Feuerwehrgenerationen: Jens Führer begleitet Tochter Ricarda bei ihrem ersten Alarm

Gemeinsam zum Einsatz

Immer in Bereitschaft: Mit diesem Einsatzfahrzeug rückten Ricarda und Jens Führer gemeinsam zu einem Einsatz auf der A 27 am vierten Advent aus. Für die 18-Jährige war es ihr erster Alarm.
+
Immer in Bereitschaft: Mit diesem Einsatzfahrzeug rückten Ricarda und Jens Führer gemeinsam zu einem Einsatz auf der A 27 am vierten Advent aus. Für die 18-Jährige war es ihr erster Alarm.

Walsrode – Familie Führer saß gerade zusammen am Stubentisch, als es plötzlich so weit war. Am vierten Advent, um 13.32 Uhr, machte mit einem schrillen Alarm der Pieper von Ricarda Führer, ein tragbares Alarmierungssystem der Feuerwehr, auf sich aufmerksam. Erst vor wenigen Monaten, nachdem die 18-Jährige ihre Ausbildung zum Truppmann 1 bei der Freiwilligen Feuerwehr Walsrode abgeschlossen hatte, habe sie ihn erhalten. Jetzt schlägt das Gerät lautstark Alarm und ruft die junge Erwachsene zu ihrem allerersten Einsatz: einem in Vollbrand stehenden Auto auf der A 27.

„Ich war ziemlich nervös. Und ein bisschen Nervenkitzel war ebenfalls da“, gibt Ricarda Führer rückblickend zu. Doch nicht nur für sie war es ein besonderer Moment, auch ihr Vater, Jens Führer, sei ziemlich aufgeregt gewesen. „Seit 40 Jahren bin ich mittlerweile bei der Feuerwehr, einen großen Teil davon bei der Freiwilligen hier in Walsrode. Als ich dann aber zum ersten Mal mit Ricarda zum Feuerwehrhaus gefahren bin, war die Fahrt schon ein Abenteuer für sich“, berichtet der 53-Jährige schmunzelnd, betont aber, dass er damit keinesfalls meint, dass er geheizt sei. „Obwohl wir quasi schon auf dem Weg zum Einsatz sind, haben wir keine besonderen Rechte im Straßenverkehr. Manchmal machen die Leute trotzdem Platz, wenn sie uns kennen oder die Leuchte sehen, die ich auf dem Dach platziere, bevor wir losfahren. Das freut mich sehr und hilft enorm“, erläutert Führer.

Am Feuerwehrhaus angekommen, zogen sich beide schnell ihre Einsatzkleidung an und teilten sich auf die Fahrzeuge auf. „Wir sind in getrennten Wagen gefahren, waren aber wenige Minuten später beide gleichzeitig auf der A  27“, beschreibt Jens Führer den weiteren Verlauf des Einsatzes. Bereits aus der Ferne hätten beide den Rauch sehen können sowie den langen Rückstau, der sich auf der Autobahn gebildet hatte. Am Unfallort angekommen wurde die komplette Fahrbahn abgesperrt. „Vor Ort war ich dann für die Wasserversorgung zuständig“, beschreibt Ricarda Führer ihre Aufgabe. Da sie erst den Truppmann 1 habe, dürfe sie auch noch gar nicht Teil des Angriffstrupps sein.

„Die Ursache für den Brand war ein technischer Defekt, der Fahrer war glücklicherweise nicht verletzt“, schildert Jens Führer weiter. Das ziemlich teure Auto sei allerdings nicht mehr zu retten gewesen. „Plötzlich gab es dann einen lauten Knall, der uns alle ziemlich erschreckt hat. Einer der Reifen war wegen der Hitze geplatzt“, beschreibt der 53-Jährige. Nach anderthalb Stunden konnte der Einsatz beendet werden. „Alles lief sehr geregelt ab, ich war zwar weiterhin sehr nervös, aber nicht hektisch“, beschreibt die 18-Jährige ihre Gefühlslage im Nachhinein. Der Tankwagen, das Fahrzeug, in dem sie mitfuhr, sei als erstes eingerückt. „Meine Tochter war dann schon auf dem Heimweg, ich kam später mit den letzten Kameraden nach. Zuhause hätten sich dann beide wieder getroffen. Abgeschreckt habe die 18-Jährige ihr erster Einsatz keineswegs. „Ich möchte auf jeden Fall weitermachen und bald mit meiner Ausbildung zum Truppmann 2 beginnen.“

