Prozess um sexuellen Missbrauch eines Kindes

Experte sieht volle Schuldfähigkeit

Heidekreis/Verden - In dem Verdener Landgerichtsprozess um den mehrfachen schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes im Heidekreis wird am Mittwoch das Urteil verkündet. Zu Beginn der mehrere Jahre zurückliegenden Taten war das Mädchen erst elf Jahre alt.

Sechs Jahre und zwei Monate Haft hat Erste Staatsanwältin Regina Steinebach gestern beantragt. Der 29 Jahre alte Angeklagte aus Sohren in Rheinland-Pfalz war zum Tatzeitpunkt der Lebensgefährte der Kindsmutter.

Sachverständiger sieht Voraussetzungen für Erziehungsanstalt als nicht gegeben an

Dem Angeklagten war zu Prozessbeginn ein Strafrahmen von fünf Jahren und elf Monaten, bis sechseinhalb Jahre zugesagt worden. Im Gegenzug hatte er ein umfassendes Geständnis abgelegt und damit dem Opfer die Aussage vor Gericht erspart. Rechtsanwältin Ines Landwehr vertritt das Mädchen in der Nebenklage und schloss sich dem Antrag der Staatsanwältin an.

Verteidiger Achim Groepper hält es für ausreichend, an der Untergrenze des zugesagten Strafrahmens zu bleiben. Zudem beantragte er die Unterbringung seines Mandanten in einer Entziehungsanstalt. Der psychiatrische Sachverständige Dr. Ralf Werner sieht jedoch die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Unterbringung als nicht erfüllt an.

Der Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie war aus Bingen am Rhein angereist. Er hatte den Angeklagten bereits in einem anderen Verfahren, in dem es um den Besitz von Betäubungsmitteln geht, begutachtet. Zu beurteilen hatte er im aktuellen Fall die Frage der Schuldfähigkeit, die zu seiner Überzeugung uneingeschränkt vorhanden war.

Angenehm kritisch zeigte sich der Sachverständige bei der Befragung des Angeklagten am Dienstag und in seinem Bericht. Die Taten liegen mehrere Jahre zurück. Die Angaben des 29-Jährigen zu seinem damaligen Drogen- und Alkoholkonsum hält er für unglaubwürdig. „Das wären 250 bis 300 Euro in der Woche gewesen“, so Werner. „Ich glaube durchaus, dass er konsumiert“, erklärte der Sachverständige. „Er ist aber auch nicht der Checker, der draußen rumläuft und dealt.“ Vor allem sei der Konsum nicht verantwortlich für die Sexualstraftaten.

Mittelmäßiges Potenzial zur Wiederholung

Der Angeklagte ist selber als Kind von seinem Stiefvater sexuell missbraucht worden. Da war er etwa so alt wie sein späteres Opfer. Der Stiefvater wurde später zu einer Haftstrafe verurteilt.

Der Sachverständige hält den Angeklagten für traumatisiert, aber der Leidensdruck sei nicht so groß gewesen, dass sich der Angeklagte in Therapie begeben hätte. „Ein Mensch der 23, 24 Jahre alt ist, früher zum Opfer geworden ist und dann selbst solche Straftaten begeht, hat ein Empathie-Defizit“, so Werner. Der Sachverständige sieht ein mittelmäßiges Potenzial zur Wiederholung seiner Straftaten. Dies lasse sich in diesem Fall durch Maßnahmen wie Arbeit und Selbsthilfegruppen reduzieren. Doch zunächst steht die Inhaftierung an, wie lange, wird sich Mittwoch entscheiden.

wb

Rubriklistenbild: © dpa

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