Der Heidekreis nach dem Bürgerbegehren zum Klinikneubau

Tiefer Graben zwischen Nord und Süd

Eine Fläche mit den Umrissen des Heidekreises. Mitten drin sind die beiden Standortvorschläge für das Klinikum rot markiert, an denen sich die Geister im Landkreis geschieden haben. Die beiden Punkte liegen eng beieinander.
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Auf dieser Karte des Heidekreises zeigen die Initiatoren des Bürgerbegehrens auf ihrer Internetseite die Lage der Standorte für das Heidekreisklinikum.

Die Debatte um den Standort für das neue Heidekreisklinikum hat es an den Tag gebracht: Auch fast ein halbes Jahrhundert nach der Gebietsreform, die aus den Altkreisen Soltau und Fallingbostel den Heidekreis gemacht hat, besteht ein tiefer Graben zwischen Nord und Süd.

Heidekreis – Einigkeit und Geschlossenheit seien gerade für das Großprojekt und die Bewilligung der Mittel in Hannover von großer Bedeutung. Das hatten Kreistagspolitiker und Landrat Manfred Ostermann immer wieder betont und eingefordert. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens sehen gerade in der demokratischen Entscheidung eine Chance, mit der der tiefe Graben zugeschüttet werden kann, und die Grünen setzen darauf, dass die Konfrontation mit der Zeit verheilt.

Nach vorne schauen!

Gleich nachdem das Ergebnis des Bürgerentscheids im April vorlag, wandten die Christdemokraten im Heidekreis den Blick nach vorne: „Jetzt heißt es, nach vorne zu schauen“, empfahl der Kreisverband auf seiner Internetseite. Die CDU setze sich das Ziel, möglichst große Teile der Bevölkerung im Heidekreis auf dem Weg mitzunehmen und für transparente Information zu sorgen. Weitere Strategien hat sie offenbar nicht, ebenso wie die SPD. Zumindest war auf Nachfrage unserer Zeitung dazu nichts zu erfahren.

Nie richtig zusammengewachsen

Für Otto Elbers, Adolf Köthe, Werner Salomon und Dr. med. Wolfram Franz, die sich für das Bürgerbegehren stark gemacht hatten, liegen die Gründe für die Spaltung im Heidekreis noch viel weiter zurück in der Geschichte. „Der Kreis Soltau hatte geschichtlich zu Preußen gehört, war und ist überwiegend protestantisch, der Kreis Fallingbostel hatte geschichtlich zu den Welfen nach Hannover gehört, war und ist überwiegend katholisch“, erklären sie. Die Gebietsreform von 1977, sowieso immer ein schwieriges Unterfangen, weil Eigenständigkeit und Souveränität aufgegeben werden müssen, hatte schon bei der strittigen Entscheidung über den neuen Kreissitz für Wunden gesorgt. „Die beiden Kreise sind nie richtig zusammen gewachsen, nicht einmal im öffentlichen Nahverkehr“, stellen sie fest.

Er selbst habe den Graben zwischen Nord- und Südkreis nie gesehen, stellt Dr. Hans-Peter Ludewig fest. Der Fraktionssprecher der Grünen im Kreistag Heidekreis fühlt sich damit auch mit den meisten einig, vor allem den jüngeren Einwohnern im Heidekreis.

Die Konfrontation erkennt Ludewig aber auch: „Kein normal denkender Mensch kann nachvollziehen, wieso wir ohne Probleme zum Einkauf oder zu einem Fußballspiel nach Hannover, Bremen oder Hamburg fahren und uns beim Heidekreis-Klinikum über ein paar Kilometer streiten“, wundert er sich. „Möglicherweise spielen hier persönliche Enttäuschungen in der Vergangenheit eine Rolle.“

Mit dem Bürgerbegehren, so teilen Otto Elbers und seine Mitstreiter mit, hatten die Initiatoren genau das Ziel, zur Vereinigung der zerstrittenen Altkreise beizutragen. Sie akzeptieren die Entscheidung der Bürger aber wie alle anderen Akteure auch. „Unsere Befürchtungen, dass am falschen Standort fehlgeplante Krankenhaus betreffend, sind dennoch nicht ausgeräumt“, bedauern sie aber, dass die Mehrheit gegen den von ihnen favorisierten Standort in Dorfmark votiert hat. „Und der Graben zwischen den Altkreisen ist wohl tiefer als jemals zuvor“, bleibt ihr Fazit. Hans-Peter Ludewig bleibt in seiner mit dem Grünen-Kreisvorstand abgestimmten Stellungnahme aber zuversichtlich, dass es nicht auf Dauer bei den Differenzen bleibt: „Die werden sich aber überleben.“

Von Ronald Klee

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