Seit 2018 sei sie bei der Freiwilligen Feuerwehr Walsrode tätig. „Die Entscheidung kam damals für mich ziemlich überraschend“, gibt Jens Führer zu. Zwar gehöre Ricarda zusammen mit seiner Frau seit der Gründung 2017 zum Betreuerteam bei der Kinderfeuerwehr „Walsroder Feuerfüchse“, „hat sich aber vorher nie recht für das Thema interessiert und sehr zurückgehalten“. Eher hätte er von seiner jüngeren Tochter Rebecca Führer (16 Jahre) gedacht, dass sie beim Brandschutz mit einsteigen würde. „Rebecca hatte mit sieben Jahren die Kinderfeuerwehr Honerdingen mitgegründet, wechselte in die Jugendabteilung und hat sich dann aber nach knapp zehn Jahren entschieden, anderen Interessen nachzugehen“, schildert Jens Führer.

„Ich möchte Menschen helfen und die Arbeit mit der Feuerwehr macht mir Spaß“, so Ricarda zu ihrer Motivation, ihre Ausbildung zum Brandschützer zu beginnen. Neben ihrer Tätigkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr besuche die 18-Jährige derzeit die Waldorfschule. „Später möchte ich eine Ausbildung zu einer Pflegekraft machen. Eine Stelle dafür habe ich schon bekommen im Heidekreisklinikum.“

„Ich finde es toll, dass sie sich dazu entschieden hat einzusteigen. Für mich ist die Feuerwehr seit 40 Jahren mein Leben. Es ist schon fast eher eine Berufung als ein Hobby. Umso schöner finde ich es, dass ich das nun mit meiner Tochter teilen kann“, so Führer. Er führt weiter aus, dass man außerdem gute Qualitäten erlerne, wie beispielsweise Kameradschaft und Teamgeist. „Und es ist wahnsinnig zufriedenstellend, wenn man nach einem Einsatz nach Hause kommt und sagen kann, dass man ein Menschenleben oder Sachwert gerettet hat, das ist etwas ganz Besonderes.“

Abschließend betont der 53-Jährige, dass seine Familie aber nur ein Beispiel von vielen sei, wo mehrere Familienmitglieder Teil einer Feuerwehr sind. „Im Heidekreis, wie sicher im ganzen Bundesgebiet, gibt es vergleichbare Fälle, manchmal kann von richtigen Feuerwehr-Dynastien gesprochen werden“, so Jens Führer. So gebe es in der Ortsfeuerwehr Walsrode gleich mehrere Beispiele: „Familie Wagner, der Vater Stephan ist Ortsbrandmeister der Schwerpunktfeuerwehr, der Sohn Kjell in der Jugendabteilung, die Tochter Ida in der Kinderfeuerwehr, die von der Mutter Daniela geleitet wird. Oder der stellvertretende Ortsbrandmeister Alfred Suhr, dessen Sohn Florian voll und ganz in dessen Fußstapfen tritt. Er ist mittlerweile stellvertretender Gruppenführer, Stadtjugendfeuerwehrwart und wohnt gleich neben dem Feuerwehrhaus – was dazu führt, dass er bei Einsätzen oft im Erstangriff ist.“ Auch im Stadtgebiet Walsrode gibt es weitere Beispiele und Führer wisse von weiteren Feuerwehr-Familien in Bomlitz, Munster und Oerrel.

Von Lisa Hustedt

Das Auto überlebte das Feuer nicht.
Eine dunkle Rauchsäule stieg von dem brennenden Wagen auf.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Fünf wirklich außergewöhnliche Erlebnistouren

Fünf wirklich außergewöhnliche Erlebnistouren

Dominikanische Republik: Der bunte Hund von Cabarete

Dominikanische Republik: Der bunte Hund von Cabarete

So fährt es sich im Ford Mach-E

So fährt es sich im Ford Mach-E

Desserts mit Gemüse zubereiten

Desserts mit Gemüse zubereiten

Meistgelesene Artikel

Plötzlich von Grün auf Rot

Plötzlich von Grün auf Rot

Plötzlich von Grün auf Rot
Erixx lässt Rolli-Fahrer in Walsrode stehen

Erixx lässt Rolli-Fahrer in Walsrode stehen

Erixx lässt Rolli-Fahrer in Walsrode stehen
Eine kleine Reise zurück in Urgroßvaters Zeiten

Eine kleine Reise zurück in Urgroßvaters Zeiten

Eine kleine Reise zurück in Urgroßvaters Zeiten

Inzidenzwert bei bei 115,9

Inzidenzwert bei bei 115,9

Kommentare