Unterschutzstellung des Aller-Leine-Tals

„Dürfen Natur nicht einmal mehr pflegen“

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Die Referenten eines sehr emotionalen Abends (v.l.): Wolfgang Ordon vom neuen Trägerverein, Hans-Georg Meyer vom Deichverband Bosse, Dr. Helmar Meyer, Rechtsanwalt aus Potsdam und Alfred Dannenberg Junior.

Walsrode - Von Klaus Müller. Es sind noch viele Hürden zu meistern, wahrscheinlich auch viele Veränderungen im Entwurf zur Unterschutzstellung des Aller-Leine-Tales, wie von der EU gefordert, vorzunehmen, obwohl die Zeit eigentlich fast schon abgelaufen ist.

„In diesen Tagen sind die Pläne öffentlich ausgelegt worden. Beteiligen Sie sich daran, auch wenn Sie nur ein kleines Problem haben, wir helfen Ihnen gern dabei.“ Der Potsdamer Rechtsanwalt Dr. Helmar Hentschke und Wolfgang Ordon, der kürzlich in Walsrode einen Trägerverein gegründet hat, um die Belange der betroffenen Menschen an Aller und Leine zu unterstützen, riefen zum aktiven Mitmachen auf, „damit dieser Verordnungsentwurf, der eigentlich keiner ist“, so nicht durchkommt.

Fast 300 Menschen waren am Freitagabend in die Stadthalle Walsrode gekommen, um offen über den Entwurf des Landkreises zu diskutieren. „Wir dürfen noch nicht einmal mehr unsere Natur pflegen“, sagte ein Landwirt. Es könne doch nicht angehen, dass die Büsche auf den Weiden nur acht Monate geschnitten werden dürfen. Das verändere die Strömungsverhältnisse der Flüsse.

Alfred Dannenberg, Landwirt am Hellberg in Böhme, sagte, dass die vorgelegten und auch in der Stadthalle aufgehängten Pläne das Papier nicht wert seien. Er machte auf viele Unzulänglichkeiten des Entwurfes aufmerksam und stellte fest, dass die Natur an Aller und Leine, so wie sie sich heute darstelle, in Ordnung sei. „Wir haben dazu unseren großen Teil beigetragen und wollen nicht verändern, sondern erhalten, Natur erhalten.“ Dabei seien Fremdregelungen nicht hilfreich. Dannenberg sagte, dass dieses Gebiet schon heute den EU-Richtlinien entspreche, aber durch die Naturschutzbehörde erhebliche zusätzliche Beschränkungen eingetragen worden seien. „Wir dürfen bestimmte Wege nicht mehr verlassen, sollen keine Wiese mehr betreten dürfen, wenn es nicht unbedingt notwendig ist, sollen nur noch dort baden, wo es genehmigt ist.“ Und angeln? Das sei nur mehr als eingeschränkt möglich.

Fast 300 Menschen waren zur Informationsveranstaltung in die Walsroder Stadthalle gekommen.

Dannenberg: „Wir alle lieben die Natur- und Kulturlandschaft Aller-Leine-Tal. Es ist den Menschen vor Ort zu verdanken, dass die Landschaft heute diesen guten, schützenswerten Zustand aufweist.“ Naturschutz funktioniere nur mit den Menschen. Und nicht, indem man sie gängele und aussperre. „Das weiß auch die EU, und deshalb verlangt sie das auch nicht. Nur die Untere Naturschutzbehörde des Heidekreises hat das leider nicht begriffen.“ Die vorliegende Verordnung müsse entschärft und verschlankt werden, forderte Dannenberg unter dem Beifall der Besucher.

Mittlerweile liege ein alternativer Verordnungsentwurf auf dem Tisch. Entscheiden werde am Ende der Kreistag. „Fragen Sie die Kreistags-Abgeordneten, ob sie den Verwaltungsentwurf überhaupt gelesen haben.“

Hans-Georg Meyer vom Deichverband Bosse wies ebenfalls darauf hin, dass es die Menschen der Region gewesen seien, die den heutigen guten Zustand des Aller-Leine-Tales hergestellt hätten. Jeder müsse auch in Zukunft seinen Freiraum haben dürfen. „Wir wollen ja Naturschutz, wir stellen uns nicht dagegen, aber wir möchten eine gewisse Zusammenarbeit mit den Behörden. Nicht, dass unsere Flächen durch neue Verordnungen erheblich an Wert verlieren.“

Der Trägerverein aus Walsrode soll die betroffenen Menschen an Aller und Leine „auffangen“ und ihnen helfen, die vielfachen Probleme, die sie mit dem vorliegenden Verordnungsentwurf haben, zu lösen.

Die Diskussion um die Schutzausweisung des Aller-Leine-Tales wird sicherlich weitergehen, vielleicht nach diesem Abend in der Stadthalle noch heftiger und deutlich kritischer.

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