Hannes Wader begeistert seine Fans immer noch / Konzert in Walsrode

Ein Gentleman mit Gitarre

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Hannes Wader in der Stadthalle: Der 73-jährige Singer-Songwriter begeistert immer noch seine Fans.

Walsrode - Von Fred Raczkowski. Vor zwei Jahren wurde er mit dem Echo-Preis für sein Lebenswerk geehrt. Mittlerweile ist er 73 und füllt mit seinen Songs immer noch die Konzertsäle – Hannes Wader. So war es auch in der Walsroder Stadthalle. Begeisterte Fans vorwiegend gesetzteren Alters erlebten den Singer-Songwriter mit der unvergleichlichen, tiefen Stimme. Sein spezielles Fingerpicking beim Gitarrenspiel verblüfft immer noch – keiner zupft die Akkorde wie Hannes.

Der ganze Mann ist eine Persönlichkeit, die man in der Musikszene eher selten findet. In der FAZ schrieb ein Kritiker mal, Hannes Wader sei der Gentleman unter den Liedermachern. Besser kann man es kaum sagen. Nur ergänzen: „Mein Freund Hannes hat die Musikszene in diesem Land bewegt und sich um die Menschlichkeit verdient gemacht“, sagte Reinhard Mey bei der Verleihung des Echo-Preises.

In Talkshows ist er in letzter Zeit immer häufiger zu sehen, sein 30. Album „Nah dran“ schaffte es 2012 für einige Wochen sogar in die CD-Verkaufscharts. Das war nicht immer so. Noch vor gut zehn Jahren hatte Wader in einem Interview mit der VAZ beklagt: „Beim NDR stehen meine Lieder wohl immer noch im Giftschrank.“ Der linke Rebell der frühen 70er-Jahre, damals Mitglied der DKP und im Verdacht, der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin (sie hatte unter falschem Namen eine Wohnung von ihm gemietet) Unterschlupf gewährt zu haben, hat eine lange Zeit der Verbannung durchgemacht.

Heute hört man die alten Kampflieder der Arbeiterbewegung weniger von ihm. Keine „Moorsoldaten“, kein „Bella Ciao“ diesmal. Dafür aber viele der alten Friedenslieder, „Le Déserteur“ oder der „Traum vom Frieden“. Liebe, Schnaps und Tod: Davon handeln die Lieder des alten Schweden Michael Bellmann. 250 Jahre nach ihrer Entstehung finden sie in Hannes Wader ihren perfekten Interpreten.

Und die wunderbaren alten deutschen Volkslieder. Wenn Hannes Wader „Die Gedanken sind frei“ singt, dann hat man irgendwie das Gefühl, dass dieses Lied bei diesem Sänger besonders gut aufgehoben ist. In der Süddeutschen Zeitung schrieb ein Kritiker: „Wäre man selbst ein altes Volkslied, man würde sich Hannes Wader bedingungslos anvertrauen.“

Das gilt natürlich auch für „Dat du min Leevsten büst“. Mit dem schönsten Liebeslied der Welt verabschiedete Wader seine Fans in die Walsroder Nacht.

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