Menschlichkeit trotz Digitalisierung 

Fachforum Hauswirtschaft der Landwirtschaftskammer in Stadthalle Walsrode

Mehr als 300 Gäste füllten die Stadthalle bis auf den letzten Platz, als zum Forum Hauswirtschaft eingeladen wurde. - Foto: Müller

Walsrode - Hervorragende hauswirtschaftliche Dienstleistungen sind in der Regel das Ergebnis von ebensolcher Teamarbeit – und modernste Technik kann den Menschen mit seinem Fachwissen und seiner passgenauen Arbeit im Dienste des Kunden nicht vollständig ersetzen. So lautet ein Fazit des zweiten Fachforums Hauswirtschaft der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in der Stadthalle Walsrode.

Zu den rund 300 Besuchern gehörten hauswirtschaftliche Fach- und Führungskräfte, zum Beispiel aus Senioreneinrichtungen, Kliniken, landwirtschaftlichen Betrieben, Kantinen und Reinigungsfirmen, sowie Auszubildende, Lehrkräfte und Verbandsvertreter aus ganz Niedersachsen.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWKN) ist für den Beruf Hauswirtschafter in der Ausbildungsberatung aktiv, überwacht die ordnungsgemäße Ausbildung, entwickelt in Zusammenarbeit mit anderen Bildungsträgern Lehrgänge, bietet Meisterkurse an und ist als Prüfungsorganisation tätig. Der Bedarf an Nachwuchs ist groß: „Im Harz, im Wendland, in Ostfriesland und in der Lüneburger Heide herrscht schon jetzt ein Mangel an hauswirtschaftlichen Fachkräften“, berichtete Hermann Hermeling, Vizepräsident der LWKN. „Für die Bevölkerung vor Ort bedeutet dies einen Engpass bei der Betreuung und Versorgung etwa in Seniorenheimen und Kindertagesstätten.“

In Privathaushalten gebe es eine zunehmende Nachfrage nach hauswirtschaftlichen Dienstleistungen zur Entlastung der berufstätigen Haushaltsmitglieder. Und die wachsende Zahl von Seniorenhaushalten mit erhöhtem Versorgungs- und Betreuungsbedarf sowie mehr Außer-Haus-Verpflegungsangebote und Reinigungsdienstleistungen ließen die Bedeutung des Berufes wachsen, so Hermeling.

In der Hauswirtschaft, deren Arbeitsplätze unter hohem Kosten- und Leistungsdruck ständen, werde die Digitalisierung künftig eine stärkere Rolle spielen, erklärte Referent Thorsten Kretzschmar, Großküchen-Fachplaner des Büros Hertwig + Kretzschmar aus Hannover. Die Digitalisierung gestatte die zeitunabhängige Automatisierung von Arbeitsprozessen und erleichtere die gesetzlich geforderte Dokumentation. „Das Steuern von Kühlvitrinen und Kühlzellen von einem einzigen Terminal aus stellt noch die leichteste Übung der digitalen Welt dar“, so Kretzschmar.

Dennoch, so waren sich viele Besucher einig, könne moderne Technik nicht das menschliche Fachwissen ersetzen.

Neben dem planvollen Einsatz von Betriebs- und Lebensmitteln – beides kann Kosten und Arbeitsaufwand mindern – war die Gesundheit der Beschäftigten ein Thema. So gehe es darum, Ideen zur Arbeitsorganisation zu entwickeln, um alternde Mitarbeiter mit ihrer Erfahrung so lange wie möglich an das Unternehmen zu binden, sagte Gesundheitsmanagement-Expertin Dr. Ulrike Günther. Dies gelte insbesondere dann, „wenn der Nachwuchs schwerer zu finden ist“. - mü

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