Hausaufgaben für die Politik

Kreislandfrauentag: Frech, witzig und selbstbewusst

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Hohe Auszeichnung für Gerdi Hogrefe: Andrea Evers erhielt die „Silberne Biene mit grünem Stein“.

Hodenhagen - Von Carolin Muschter. Fehlt Männern das Abwasch-Gen? Unter fröhlichem Gelächter wurden Scherzfragen wie diese beim Treffen des Landfrauen-Kreisverbandes Fallingbostel in der frühlingshaft geschmückten Aller-Meiße- Halle in Hodenhagen gestellt. Die nicht weniger humoristische Antwort kam prompt vom ‚Radio Sonnenschein‘. Die mehr als 220 Landfrauen und einige, wenige Herren in der vollbesetzten Halle erlebten zuvor eine spritzige Rede ihrer Kreis-Vorsitzenden Andrea Evers.

„Neue Wege gehen“ die Landfrauen seit einiger Zeit: Vor 70 Jahren waren Treffen während der Pflanz- und Erntezeit undenkbar. Man sah sich im Verein nur im Winter. Heute sind das ganze Jahr über Veranstaltungen, Fahrten und Aktionstage, die immer gut besucht sind. Aber zu einem so opulenten Frühstück wie am Samstag trafen sich die Mitglieder der fünf Vereine im Kreis Fallingbostel zum ersten Mal. Und alle Teilnehmerinnen waren sich einig: Es war ein sehr großer Erfolg des Vorstandes und der Gruppe der ‚Jungen Landfrauen‘.

Auch die ‚Jungen Landfrauen‘ bis zu einem Alter von 40 Jahren sind neu. Sie sind Mitglieder in den regulären Landfrauenvereinen, bilden aber im Kreisverband eine eigene Gruppe. Entstanden ist die Idee in Fallingbostel und hat mittlerweile viele Nachahmer. Die jungen Frauen bieten Themen für ihre Altersgruppe, bieten moderne Workshops und Aktivitäten. „Die jungen Frauen wollen eben auch mal unter sich sein“, erklärt Gerdi Hogrefe, zweite Vorsitzende des Kreisverbandes. 

Die aus der Nähe Heidelbergs stammende Landfrau hat die Liebe in den Norden verschlagen. Mit ihrem Mann zusammen hat sie ihren Hof geführt. Weil Gerdi Hogrefe seit zwölf Jahren im Kreisvorstand unter vollem Einsatz mitarbeitet und seit sechs Jahren auch dessen Finanzen im Blick hat, wurde sie mit der Ehrennadel „Silberne Biene mit grünem Stein“, der zweithöchsten Auszeichnung der niedersächsischen Landfrauen, geehrt. Ihre immer von Hand geschriebenen Grußkarten werden von den Landfrauen enorm bewundert. Sie bedankte sich, völlig überrascht von der Auszeichnung, mit sichtlicher Rührung. Die stellvertretende Vorsitzende des niedersächsischen Landvolkverbandes (NLV), Dörte Stellmacher, erklärte unter schallendem Gelächter dem Samtgemeinde- Bürgermeister Hodenhagens Carsten Niemann: „Sie können auch bei uns Mitglied werden!“ Niemann hatte zuvor umfassend Auskunft über die Samtgemeinde und Gemeinde Hodenhagen gegeben.

220 Landfrauen waren nach Hodenhagen gekommen: Das Buffet war gut gefüllt und die Halle hatte die Ortsgruppe Ahlden festlich geschmückt.

Er zeigte sich beeindruckt von der Themenvielfalt und Kompetenz der Landfrauen und lud sie ausdrücklich zum Gespräch am runden Tisch um die Zukunft der Samtgemeinde Hodenhagen ein.

Helma Spöring, selbst Landfrau, saß Landrat Manfred Ostermann gegenüber. Dörte Stellmacher, gab den Politikern einige Wahrheiten mit auf den Heimweg: Landfrauen sein eben auch Frauen und so müsse man jetzt mal deutlich sagen, die Politik stehe in der Pflicht, selbst Frauenhäuser einzurichten, das könne nicht weiter nur auf Spenden laufen.

Stellmacher sprach ohne Umschweife die schwere Situation der Pflegebedürftigen auf dem Lande an, wo „Pflegeverträge gekündigt werden, weil die Anfahrten unrentabel sind.“ 32 000 Landfrauen in Niedersachsen haben im vergangenen Jahr bei 8 500 Bildungsmaßnahmen mitmacht. „Erfolg wird weiblich“, lies Stellmacher die Besucherinnen wissen. Erfolgreiche Kurse bereiteten Frauen besser auf Führungspositionen vor. „Barbara Otte-Kinast, bisher Vorsitzende der Landfrauen, ist nun Niedersachsens Landwirtschaftministerin“, gab sie ein Beispiel. Die Landfrauen seien die größte Frauenorganisation in Deutschland. In Niedersachsen habe sie über 100 000 Mitglieder.

Auch die neue Pastorin Hodenhagens, Mirja Rohr, stellte sich den Landfrauen vor. „Das System der Hausnummern hier erschließt sich Neubürgern nicht von allein,“ schmunzelte sie. „Google Maps ist da eine große Hilfe, wenn dann nicht im Ort auf einmal das WLan ausfällt.“ Die Musikalische Unterhaltung viel auf fruchtbaren Boden, das textsichere Publikum machte den Auftritt des Radios Sonnenschein zum Erfolg: nur mit einem Witz zogen Karin Köster und Marcus Friedeberg einen Buhruf-Sturm der Extraklasse auf sich: „Frauen können nicht Autofahren“. Das, vor so vielen Frauen zu sagen, war aber auch gewagt.

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