Neue Äbtissin möchte mehr mit den Menschen zusammensein

Ein eigener Ort mitten in Walsrode

Äbtissin Eva Gräfin von Westerholt mit Klosterkammer-Präsident Hans-Christian Biallas.

Walsrode – Es soll nicht alles anders werden im Kloster Walsrode. Die neue Äbtissin Dr. Eva Gräfin von Westerholt stellte sich in einem Pressegespräch vor, an dem auch einige Bürger teilnahmen. Im Klosterkammer-Präsidenten Hans-Christian Biallas aus Hannover hatte sie einen hervorragenden Redepartner an ihrer Seite. Die Äbtissin wird im Rahmen einer Feierstunde im Mai offiziell in ihr Amt eingeführt.

Die 60-Jährige wurde von den Konventualinnen des Damenstifts zur neuen Äbtissin gewählt und möchte eigentlich nur „Frau von Westerholt“ genannt werden. Gerne würde sie neue Ideen in das Leben des ältesten der sechs Lüneburger Klöster einbringen. Aber „ganz leise“ und „erst einmal über einige Monate schauen, zuhören, reden und Kontakte sammeln“. Jede Woche möchte sie sich mit den acht Klosterdamen einmal im Remter treffen, dem uralten Raum mitten in der Klosterinsel Walsrodes.

Die Äbtissin kommt aus dem Frankfurter Raum und hat viele Jahre auf einem forstwirtschaftlichen Hof gearbeitet. „Ich kenne den Norden, und ich kenne das Schmuddelwetter hier“, sagte sie. Einiges sei hier anders, ruhiger, leiser, „aber damit kann ich gut umgehen“.

Sie sei vorsichtig empfangen worden, „auch mit einer gewissen Skepsis der Konventualinnen“. Dann seien die Gespräche, die Kontakte schnell immer besser geworden, sodass sie fast schon angekommen sei in der Lüneburger Heide und in einem Damenstift, das sich immer mehr öffnet, das in Zukunft noch viel mehr mit der Bevölkerung zusammenwirken möchte.

Geistige Kreativität steht im Vordergrund, „und ich habe auf diesem Gebiet so viele Ideen.“ Auch moderner soll das Stift werden, Stichwort Wlan. Sie wolle mehr Menschen, jung und alt, für das Klosterleben interessieren. „Das Leben in einem evangelischen Stift schützt Frauen vor Einsamkeit, bietet kulturelle Bildung, verpflichtet zum Engagement im kulturellen und sozialen Bereich, bindet in einen religiösen Kontext ein und schafft damit die Voraussetzungen zu einem sinnstiftenden Leben und gesünderem Altwerden“, beschreibt die neue Äbtissin das weite Betätigungsfeld im Kloster.

Sie streckt schon bei ihrem ersten öffentlichen Termin ihre Hände zur Zusammenarbeit aus. „Unser übergeordnetes Thema liegt auf der Hand: Frauen-Solidarität mit Frauen und Unterstützung von Frau.“

In diesem Jahr sollen der Verein „Frauen helfen Frauen“ und das Frauenhaus unterstützt werden. Die Trinkgelder aus den Führungen sowie zweckgebundene Spenden sollen dorthin fließen. Außerdem plant von Westerholt, sich am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November zu beteiligen und eine Feier dazu im Remter zu veranstalten.

Frau von Westerholt ist auf Lebenszeit gewählt worden, das bedeutet, bis zum Erreichen des 70. Lebensjahres. „Ich werde mich schnell eingewöhnen,“ sagt sie und strahlt.

Die Äbtissin spricht mit einer jungen Familie mit kleinen Kindern, hört zu, als die Damen des Konvents berichten und fragen. Und stimmt sich gleich mit dem Superintendenten Ottomar Fricke ab, der an diesem Nachmittag ebenfalls teilgenommen hat. Ruhig, freundlich, aber doch konzentriert und klar.

Auftakt des kulturellen Jahresprogramms des Klosters Walsrode ist am Sonntag, 16. Februar, um 17 Uhr, die Veranstaltung „Musik trifft auf Literatur – Kunst in Wort und Ton“ mit der Schriftstellerin Annette Fitzen und dem Pianisten Hans-Ulrich Rasokat im Remter. Am Samstag, 28. März, um 19 Uhr, steht eine Veranstaltung mit fünf jungen Leipzigerinnen der Gruppe „Tumbacaria“ mit „Balkan meets Klezmer meets Roma“auf dem Plan. Am Sonntag, 10. Mai, lädt die Bremer Band „Die Grenzgänger“ in den Remter ein. Der junge Cellist Simon Wangen, Stipendiat an der Kölner Musikhochschule, wird mit seinem Streicherquartett im Frühling konzertieren. Am 24. Juni wird das Johannistagsfest gefeiert. Am Sonntag, 13. September, wird das Kloster am bundesweiten Tag des offenen Denkmals teilnehmen. Der Schauspieler und Sprecher Martin Pfisterer aus München wird am Sonntag, 3. Oktober, um 19 Uhr, einen Text der Literaturnobelträgerin Herta Müller lesen. Geplant ist zudem für den 4. oder 5. Oktober eine Lesung für Jugendliche. Am 31. Oktober um 19 Uhr wird die Frankfurter Strafrichterin Sylvia Hauptmann Krimikurzgeschichten des Strafverteidigers und Schriftstellers Ferdinand von Schirach lesen.  mü

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