Heidekreis-Klinikum stellt neues Gesamtkonzept vor / Politik ist am Zug

Gelände in Bad Fallingbostel ist Favorit

Informierten über den aktuellen Stand des zentralen Krankenhausneubaus im Heidekreis: Experten aus dem Heidekreis-Klinikum, Projektplaner sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung. Deutlich wurde, dass die Zeit drängt. Fotos: Müller

Walsrode – Der zentrale Neubau des Heidekreis-Klinikums soll voraussichtlich in Bad Fallingbostel an der B 209 entstehen. Das wurde gestern in einem Pressegespräch mit Vertretern von Krankenhaus, Politik sowie diversen Experten im Gesundheitszentrum Walsrode deutlich.

Ursprünglich waren sieben mögliche Standorte für das neue 376-Betten-Haus (einschließlich 31 tagesklinischer Betten) genannt worden. Diese wurden in einem zweiten Schritt über das Raumordnungsverfahren (ROV) betrachtet und die Eigentümer hinsichtlich ihrer Verkaufsabsichten befragt. Georg von Luckwald vom beauftragten Landschafts-Architekturbüro: „Im Ergebnis sind vier Grundstücksoptionen übrig geblieben: bei Soltau, Dorfmark, Bad Fallingbostel und Walsrode.“ Bei dreien der ursprünglichen sieben Bereiche hätten die Besitzer einen Verkauf kategorisch ausgeschlossen.

Der Standort in Bad Fallingbostel sei vor allem wegen der zentralen Erreichbarkeit favorisiert worden, so von Luckwald. Das Grundstück bei Bad Fallingbostel liege autobahnnah und sei über zwei Straßen zu erreichen. Dadurch könnten bis zu 185 000 Einwohner aus dem Heidekreis und den umliegenden Kreisen den Standort innerhalb der vorgegebenen Richtzeit für die Grund- und Regelversorgung (maximal 30 Minuten) erreichen. Der Versorgungsbedarf an möglichen stationären Krankenhausfällen innerhalb des 30-Minuten-Einzugsgebietes sei für diesen Standort mit etwa 45 000 ebenfalls am höchsten. Im Vergleich dazu erschließe der Walsroder Standort einen Einzugsbereich von knapp 156 000 Einwohnern und das statistisch berechnete Fallpotenzial liege bei circa 37 000 Fällen.

Landrat Manfred Ostermann verdeutlichte, wie wichtig es für alle Bürger sei, ein zentrales Krankenhaus für den Landkreis zu erhalten. Wie Dr. Achim Rogge, Geschäftsführer des Heidekreis-Klinikums, appellierte er an alle Verantwortlichen, das Nord-Süd-Denken im Heidekreis zu verdrängen und zu einer Entscheidung zu kommen. „Wenn der Kreistag im Juli nicht eine Standort-Entscheidung fällt, können wir die zugesagte finanzielle Förderung des Landes ein für alle Mal vergessen“, so Ostermann. Und ob sich der Landkreis in Zukunft leisten könne, jedes Jahr zehn Millionen Euro an Zuschüssen zu geben, sei fraglich.

Die Gesundheitsversorgung im Heidekreis stehe, so Rogge, heute vor anderen Herausforderungen als noch vor einigen Jahren. Das Heidekreis-Klinikum erwirtschafte in seiner jetzigen Form mit zwei Standorten große Defizite, die der Landkreis als Gesellschafter bislang zu tragen bereit sei. Alle Mitarbeiter im Heidekreis-Klinikum arbeiteten hoch motiviert, um bestmögliche Gesundheitsleistungen anzubieten und die Defizite auf ein Minimum senken. Dies sei dem Klinikum 2019 in einem ersten Schritt gelungen. Das Defizit sei um drei Millionen gesenkt worden. Rogge: „Auch in den kommenden Jahren können über das Sanierungskonzept weitere Defizitsenkungen eintreten, ein Rückgang auf eine schwarze Null ist jedoch nicht erreichbar.“ Deswegen habe das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung im Februar 2018 Signale Richtung Gesamtklinikum in einem Neubau gesetzt. Seitdem liefen Verfahren, die den Bezug Mitte 2026 zum Ziel hätten.

Um die Gesundheitsversorgung im Landkreis langfristig zu sichern, sei ein Konzept notwendig. Zu diesem gehöre laut Rogge eine stationäre Versorgung in einem modernen Gesamtklinikum an einem für die Mehrheit der Heidekreisbewohner gut erreichbaren Ort. Außerdem würden ausgebaute ambulante Angebote in den Medizinischen Versorgungszentren in Soltau und Walsrode benötigt. „Mit neuen Angeboten zur stationären Dauer- und Kurzzeitpflege in den Altstandorten sehen wir den Landkreis zukunftssicher aufgestellt“, so Rogge. „Beide Altstandorte können für den schnell wachsenden Bedarf in der Altenpflege gut genutzt werden.“ Der Landkreis werde dort weiterhin Gesundheitsleistungen anbieten, Arbeitsplätze binden sowie neue schaffen.

Im Rahmen der Neubauplanungen arbeitet das Klinikum mit dem auf Krankenhausbauten spezialisierten Beratungsunternehmen Archimeda zusammen. Dr. Hartwig Jaeger, Geschäftsführer von Archimeda, erzählte, dass sich das Betriebsorganisationskonzept (BO-Konzept) damit befasse, wo und wie alle Bereiche im Neubau angeordnet seien. Rogge: „Wir können uns vorstellen, Deutschlands erstes Krankenhaus mit ausschließlich Einbettzimmern zu werden. Untersuchungsabläufe, Privatsphäre und Datenschutz lassen sich dadurch deutlich besser als bisher gestalten.“ Zudem wäre die Infektionsübertragung erschwert.

Fördermittel können nur für ein Projekt mit einer konkreten Planung beim Land beantragt werden. Nächster Schritt bei der Beantragung ist die Abgabe der Haushaltsunterlage Bau (HU-Bau) Ende des dritten Quartals 2021. Aufsichtsratsvorsitzender Hermann Norden: „Es ist Vorgabe des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, zuerst das Grundstück dinglich zu sichern und dann den Architektenwettbewerb zu starten. Um den Zeitrahmen für den Wettbewerb und die Erarbeitung der HU-Bau einhalten zu können, erfordert es die dingliche Sicherung des Baugrundstückes bis Juli.“ Der Kauf erfolge erst mit dem positiven Fördermittelbescheid.  mü

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