Familie Baars: Apfel-Experten aus Schneeheide laden für den 4. Oktober ein

Insekten statt Chemie

Momentan können Frank Baars und Anke Eitzmann-Baars die Früchte an ihren Apfelbäumen noch zählen.
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Momentan können Frank Baars und Anke Eitzmann-Baars die Früchte an ihren Apfelbäumen noch zählen.

Schneeheide - Als Familie Baars 2006 von Düshorn auf ein Gehöft nach Schneeheide zog, entdeckte sie zwar keine wertvollen Dinge auf dem Dachboden, aber fand trotzdem einen Schatz: alte Apfelbäume. Grundlage für eine der schönsten Streuobstwiesen Niedersachsens.

Etwa 50 Jahre war das Gelände des alten Resthofes in Schneeheide nicht bewirtschaftet worden. Frank Baars, seine Frau Anke Eitzmann-Baars und die Söhne Laurenz und Justus hatten alle Hände voll zu tun, um das Gelände auf Vordermann zu bringen. Dabei kamen vier alte Apfelbäume, voll mit Früchten, sowie drei Zwetschen-, ein Birn- und ein Kirschbaum zum Vorschein. Die Familie nahm sich die Zeit, die Äpfel zu pflücken und sie zur Mosterei zu bringen. Sie erhielten 420 Liter Saft. Von da an war die Familie von einem Apfelvirus befallen.

„Wir hatten bereits in Düshorn eine Obstbaumreihe als Windschutz angelegt und gepflegt“, sagt Frank Baars, der deshalb bereits Kenntnisse in Sachen Apfelbaumpflege vorweisen konnte. Nach dem Einzug ins neue Heim reifte der Entschluss, eine Streuobstwiese anzulegen.

Nach der Genehmigung des Landkreises für die Nutzungsänderung der Ackerfläche ging es los: 153 Apfelbäume, insgesamt 72, darunter fast vergessene Sorten, wurden im November 2009 in die Erde gebracht. „Diese Vielfalt war uns wichtig“, erklärt Anke Eitzmann-Baars. Fachlichen Rat bekam die Familie von Eckart Brandt, aus Funk und Fernsehen bekannter Apfelanbauer aus Großenwörden, der sich für den Erhalt alter Sorten einsetzt. In Schneeheide gedeihen jetzt Sorten wie der Dithmarscher Paradiesapfel, Grafensteiner, Kaiser Wilhelm, Finkenwarder Herbstprinz oder grüner und roter Boskop.

Der Sortenreichtum und der Verzicht auf Chemie machen eine Streuobstwiese aus. Familie Baars baut auf tausende fleißige Mitarbeiter, die ungebetene Gäste fernhalten, unter anderem Insekten und Vögel. „Wir haben für Nistkästen gesorgt sowie Greifvogelstangen und Kautzröhren aufgestellt. Raubvögel fangen zum Beispiel die Mäuse, die gerne an den Baumwurzeln buddeln“, erklärt Frank Baars. Komplettiert wird die Streuobstwiesen-Belegschaft durch sieben Bienenvölker. Dieser natürliche Mikrokosmos bescherte Familie Baars 2013 nicht nur das Siegel „Bio-Betrieb“; im selben Jahr wurde die Schneeheider Streuobstwiese vom BUND zu einer der schönsten Anlagen Niedersachsens erklärt.

Lediglich die Ausbeute lässt noch auf sich warten. „Momentan können wir die Äpfel an den Bäumen noch zählen, aber es werden von Jahr zu Jahr mehr“, sagt Anke Eitzmann-Baars. Die Hände legen sie und ihr Mann nicht in den Schoß. Neben der Pflege der Wiese müssen die Bäume regelmäßig geschnitten werden. Auch in diesem Punkt ist Frank Baars mittlerweile ein Experte. Er hat mehrere Lehrgänge absolviert und beabsichtigt, bald selber Kurse anzubieten. Beruflich in einer Verdener Maschinenbaufirma tätig, ist das Apfelanbauer-Dasein für ihn ein willkommener Ausgleich.

Anke Eitzmann-Baars bringt ihre Apfel-Kenntnisse auch beruflich ein. Als Erzieherin im Waldkindergarten war sie bereits häufig mit ihrer Gruppe auf dem heimischen Areal unterwegs. Außerdem absolviert sie eine Ausbildung zur Streuobstwiesen-Pädagogin.

Bei allem Einsatz für die Natur und für die Erhaltung alter Apfelsorten werden Frank Baars und Anke Eitzmann-Baars noch von einem weiteren Motor angetrieben: Sie essen einfach gerne Äpfel.

Familie Baars in Schneeheide, Hausnummer 45, möchte am Sonnabend, 4. Oktober, von 11 bis 18 Uhr, ein Streuobstwiesenfest feiern. 22 Aussteller werden mit von der Partie sein, so zum Beispiel „Apfelpapst“ Eckart Brandt aus dem Alten Land und Imker Uwe Rosenhagen. Außerdem gibt es Bio-Produkte, Körbe, Edles aus Holz, handgefertigte Messer, Kränze, Antikes, Metallkunst, Obstbrände und Feuerkörbe. Wolfgang Winter zeigt den Umgang mit der Sense, während Martin Ahrens über Seil- und Klettertechnik informiert. Die neue Heidekreis-Gruppe des BUND zeigt, wie Äpfel von Hand gemostet werden, während der Waldkindergarten zu Apfelpunsch einlädt. Die Pomologin Sabine Fortak steht für Apfelbestimmungen zur Verfügung, und Sabine Washof vom BUND Niedersachsen informiert über die Kampagne „Streuobstwiesen blühen auf“.

Der Eintritt zum Fest, das von der Niedersächsischen Bingo-Stiftung finanziell unterstützt wird, ist frei. Parkplätze sind vorhanden. Der Weg zum Hof Baars wird ausgeschildert.

mf

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