunderschöne farbenfrohe Aquarelle, die irgendwo in dem uralten Haus in der Worth entstanden sind: Der Junge, der einstmals vom hohen Nordseedeich in Dithmarschen kam, der sich heimisch machte in Walsrode, dann wieder in die Welt hinaus ging und nie aufhörte zu malen, ist zurückgekehrt in die Stadt und trotz seines Alters so aktiv wie nie zuvor.

„Ich bin wieder da,“ sagt Heinz Laurich, Tischlermeister und Zimmermann, Koch und Maler, leidenschaftlicher Sammler alter Sachen, manchmal auch Pädagoge, Entdecker und ein wenig (Kunst-)Genießer. „Ich mag alles, was schön ist“, hat er zu seinem Lebensmotto gemacht.

Manchmal, wenn ihn etwas ärgert, taucht er ab in Unzufriedenheit. Man sieht es dann an den dunkleren Farben in seinen Bildern. Sturm kommt auf… „Dann sitze ich an meinem PC und schreibe auch einmal einen Leserbrief“, sagt er, schaut aus dem Fenster Richtung Innenstadt, auf den Parkplatz des Rathauses und sinniert: „Hier könnten doch noch mehr Parkplätze entstehen. Man sollte die Bäume dort hinten wegnehmen und neue Parkplätze schaffen.“

Bei Heinz Laurich und seinen Geschichten haben viele Walsroder ihre modische Erfüllung über Jahre bekommen. Laurich, das war eine der besten und vielleicht auch für diese Zeit auffälligsten Modeboutiquen in der Walsroder City. „Ich hatte es auch einfacher als die ansässigen Geschäfte. Mein Franzose kam morgens mit einer Ladung Kleidung und füllte das Lager.“ Vor allem junge Kunden kauften gerne etwas anderes, etwas Besonderes bei ihm ein.

Heinz Laurich setzt Ideen sofort malerisch um.

Irgendwann eröffnete Laurich ein Geschäft mit gleichem Angebot und ein Restaurant in Soltau, direkt neben dem Spielzeugmuseum. Später ging er in die neuen Bundesländer, sammelte 13 Jahre lang in Halle die unterschiedlichsten Erfahrungen im Immobilienbereich und mit seiner Kunst. „Ich habe dort viel erlebt, Gutes und Böses, mein Leben ist anders geworden.“

„Ich bin christlich geworden“, sagt er heute, zwischen Tausenden von Geschenkartikeln und skurrilen Dingen in seinem kleinen Laden mitten in Walsrode. Krank war er, Rückenprobleme warfen ihn zurück. Im Krankenhaus hielt er es manchmal vor Schmerzen nicht mehr aus. „Und in dieser Zeit habe ich zu beten begonnen“, erinnert er sich an die schweren Probleme mit der Bandscheibe. „Lass mich bitte wieder gesund werden, damit ich wieder laufen und arbeiten kann.“ Heute ist Heinz Laurich passionierter Kirchgänger, jeden Sonntag ist er in Walsrodes Stadtkirche oder in Meinerdingen. Er hat vom Leben gelernt, hat sicherlich auch Fehler gemacht, aber ist immer ein Stehauf-Männchen gewesen.

Renovierung fördert Brandmauer zutage

Nach dem Kauf seines alten Hauses in der Worth entdeckte er bei Renovierungsarbeiten eine rauchgeschwärzte Brandmauer eines der seltenen Zeichen aus den Zeiten, als tillyische Gruppen um 1650 herum auch dieses damals herrschaftliche Gebäude in Schutt und Asche legten, aber mit vorhandenen Steinen die neue Wand entstand. Das Haus hat dann auch unter dem großen Stadtbrand um 1760 gelitten. Laurich hat die Wand „renoviert“. Eine Glasplatte deckt sie heute ab. „Die Besichtigung ist kostenlos,“ teilt Laurich in einem kleinen Flyer mit. Und ist ein wenig stolz auf dieses Relikt.

Heinz Laurich malt immer noch. Es sind Bilder mit Ausdruck zumeist in schönen Farben. „Mir macht es noch Spaß, am Maltisch zu sitzen und meine Ideen sofort in die Tat umzusetzen.“ Genauso viel Spaß macht es ihm, Kunden zu beraten und auf manches versteckte Schmuckstück in seinem Laden hinzuweisen. „Dinge, die es heute sonst so nicht mehr gibt. Vielleicht werde ich altes Spielzeug in meine Sammlung aufnehmen, Brummkreisel beispielsweise, alte Roller und anderes mehr.“

Gemütlich ist es im Obergeschoss des alten Hauses. Heinz Laurichs kleine Galerie mit Geschenken und Kuriositäten und mit der so einzigartigen Brandwand aus vergangenen Zeiten müssen erhalten bleiben, denn Laurich und das Haus sind „gelebte Geschichte“ der Stadt.

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