Ein von Mut getragener Abend

Bomlitzer und Walsroder Rat für Antrag auf Fusionierung

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Gruppenbild mit Seltenheitswert: Unabhängig voneinander votierten der Bomlitzer und der Walsroder Rat für eine Fusion der beiden Kommunen. Der Zusammenschluss muss vom Land genehmigt werden und soll ab 2020 vollzogen gelten.

Walsrode/Bomlitz - Von Klaus Müller. Es war das ganz große Theater, das da in Raum „Lüneburg“ und im Raum „Hamburg“ in der Walsroder Luisenhöhe stattfand, auf „Borger Gebiet“, wie es später witzelnd Ratsmitglieder aus Bomlitz umschrieben. Es waren historische Minuten, rund 40 an der Zahl, in denen insgesamt 41 Ratsmitglieder der beiden Kommunen Walsrode und Bomlitz die Weichen für eine neue Zukunft stellten.

Einstimmig beschlossen die beiden Gremien, die Gemeinde Bomlitz ab 2020 in die Stadt Walsrode zu integrieren, besser gesagt, den entsprechenden Antrag an das Land zu stellen. Selten waren sich Ratsmitglieder so einig, selten gab es danach bei einem Umtrunk – auch Ortsvorsteher und viele Bürger waren dazu gekommen – so viele nette Worte und intensive Gespräche.

Es war ein von Mut und Willen getragener Abend, endlich zusammenzukommen, mehr für den Bürger zu tun, die dann größere Einheit Walsrode auf noch stärkere wirtschaftliche Beine zu stellen. Und die Stellen beider Kommunen nicht abzubauen, keine Steuererhöhungen einzuplanen.

Fusionierung soll 2020 losgehen

Beide Räte hatten in getrennten Sitzungen dem Antrag an das Land auf Fusionierung ab 2020 zugestimmt, nach kurzen Stellungnahmen der jeweiligen Fraktionssprecher, die die absolute Notwendigkeit dieser Maßnahme erkannt und die diese Sitzung dann auch in wochenlangen Beratungen vorbereitet hatten.

37 Minuten benötigte der Walsroder Rat für seine wohl wichtigste Sitzung seit langer Zeit, ähnlich wie sein Bomlitzer Pendant. Während Bürgermeister Michael Lebid von einer von großer Harmonie getragenen Zusammenkunft sprach, ging Walsrodes Bürgermeisterin Helma Spöring auf historische Daten ein.

Meiste Ortsteile gehören zum Kirchspiel Walsrode

Diese belegten, dass bereits vor vielen Jahrhunderten sehr enge Beziehungen zwischen beiden Ortschaften bestanden habe. „Schon im Mittelalter gab es in den Bomlitzer Ortsteilen Besitzungen und abgabenpflichtige Höfe des Klosters Walsrode. Die meisten Ortsteile waren und sind auch noch heute dem Kirchspiel Walsrode unterstellt“, so Helma Spöring weiter.

Sie wies auf die große Bedeutung des Industriestandortes Bomlitz hin, der auch vielen Walsrodern einen Arbeitsplatz verschaffe. Und auf die gemeinsamen touristischen Errungenschaften wie den Weltvogelpark Walsrode auf Bomlitzer Gelände oder das Grabmal des großen Heidedichters Hermann Löns, das genau auf der Grenze von Uetzingen und Honerdingen liegt. „Wir werden insgesamt wirtschaftlich stärker, wir sichern unsere Arbeitsplätze“, war das gemeinsame Echo der beiden Ratsvorsitzenden, die von einer sehr harmonischen Zusammenarbeit miteinander sprachen.

Helma Spöring und Michael Lebid, die beiden Bürgermeister, unterzeichneten den Antrag ans Land auf den Zusammenschluss von Walsrode und Bomlitz.

„Für mich ist dieser Tag sehr bedeutsam“, sagte der Bomlitzer Bürgermeister bei dem anschließenden Sektumtrunk im Kaminzimmer des Hotels. „Das ist alles gut. Ich verliere zwar den Job, bin der einzige Verlierer, aber dieser Schritt tut vor allem den Bürgerinnen und Bürgern meiner Gemeinde gut.“

Der Beginn einer neuen Ära

Und Helma Söder bedankte sich bei „Michael“: „Wir haben nie Probleme miteinander gehabt und werden, auch mit unseren tüchtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Arbeitsgruppe, weiter an diesem Projekt arbeiten, damit wir 2020 gemeinsam durchstarten können.“ Vielleicht mit einem großen Stadtfest, wie es der Walsroder CDU-Sprecher Torsten Söder an diesem Abend vorschlug.

Und dann wurden die notwendigen Papiere unterschrieben, beurkundet und auf den Weg nach Hannover geschickt. In Walsrode und Bomlitz hat damit eine neue Ära begonnen.

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