Viel Neues zu entdecken

Heidemuseum ist in die Saison gestartet

„Vor diesen Arbeiten habe ich Respekt“: Monika Seidel mit einem Mieder mit Wespentaille aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Eine aufwendige Klöppelarbeit, die Knöpfe sind aus handbearbeitetem Perlmutt. „Damals nur etwas für die Reichen.“ - Foto: Kracke

Walsrode - Monika Seidel nimmt eine Zinnschale in die Hände. Federleicht ist das matte Metall. Die Leiterin des Museums Walsrode weist mit dem Zeigefinger auf den Boden des Gefäßes. Er ist so dünn, dass sich winzige Löcher gebildet haben. Und schon sprudelt es aus ihr heraus. „Briefe wurden früher in solchen Schalen verbrannt,“ sagt Seidel, „nicht selten Liebesbriefe, die hier in kleiner Flamme aufgingen, weil sie niemand lesen durfte.“ Das Feuer hat der Schale zugesetzt.

Wahrscheinlich könnte sie zu jedem Stück in der neuen Ausstellungsabteilung im Obergeschoss des Niedersachsenhauses eine Geschichte erzählen. Wird sie vielleicht auch. Aber zunächst müssen die Exponate in einer Vitrine noch ins rechte Licht gerückt werden.

Das Heidemuseum Rischmannshof ist in die Saison gestartet, und wie immer wartet nicht nur Hermann Löns auf Interessierte, sondern an vielen Ecken und Enden gibt es Neues zu entdecken.

Eines der größten Museumsprojekte indes ist noch nicht fertiggestellt. Die Remise, die auf der gegenüberliegenden Seite der Löns-Straße liegt, wird für das Publikum weiterhin nicht zugänglich sein. „Fachleute klären gegenwärtig Art und Umfang der Arbeiten, ehe wir uns diesem Thema widmen können“, sagt Dieter Heidmann aus dem Führungsteam des Museums. Vor anderthalb Jahrzehnten war das aus Krelingen stammende Fachwerk aufgebaut und darin unter anderem eine Sattlerei und Polsterei untergebracht worden.

Das mächtige Bücherregal zieht die Blicke auf sich. Die gemütliche Sitzecke vermittelt den Eindruck, als sei der Heidedichter eben erst aufgestanden. Das Geheimnis des Löns-Zimmers im Obergeschoss des Haupthauses bleibt allerdings im Verborgenen. Es liegt hinter einer verschlossenen Tür.

Monika Seidel und Stadtarchivar Thorsten Neubert-Preine haben diese Tür in den Wintermonaten geöffnet, und schon lag es anschaulich vor ihnen, das sogenannte Magazin des Museums, das sich wie eine Wagenburg um das Löns-Zimmer herum postiert. Regale stehen hier, und in ihnen lagert all das, was in den vergangenen Jahrzehnten an Gegenständen dem Museum vermacht worden ist, manches wertvoll, manches lediglich interessant.

„Wir haben uns auf die Spur von Zinngegenständen begeben“, sagt Monika Seidel. Die Suche förderte erstaunliche Dinge zutage. „Gesang und Liebe im schönen Verein, sie erhalten im Leben den Jugendschein“, heißt die Gravur in der wohl bemerkenswertesten Entdeckung, einem mächtigen Pokal, der gewiss die Blicke auf sich ziehen wird in der neuen Abteilung im Museum. Unscheinbarer, aber von ebenfalls erstaunlicher Bedeutung die Bierseidel und Trinkbecher, die der Sammlung zugeordnet werden. Jenes Exemplar zum Beispiel, das eine erste Gravur aus dem Jahr 1804 trägt und eine zweite aus dem Jahr 1843.

Ganz selten zudem ein Bierseidel aus rotem Glas aus dem Jahr 1852. „Das konnten sich nur wohlhabende Leute leisten.“ Thorsten Neubert-Preine will alle Bestandteile der neuen Zinn-Sammlung beschriften.

Das Museums-Magazin unterliegt ständigen Veränderungen. Die zahlreichen Spenden zum Beispiel. „Mehrere Male im Jahr finden wir vor der Tür freundlich zugedachte Gegenstände“, sagt Monika Seidel. Vieles könne man „archivieren“, einiges nicht. „Bei den Spinnrädern zum Beispiel haben in letzter Zeit einige skandinavische Exponate den Weg zu uns gefunden. Die passen natürlich nicht in ein Heidemuseum.“ Achtgeben müsse man auch auf eine weitere Gefahr. „Nicht selten, dass sich in den Neuzugängen schon der Holzwurm ausbreitet. Das kann schnell auf nebenan gelagerte Holzgegenstände übergreifen.“ - kra

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