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Ein kleines Paradies auf Erden: Nutztier-Arche in Schneeheide

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Ein Mann (links) und eine Frau (rechts) in einem Gebäude.
Simone und Boris Boenke betreiben die Nutztier-Arche. © -

Mit dem von Simone und Boris Boenke geführten Beckers Hof ist in Schneeheide ein Paradies entstanden. Der Betrieb war einmal ein Bauernhof, hat sich jedoch in den vergangenen Jahren völlig umgestellt. Das Ehepaar betreibt dort eine Nutztier-Arche.

Schneeheide - Die Nutztier-Arche wird sich am Sonntag, 19. Juni, mit einigen Aktionen am landesweiten Tag des Hofes beteiligen. „Wir werden einen Schafscherer bei uns haben, der unsere Moorschnucken vom dichten Fell befreien wird.“ Das Spinnrad wird sich drehen und der Hand- und Spanndienst aus Jettebruch zeigt alte Ackergeräte. Mutter Barbara wird aus dem Hofladen selbst hergestellte Marmelade anbieten, und Schwiegersohn Boris, ein Bäckermeister, backt frischen Butterkuchen und Holzofenbrot.

Nachdem sich Boris entschieden hatte, seine Bäckerei in Walsrode nicht weiter zu führen und als Bäcker nach Nordkampen zu gehen, begeisterte er sich schnell für die Idee seiner Frau, nach Schneeheide zu ziehen und mit ihr eine Tier-Arche zu gründen. Die 42-jährige Simone Boenke ist gelernte Gärtnerin. „Das Leben hat für uns einen ganz anderen Sinn bekommen“, sagen die beiden. Nach der Arbeit ist vor der Arbeit: Wenn die beiden nach Hause kommen, haben die Tiere das Vorrecht vor allem anderen. Vater Bernhard und Mutter Barbara helfen tüchtig mit.

Auf Beckers Hof leben Tiere vieler Arten, die vom Aussterben bedroht sind: die Tarpan-Pferde beispielsweise, die ihr neues Leben auf dem frischen Gras der Weide gleich nebenan finden, und Klätschertauben, die geräuschvoll durch die Luft fliegen. Feriengäste aus vielen Ländern Europas steuern den einsamen Hof am Vehmsmoor an. Zahlreiche seltene Hühnerarten tauchen auf. Da sind die Moorschnucken oder die Krainer Steinschafe, die es schon zu Ötzis Zeiten gegeben haben soll.

„Wir wollen seltene Tiere erhalten, aber auch vermarkten“, sagt Boris Boenke. Die Arche sei ein Hobby für die gesamte Familie. „Geld kannst du damit nicht großartig verdienen, obwohl wir das gute Schaffleisch verkaufen, täglich frische Eier, selbst gemachte Marmeladen und einiges andere mehr. Unsere Campinggäste nehmen gern etwas von unserem Hof mit.“

Die Nutztierarche sei für sie eine Zuchtstätte für Rassen, die vom Aussterben bedroht seien, erzählt der 47-Jährige. „Unser Anliegen ist die Erhaltung alter und gefährdeter Rassen als kulturelles Erbe und als genetische Reserve. Vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen müssen wieder bekannt werden. Vor allen Dingen müssen ihre Produkte wieder gefragt sein.“

Man züchte die Tiere mit dem Bestreben, traditionelle Nutztiere nicht als Museums- und Ausstellungstiere zu erhalten, sondern Perspektiven zu entwickeln, um ihnen einen Platz in einer lebendigen Landwirtschaft zurückzugeben.

Es möge widersprüchlich klingen, so der Schneeheider, dass jeder, der genussvoll ein Kotelett vom Bunten Bentheimer Schwein verzehre oder ein Ei vom Vorwerkhuhn verbrauche, aktiv dazu beitrage, die gefährdeten alten Tierrassen zu erhalten. Durch steigende Nachfrage nach Produkten von gefährdeten Haustierrassen ist die Haltung und Zucht dieser Tiere wieder für mehr Züchter lukrativ und der Bestand wird gesichert.  mü

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