Corona-Notfallplan

Heidekreis-Klinikum verlegt Patienten in Reha-Kliniken

Trotz sinkender Zahlen der Neuinfektionen wird das Heidekreis-Klinikum seine Kapazitäten für Covid-19-Patienten noch ausweiten. Foto: Raczkowski
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Trotz sinkender Zahlen der Neuinfektionen wird das Heidekreis-Klinikum seine Kapazitäten für Covid-19-Patienten noch ausweiten.

Heidekreis - Die Lage ist ruhig im Heidekreis. Eine Corona-Neuinfektion aus Munster ist gestern dazugekommen, macht insgesamt 63 Fälle, denen 48 Genesene gegenüberstehen. Gerade mal 15 Erkrankte gibt es also, von denen sich bis auf drei alle in häuslicher Quarantäne befinden. Grund zur Entspannung? Der Krisenstab ist anderer Meinung und erklärte gestern in einer Pressekonferenz, warum das Heidekreis-Klinikum (HKK) seine Kapazitäten für Covid-19-Patienten noch ausweiten wird. Als nächstes steht die schrittweise Verlegung von Patienten, die keiner intensivmedizinischen Betreuung oder chirurgischen Behandlung bedürfen, in umliegende Reha-Klinken auf dem Programm.

Grundsätzlich sollen alle an Covid-19 erkrankten Personen in Plankrankenhäusern, wie zum Beispiel dem HKK, behandelt werden, erklärte Geschäftsführer Dr. Achim Rogge. Bisher wurden an beiden Standorten in Walsrode und Soltau Isolierstationen mit insgesamt 24 Betten eingerichtet. Die Intensivstationen wurden aufgestockt, mittlerweile stehen insgesamt 33 Betten zur Verfügung, davon sind 18 mit Beatmungsgeräten ausgestattet. Innerhalb von 24 Stunden könnte das HKK auf 48 Intensivbetten und 29 Beatmungsplätze hochfahren, berichtete Dr. Ulrich Blumenthal, Chefarzt der Intensivmedizin im HKK. Alle planbaren Operationen und Eingriffe wurden entsprechend einer Vereinbarung von Bund und Ländern verschoben, um die Kapazitäten freizuhalten. Die Isolierstationen waren bisher noch nie voll belegt. Und doch soll noch mehr Raum geschaffen werden: Zehn Patienten sind bereits in die sogenannten Behelfskrankenhäuser, die Rehakliniken in Bad Fallingbostel und Soltau, verlegt worden. Weitere sollen folgen. „Es ist uns ganz wichtig, die Bevölkerung über diese Schritte zu informieren“, sagte Landrat Manfred Ostermann.

In beiden Reservekliniken stehen jeweils 100 Betten für Patienten ohne Covid-19-Erkrankungen zur Verfügung. Die Geschäftsführungen Wilfried Bissel (Fallingbostel) und Sebastian Bergholz (Soltau) machten bei der Pressekonferenz deutlich, dass die verlegten Patienten auch in ihren Häusern von hoch qualifiziertem medizinischem Personal betreut würden. Seien es Herz- und Gefäßerkrankungen, Diabetes, geriatrische Mehrfacherkrankungen oder die Behandlung nach chirurgischen Eingriffen: In den Reservekliniken arbeiteten Fachärzte, bei denen die Patienten in besten Händen seien. Um dort auch genügend Personal vorhalten zu können, wolle der Landkreis in Kürze per Annoncen neue Mitarbeiter werben. „Damit haben andere Landkreise, Rotenburg und Verden zum Beispiel, bereits gute Erfahrungen gemacht“, so Ostermann.

Aufnahme von Patienten aus Harburg

Er erklärte, warum die Maßnahmen notwendig seien. „Stand heute haben wir die Lage gut im Griff.“ Doch könne sich das schnell ändern. Gerade jetzt, wo die Maßnahmen zur Kontaktreduzierung etwas gelockert werden, sei damit zu rechnen. Dr. Rogge: „Die Zahlen werden zwangsläufig steigen.“ Und das könne ganz schnell gehen, wie ein Anruf zeige, der den Krisenstab vor einigen Tagen erreicht habe. Es war ein Hilferuf aus dem Nachbarkreis Harburg, wo wegen eines Corona-Ausbruchs ein Pflegeheim evakuiert werden musste. „Natürlich haben wir unsere Hilfe angeboten. Wir schotten uns nicht ab“, so Ostermann. Zehn der Pflegeheimbewohner wurden bereits im Heidekreisklinikum aufgenommen. „Wir haben sie getestet, ein Ergebnis liegt noch nicht vor. Aus medizinischer Sicht scheinen sie gesund, haben keine Symptome. Sie befinden sich auf der Isolierstation“, berichtete Professor Frank Schmitz, Ärztlicher Direktor des Heidekreis-Klinikums.

„Aber solche Vorfälle zeigen eben auch, wie schnell das gehen kann“, so Ostermann. „Unsere Nachbarn hat es kalt erwischt. Und auch uns kann es passieren, dass wir mit so einem Fall wie in Harburg dann eben doch an unsere Kapazitätsgrenzen stoßen.“ Rogge gab ein schnelles Rechenbeispiel zum Thema Herdenimmunität. Um eine 70-prozentige Durchseuchung der Heidekreisbevölkerung zu erreichen, müssten von den 140 000 Einwohnern 98 000 infiziert sein. „Gehen wir davon aus, dass etwa 90 Prozent ambulant behandelt werden können, bleiben 9800 Patienten, die ins Krankenhaus müssen. Diese Patienten werden in einer unbekannten Zeitspanne auf uns zukommen. Jetzt geht die Arbeit erst los, weil wir in den nächsten Monaten immer mit diesen Patienten rechnen müssen.“

In enger Abstimmung mit dem Landkreis und dem Gesundheitsamt hat der Krisenstab des HKK deshalb ein Drei-Stufen-Konzept entwickelt, das festlegt, welche Maßnahmen bei steigender Anzahl von Covid-19-Patienten durchzuführen sind. Noch sei man in der ersten Stufe und bereite sich auf die zweite vor. Ganz am Ende stehe der schlimmste Fall, der hoffentlich nicht eintritt: der MANV – der Massenanfall an Covid-19-Patienten. Auch hier gebe es bereits Vorbereitungen, die in enger Abstimmung mit der Bundeswehr liefen. „Das Netzwerk ist gespannt“, so Rogge.

Zum Schluss ergriff die Soltauer Chefärztin Dr. Andrea Pomarino das Wort. Es habe den Anschein, dass Notfallpatienten derzeit oft lange warteten, bis sie sich meldeten. „Vielleicht aus Angst, sich im Krankenhaus zu infizieren.“ Wenn jemand Symptome habe, die auf ernste Erkrankungen hindeuteten, wie etwa Brustschmerzen, solle er nicht zögern und zum Arzt gehen.

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