Walsroder Verein schafft an der Moorstraße ein Domizil für Kreative

Ein Ort für jede Art von Kunst

Hingehen und wohlfühlen: Das Haus an der Walsroder Moorstraße 17 soll ein Treffpunkt für alle werden.
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Hingehen und wohlfühlen: Das Haus an der Walsroder Moorstraße 17 soll ein Treffpunkt für alle werden.

Walsrode – Die Kunst hat wohl unzählige Facetten. Und jeder definiert diesen Begriff ganz alleine für sich. Gibt es dabei ein Falsch und ein Richtig? Sicher nicht. Dieser Meinung sind auch Herbert Wolter und Sandra Diederich vom Walsroder Verein „Der KunstRaum“. Zusammen mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern möchten es die beiden allen Menschen ermöglichen, Kunst zu machen. Dafür wird in der Moorstraße 17 gerade ein Domizil geschaffen, in dem sich jedermann auf unterschiedlichste Art und Weise künstlerisch betätigen kann. Und bei Weitem nicht nur das.

In dem altehrwürdigen dreistöckigen Gebäude in der Moorstraße 17 wurde und wird fleißig gearbeitet. Ein wenig renovieren, Teppiche und eventuelle Stolperfallen entfernen, putzen – all das steht momentan beim Kunstverein auf der Agenda. Und in einigen Räumen lässt sich schon sehr gut erkennen, was einmal darin passieren soll.

So stehen in einem hellen, großen Zimmer einige Staffeleien, in einem anderen warten diverse Musikinstrumente darauf, benutzt zu werden. „Eigentlich sind wir so gut wie startklar. Die Küche muss noch eingebaut werden“, sagen Sandra Diederich und Herbert Wolter, die es sich bei einer Tasse Kaffee gemütlich gemacht haben. „Seit 15 Jahren wollen wir einen Raum haben, und jetzt haben wir einen bekommen“, lächelt Herbert Wolter. Zu verdanken ist das Frau Lange, der das Gebäude einst gehörte. Bereits vor zwei Jahren hatte die alte Dame dem Kunstverein das Gebäude für das Projekt „Utopia Walsrode“ überlassen.

„Im Erdgeschoss sind wir allerdings nur geduldet. Dort sollte ein Büro einziehen“, weiß Sandra Diederich, die sich über zahlreiche Unterstützer freuen kann. So leistete die Stiftung der Kreissparkasse einen Beitrag für die Grundausstattung des Kunsthauses, die Stadtwerke Böhmetal kommen dem Verein in Sachen Energiekosten entgegen. „Außerdem hat Bürgermeisterin Helma Spöring immer offene Ohren für uns“, so die beiden Künstler.

Drei Jahre sind beileibe keine Ewigkeit. „Aber diese Zeit wollen wir nutzen, um den Verein nach vorne zu bringen und dann hoffentlich eine neue Bleibe zu finden“, so Sandra Diederich. Dass das recht kleine Haus Moorstraße 17 keine Dauerlösung sein kann, wird spätestens deutlich, wenn man sich auf den Weg in die zwei oberen Etagen macht. Der führt nämlich über zwei ziemlich enge und steile Treppen. „Barrierefrei sind wir leider nicht“, bedauert Herbert Wolter, der schon ganz genaue Vorstellungen hat, was in dem Haus und dessen Hof einmal passieren soll. Das Motto: alles kann, nichts muss.

So sollen jeder und jede an drei bis vier Tagen pro Woche die Möglichkeit haben, sich in den Räumen künstlerisch frei zu entfalten. Grenzen gibt es dabei kaum. Malerei in ihren unterschiedlichsten Facetten, Tiffany-Glaskunst, Arbeiten mit Ton, Bildhauerei, Musik, Modellieren und vieles mehr – wer will, der kann. „Es ist ein offenes Atelier, ein Ort zum Kunstmachen, weil man Kunst machen möchte“, lächelt Herbert Wolter. „Die Leute sollen kommen und sich wohlfühlen“, fügt Sandra Diederich ergänzend hinzu.

