Vier Schmiedemeister, ein Willkomm: Die Geschichte weiterer entdeckter Gildepokale

Grausame Kriegsszene vor den Stadttoren

Zinnwillkomme (v.l.): der Tischlerwillkomm, die Kanne und der Willkomm der Schmiedegilde.
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Zinnwillkomme (v.l.): der Tischlerwillkomm, die Kanne und der Willkomm der Schmiedegilde.

Walsrode – Nach der Berichterstattung über die Eröffnung der Sonderausstellung zu den Walsroder Handwerksgilden wurde der Stadtarchivar Thorsten Neubert-Preine vom Walsroder Innungsmeister Fritz Dröscher darauf aufmerksam gemacht, dass sich bei der Kreishandwerkerschaft in Bad Fallingbostel noch weitere Walsroder Gildepokale (Willkomme) und eine Prunkkanne befinden. Diese Zinnobjekte entpuppten sich einer Pressemitteilung zufolge als besonders eindrucksvolle Zeugnisse der Stadtgeschichte.

Es handelt sich dabei um den 1775 gestifteten Willkomm „der Tischleramts-Meyster“ von Walsrode, der 1828 mit einer neuen, fein ziselierten Fahne aus Silber ausgestattet wurde. Die Prunkkanne ist 1788 aus einem älteren Objekt, wahrscheinlich dem alten Willkomm, von vier Schmiedemeistern umgegossen worden. Die alten Meisterplaketten fanden am 1805 neu gestifteten Willkomm der Schmiedegilde einen würdigen Platz. Teile dieses Pokals stammen aber aus dem 18. Jahrhundert.

Der Schmiedewillkomm gehört zum alten Bestand des Heidemuseums und ist mit 38 zum Teil fein gravierten Plaketten der Meister dieser Zunft behangen. Die älteste Plakette von Meister Henning Langkop (Langenhop) entstand 1659. Die ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert stammende Plakette von Gabriel Michael von Mellen zeigt eine detailreiche Kriegsszene am Rande einer Stadt, die wie Walsrode durch Wassergraben und Stadttore gesichert war. Der Graveur hat nicht nur die mit Kanonen und Musketen schießenden Soldaten, sondern auch die Todesopfer der Schlacht dargestellt.

In Zeiten des Krieges hatten die Huf- und Waffenschmiede immer viel zu tun, konnten aber auch in Friedenszeiten ihren Lebensunterhalt bestreiten. Das war nach Erkenntnissen Neubert-Preines möglicherweise der Grund, warum der Regimentsfeldscher von Mellen, der eigentlich für die chirurgische Versorgung der Soldaten im Felde verantwortlich war, auch noch das Schmiedehandwerk erlernt hatte. Bekrönt ist der Schmiedewillkomm mit einer Silberfahne von 1772, die eine Meisterwidmung des Stifters trägt.

Die Pokale und die Kanne sind von Walsroder Kannengießern und Zinnmachern gefertigt worden, so der Tischlerwillkomm von Meister Johann Bartold Gerber. Die Schmuckplaketten aus zwölflötigem Silber (750/1000 Silber) tragen unter anderem die Marken (Punzen) von Walsroder Meistern, wie dem Goldschmied Justus Christ. Gerhard Brauns, der im 18. Jahrhundert in Walsrode gewirkt hat.

Auf den Plaketten finden sich die Namen altbekannter, aber auch vergessener Handwerksfamilien aus über 200 Jahren Stadtgeschichte. Es waren vielfach Persönlichkeiten, die Walsrode in ihrer Zeit maßgeblich mitgeprägt haben.

Der Vorstand des Heidemuseums und der Stadtarchivar sind der Mitteilung zufolge sehr dankbar dafür, die kürzlich eröffnete Sonderausstellung zu den Gilden durch diese stadtgeschichtlichen Zeugnisse ergänzen und damit der Öffentlichkeit erstmals zugänglich machen zu können.

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