Leben gegen Leben

Ferdinand von Schirachs „Terror“ fordert Zuschauerbeteiligung

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Schuldig oder nicht schuldig: Wie wird das Publikum entscheiden?

Walsrode - Was ist der wesentliche Unterschied zwischen Theater und Kino? Richtig: Theater ist live, und die Zuschauer beeinflussen die Aktionen auf der Bühne. Ferdinand von Schirachs Schauspiel „Terror“ geht sogar noch einen Schritt weiter: Hier darf das Publikum darüber abstimmen, welches Ende das Stück haben wird. Wie diese spannende Geschichte ausgeht, können Zuschauer am Sonntag, 8. Oktober, ab 20 Uhr, in der Stadthalle Walsrode erleben oder mitbestimmen.

Und das geht so: Der ehemalige Strafverteidiger von Schirach, der unter anderem durch seine Kriminalerzählungen „Verbrechen“ (2009) und „Schuld“ (2010) – als TV-Serien regelrechte Straßenfeger – zur literarischen Entdeckung wurde, wählt für sein mit Spannung erwartetes erstes Theaterstück eines der weltweit beliebtesten und faszinierendsten Theatergenres: die Gerichtsverhandlung.

Auf der Anklagebank sitzt ein junger Kampfjetpilot der Bundeswehr. Entgegen der Befehle seiner Vorgesetzten und der in diesem Fall geltenden Rechtsbestimmungen hat er einen mit 164 Menschen besetzten Airbus abgeschossen, den Terroristen mit dem Ziel gekapert hatten, ihn in einem mit 70.000 Menschen bevölkertem Fußballstadion abstürzen zu lassen.

TriBuehne hat zwei Varianten des Stücks eingeübt

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung legen anhand überzeugend formulierter Argumente und spannender Zeugenbefragungen dar, warum der Pilot schuldig beziehungsweise nicht schuldig zu sprechen wäre.

Dann darf das Publikum wie bei einem Schöffengericht abstimmen: Entscheidet sich die Mehrheit für „schuldig“, muss sich der Angeklagte wegen 164-fachen Mordes verantworten, einigt man sich aber auf „nicht schuldig“, spielt das Ensemble die Freispruch-Variante. In seinem Stück „Terror“ stellt Ferdinand von Schirach die brisante Frage nach der im Grundgesetz garantierten Würde und der moralischen Verantwortung des Menschen: Darf Leben gegen Leben, gleich in welcher Zahl, aufgewogen werden? Diese Frage muss jeder Zuschauer für sich allein beantworten und ist somit automatisch mittendrin in der Diskussion um gesellschaftspolitische, moralische und ethische Wertvorstellungen.

Diese Euro-Studio-Landgraf-Produktion inszenierte Regisseur Thomas Goritzki. Bühnenbild und Kostüme entwarf Heiko Mönnich. Es spielen neben dem TV-Star Johannes Brandrup die Schauspieler Christian Meyer, Christoph Schlemmer, Annett Kruschke, Peter Donath und Tina Rottensteiner.

Vorverkaufstellen sind der Kulturverein TriBuehne, Telefon 01522/9462061, die Tourist-Information Walsrode, 05161/7897482, und die Buchhandlung Taufeisen, 05162/5983.

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