Vortrag in Walsrode

Diese Wirtschaftsjournalistin legt sich fest: „Finanzkrise steht bevor“

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Referentin Ulrike Herrmann mit Charly Braun

Walsrode - „Deutschland ist eine der größten Steueroasen geworden. Wir brauchen unbedingt eine Digitalsteuer und wir brauchen eine ausgeglichene Handelsbilanz, damit das Gleichgewicht in der Gesellschaft wieder hergestellt wird.“ Es war ein interessanter und von Emotionen begleiteter Vortrag, den Ulrike Herrmann, Autorin zweier Fachbücher über die Entwicklung des Kapitalismus im Vortragsraum der Volkshochschule Walsrode hielt.

Veranstalter waren der Deutsche Gewerkschaftsbund in Kooperation mit der Partei „Die Linke“, der NGG, ver.di, der GEW und der Volkshochschule. DGB-Kreisvorsitzender Charly Braun eröffnete den Abend mit einer kurzen Einführung in das nicht einfache Thema. Nach dem einstündigen Vortrag der Referentin entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit den 40 Besuchern.

Die Wirtschaftsjournalistin referierte zu dem Themenbereich, den sie auch in ihren Büchern „Der Weg des Kapitalismus“ und „Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung – Was wir heute von Adam Smith, Karl Marx und John Maynard Keynes lernen können“ behandelt. Die führenden Ökonomen ihrer Zeit seien mit ihren Anschauungen heute noch präsent und damals schon große Denker und Lenker gewesen. Die heutige Entwicklung mit den Großbetrieben, die den Markt beherrschen, hätten sie jedoch nicht voraussehen können, so Herrmann.

Mehr als 400.000 Studierende der Wirtschaftswissenschaften lernten der Journalistin zufolge heute die falsche Theorie. Die neoklassische Wirtschaftstheorie, die überwiegend an den Universitäten gelehrt werde, sei für sie völlig realitätsfern. „Wir kehren mit dieser Theorie über 80 Jahre zurück.“

Marx, Smith und Keynes fehlen im Wirtschafts-Kanon

Ignoriert würden die für viele nicht bekannten Theoretiker, wie zum Beispiel der Brite Adam Smith, Karl Marx, der die Technik des Kapitalismus zum ersten Mal erlebte und viele wichtige Hinweise in seinem Buch „Das Kapital“ veröffentlichte, und John Maynard Keynes, der das Thema Geld ins Spiel brachte. Ein Engländer, der in Cambridge als Sohn reicher Eltern aufwuchs, an allen Ecken und Enden spekulierte und erkannte, dass die weltweiten Finanzmärkte lahmzulegen seien.

Die genannten drei Experten lieferten überraschend aktuelle Erklärungsmuster für die Probleme von heute, so etwa für die Eurokrise, erzählte Herrmann dem Publikum. Die Krise ist nach Ansicht der Berliner Journalistin nur durch die Streichung von Schulden in Bedrängnis geratener Staaten wie Griechenland zu lösen.

„Die nächste Finanzkrise wird kommen“, sagte die Wirtschaftsjournalistin in Walsrode voraus. Sie mahnte, keinen Exportüberschuss zu erwirtschaften, sagte, dass eine ausgeglichene Bilanz vernünftiger sei als der Schrei nach großen nationalen Gewinnen. Hermann sieht die Dominanz der Großunternehmen, die die Kleinen vergessen lassen, den Kapitalismus in Reinkultur, mit einer ewig gestrigen Theorie einhergehen. „Es geht nur um das Einkommen, nicht um das Vermögen.“ „Den Schaden haben wir alle“, so die Referentin. 

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