Dr. Florian Gal ist neuer Chefarzt am HKK / Zusätzliche Fachrichtung

Gerontopsychiatrie im Heidekreis

Klinikums-Geschäftsführer Dr. Achim Rogge (Mitte) mit dem bisherigen Chefarzt der Psychiatrie, Dr. Rahul Sarkar (l.), und seinem Nachfolger, Dr. Florian Gal.
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Klinikums-Geschäftsführer Dr. Achim Rogge (Mitte) mit dem bisherigen Chefarzt der Psychiatrie, Dr. Rahul Sarkar (l.), und seinem Nachfolger, Dr. Florian Gal.

Walsrode – Chefarztwechsel in der Psychiatrie und Psychotherapie: Dr. Florian Gal ist der Nachfolger von Chefarzt Dr. Rahul Sarkar am Heidekreis-Klinikum. Zuvor arbeitete Gal sechs Jahre als Leitender Oberarzt und Abteilungsleiter im Psychiatrischen Zentrum Rickling, der größten Psychiatrischen Fachklinik Schleswig-Holsteins.

„Ich freue mich auf meine neue Tätigkeit“, sagte Gal, der seit dem 1. Juli in Walsrode arbeitet. Er habe schon viele Gespräche führen können und ein gutes Team vorgefunden.

„Es ist gut, dass es nun auch im Heidekreis-Klinikum bauliche Veränderungen in diesem Bereich geben wird“, so Gal weiter. Bei der gestrigen, symbolischen Stabübergabe begrüßte es der Mediziner ausdrücklich, dass ein neues zentrales Klinikum im Heidekreis geplant wird.

Gal ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit den Qualifikationen geriatrische und suchtmedizinische Grundversorgung. Gemeinsam mit der Chefärztin der Geriatrie in Soltau, Özgen Isik-Obersteller, wird er mit dem Aufbau der Gerontopsychiatrie und -psychotherapie eine Versorgungslücke im Heidekreis schließen.

Geschäftsführer Dr. Achim Rogge: „Wir sehen bereits heute einen deutlichen Bedarf für diese neue Fachrichtung im Heidekreis. Psychiatrische Angebote werden immer stärker nachgefragt und genutzt, gleichzeitig steigt der medizinische Versorgungsbedarf der älteren Bevölkerung. So wissen wir aus Prognosen, dass die ältere Bevölkerung im Heidekreis bis 2030 um etwa 18 Prozent steigen wird. Mit Dr. Gal haben wir einen Chefarzt gefunden, der sehr viel Erfahrung in der Gerontopsychiatrie mitbringt und dieses Fachgebiet gemeinsam mit Frau Isik-Obersteller nun auch den Heidekreisbewohnern zugänglich machen kann.“

Die Gerontopsychiatrie sei ein vergleichsweise junges Fachgebiet der Psychiatrie, das mehr und mehr an Bedeutung gewinne. Sie befasse sich mit Patienten, die in einem höheren Lebensalter psychiatrische Erkrankungen aufwiesen, gegebenenfalls aber auch körperliche, sagte Gal. Die psychiatrischen Erkrankungen könnten aufgrund des hohen Alters auftreten, wie beispielsweise Demenz, oder auch durch körperliche Erkrankungen ausgelöst werden, wie eine Depression nach einem erlittenen Herzinfarkt. Auch die Einnahme verschiedener Medikamente könne Auslöser sein.

„Die psychiatrische Erkrankung kann also sowohl Haupt- als auch Nebendiagnose sein, in beiden Fällen hat sich jedoch gezeigt, dass die Berücksichtigung des Zusammenspiels von Körper und Psyche eine wesentliche Rolle im Genesungsprozess spielt“, erläuterte Gal. Zunächst solle das Angebot ein stationäres sein, es sei aber ebenso denkbar, dieses künftig auch auf den teilstationären und ambulanten Bereich auszuweiten. „In der ersten Jahreshälfte 2021 wollen wir soweit sein und eine gerontopsychiatrische Station eröffnen“, kündigte der neue Chefarzt an.

Eine Ausbildung zum Rettungssanitäter hatte Gal motiviert, ein Medizinstudium zu absolvieren. Während seines Studiums der Humanmedizin erkannte er sein großes Interesse am Fachgebiet der Psychiatrie und Psychotherapie.

„Die ganzheitliche Betrachtung des Patienten, sprich die körperliche Diagnostik mit der psychiatrischen zusammenzubringen, erschien mir bereits sehr früh als zielführend bei der Patientenbehandlung. Bei vielen Krankheitsbildern, sei es Demenz, Delir, Depression oder Suchterkrankungen, wirken sich körperliche Grunderkrankungen auch auf die Psyche aus und andersherum“, erklärte Gal.

Als Arzt widmete er sich zunehmend älteren Patienten und dem Aufbau gerontopsychiatrischer Abteilungen. Daneben beschäftigte er sich mit dem Thema Resilienz, der Widerstandskraft der Psyche, die bei jedem Patienten unterschiedlich stark ausgeprägt sei und psychische Erkrankungen mehr oder weniger hervortreten lasse.

Der 41-Jährige lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Hamburg. In seiner Freizeit praktiziert er Taekwondo und spielt gerne Tennis mit seiner Familie. Ein Leben und Arbeiten in der Heide kann er sich gut vorstellen: „Der Heidekreis ist ein wunderschöner Ort zum Leben und mit der Perspektive des neuen Gesamtklinikums ist er für mich als Arzt auch ein Ort mit medizinischer Zukunft. Allein für meinen Fachbereich gesprochen, wird sich sehr vieles zum Besseren verändern. Da sehe ich vor allem moderne und helle Einzelbettzimmer, Therapiegärten und eine enge Zusammenarbeit mit meinen somatischen Kollegen.“ Die Zeit bis zum Bezug des Neubaus im Jahr 2026 will Gal intensiv nutzen und die Abteilungen bezugsfertig umstrukturieren und weiterentwickeln.

Im Veränderungsprozess befindet sich die Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie seit 2016. Unter dem Leitspruch „Psychiatrie im Wandel“ übernahm Dr. Rahul Sarkar im September 2016 die Chefarztposition von Friedrich Landzettel.

Den angekündigten Wandel vollzog Sarkar auch mithilfe der großen Unterstützung seiner Abteilung: „Es war sicher zunächst ein Wagnis, die bestehenden Stationen mit ihren stark durch die Sozialpsychiatrie geprägten Strukturen umzubauen und eine Psychiatrie mit offenen Türen zu schaffen. Doch das Wagnis hat sich gelohnt.“

Neben einer neuen Psychotherapiestation wurde unter der Leitung von Sarkar auch am Heidekreis-Klinikum Soltau eine Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) gegründet. Des Weiteren wurden die Tagesklinikkapazitäten ausgebaut und eine spezielle Behandlungseinheit für Patienten mit Borderline-Störungen (DBT-Einheit) geschaffen.  mü

Das Team der Psychiatrie am HKK: Dr. Florian Gal, Dr. Marie-Kathrin Rehme (Leiterin Psychiatrische Tagesklinik Walsrode, Leitende Oberärztin), Oberarzt Mehmet Tabak, Melanie Schultz (Pflegebereichsleiterin Psychiatrie), Dr. Wolf Döring (Leiter Psychiatrische Institutsambulanz Soltau, Oberarzt), Hermann Grütter (Leiter Psychiatrische Tagesklinik Soltau) und Sönke Eickhölter (Leiter Psychiatrische Institutsambulanz Walsrode, Oberarzt, vl.l).

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