Zum Einen sollen die Menschen frei, also nach eigenem Geschmack, aktiv werden. Zum Anderen soll es aber auch Workshops unter der Leitung von Fachleuten geben. An Ideen mangelt es jedenfalls nicht. Das wird auch an einer Wand deutlich, auf der mögliche Angebote schriftlich festgehalten wurden. Straßenbilder, Maskenbau, Handyfotos und Ton-Meditation, also Modellieren mit verbunden Augen, ist dort zu lesen.

Immens wichtig ist den Initiatoren auch, dass in dem Haus Menschen unterschiedlichster Couleur zusammenkommen. „Kunst ist immer auch Begegnung. Alt und Jung, mit und ohne Behinderung, mit und ohne Migrationshintergrund – einfach jeder ist eingeladen, mitzumachen und sich einzubringen“, öffnet Herbert Wolter die Türen und fügt hinzu: „Es wird spannend werden, was in dem Haus letztlich alles entstehen wird. Das ganze Projekt soll sich entwickeln, es soll und wird stetig wachsen“.

Das gilt auch für das Gebäude als Veranstaltungsort. „Wir haben durchaus Platz für Ausstellungen“, so Sandra Diederich, die auch auf den großen Raum unterm Dach hinweist – ein kleines Schmuckstück mit altem Holzgebälk und Kamin. Ein wenig Renovierungsarbeit und ein Besuch vom Schornsteinfeger sind noch nötig, dann könnten in diesem Raum wunderbar kleine Konzerte oder Lesungen stattfinden.

Völlig ohne Geld funktioniert das Ganze selbstverständlich nicht. Zum Beispiel müssen Materialien und Dozenten bezahlt werden. Aus diesem Grunde hofft man unter anderem auf Fördermittel vom Land Niedersachsen, von der „Aktion Mensch“ sowie auf Spenderinnen und Spender, die Geld oder Sachen zur Verfügung stellen. „Wir bekommen zum Beispiel demnächst ein Klavier geschenkt“, freut sich Sandra Diederich.

Dank der Initiative eines Schülers wurden dem Verein kürzlich zudem 70 ausrangierte Stühle vom Walsroder Gymnasium vermittelt. „Im Gegenzug dafür darf der Elternverein nach der Coronazeit im Kunsthaus aktiv werden. Auch diese Abmachung ist ja bereits eine Art der Begegnung“, lacht Herbert Wolter. Weitere Einnahmequellen des Vereins sind eventuelle Kursgebühren sowie die Mitgliedsbeiträge. 50 Euro pro Jahr kostet die Mitgliedschaft im Kunstverein. Aber auch in diesem Punkt winken Sandra Diederich und Herbert Wolter ganz im Sinne der Kunst und der Begegnungen ab. „Grundsätzlich wollen wir jedem ermöglichen, bei uns aktiv zu werden. Wenn jemand kein Geld hat, werden wir schon einen Weg finden. Und man muss auch kein Mitglied sein, um bei uns mitzumachen“, sind sich die zwei einig.

Läuft alles nach Plan, sollen sich die Türen des Walsroder Kunstraumes im Frühjahr weit öffnen – vorausgesetzt, die Corona-Pandemie lässt es zu. „Dann wird es sicher auch ein kleines Fest geben“, fiebern die Kulturschaffenden dem Start schon jetzt entgegen.

Kontakt

Wer den Kunstverein Walsrode „Der KunstRaum“ mit Geld- oder Sachspenden unterstützen oder Fragen loswerden möchte, kann sich bei Sandra Diederich melden: Telefon 0174 / 3955371, E-Mail kunstverein-walsrode@gmx.de.

Von Michael Fischer

Herbert Wolter und Sandra Diederich sind derzeit damit beschäftigt, das Haus an der Moorstraße herzurichten. Läuft alles nach Plan, sollen sich die Türen im Frühjahr öffnen.
Malerei ist ebenfalls im Angebot – ob alleine oder im Workshop. Der entsprechende großen Raum dafür ist bereits fertig.

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