Verfahrenseinstellung abgelehnt

E-Bike-Fahrer stirbt bei Unfall: Angeklagter nimmt Berufung zurück

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Walsrode/Verden - Eine Verfahrenseinstellung wollte ein 74 Jahre alter Angeklagter aus Walsrode am Montag in einem Berufungsverfahren am Landgericht Verden erreichen. Doch dazu war weder die 5. Kleine Strafkammer noch Oberstaatsanwalt Lüder Müller-Wolfsen bereit. Es ging um fahrlässige Tötung. Der Angeklagte hatte im August 2016 einen Unfall verursacht, bei dem ein E-Bike-Fahrer ums Leben gekommen war.

Der Angeklagte hatte am frühen Abend des 18. August 2016 von der Wenzinger Straße auf die K 164 einbiegen wollen. „Dabei achtete er jedoch nur auf den von links kommenden Verkehr“, hatte das Amtsgericht Walsrode in erster Instanz festgestellt. Der Autofahrer hatte die von rechts kommenden Radfahrer auf einem Radweg übersehen und war mit einem 1930 geborenen Mann auf einem E-Bike kollidiert. Dieser starb vor den Augen seiner Frau an einer Schädelhirnverletzung. Die Frau wurde laut damaliger Polizeimeldung körperlich nur leicht verletzt.

Der Fuß- und Radweg ist für beide Richtungen freigegeben. „Der Unfall war vermeidbar. Der Angeklagte hätte erkennen können und müssen, dass die Radfahrer Vorfahrt haben“, urteilte das Amtsgericht. Ein Fahrverbot wurde nicht verhängt.

Zu 90 Tagessätzen à 30 Euro war der Unfallverursacher in erster Instanz verurteilt worden. Sein Verteidiger erklärte Montag, dass sein Mandant bereit sei, die doppelte Summe, gerne auch an die Witwe zu zahlen, wenn das Verfahren dann eingestellt würde.

Besondere Umstände nicht gegeben

Der Vorsitzende Richter Joachim Lotz lehnte dies ab. „Dafür müssten besondere Umstände eintreten und die haben wir nicht“, stellte der Vorsitzende Richter Joachim Lotz fest. Den Getöteten treffe keine Mitschuld an dem Unfall, und wenn der Angeklagte auch nicht vorbestraft ist, so seien seine Eintragungen im Verkehrszentralregister zu berücksichtigen. „Unmittelbar davor und auch gut einen Monat danach“ sei der Angeklagte zu schnell gefahren. „Ich würde einer Einstellung auf keinen Fall zustimmen“, so die klare Aussage des Oberstaatsanwalts. Nach einer Beratung mit seinem Verteidiger nahm der Angeklagte die Berufung zurück.

Die Witwe und weitere Zeugen wurden in den Saal gerufen. Ihnen wurde erklärt, dass sie nicht aussagen müssen. Die Frau kämpfte mit den Tränen, als sie den Saal verließ. 

wb

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