1. Startseite
  2. Lokales
  3. Heidekreis
  4. Walsrode

Der Krankenwagen für Kovel steht bereit

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Drei Männer stehen vor der geöffneten seitlichen Schiebetür eines Krankenwagens.
Einen Krankenwagen für das Zentralkrankenhaus in Kovel stellen die DRK-Kreisverbände Soltau und Walsrode, hier vertreten von ihren Vorsitzenden Mirco Schröder (l.) und Steffen Möhrmann (r.), zur Verfügung. Auf der 1260 Kilometer weiten Reise wird Michael Haacke (Mitte) das Fahrzeug steuern. © Müller

Altenboitzen – Für Mirco Schröder und Steffen Möhrmann, Vorsitzende der DRK- Kreisverbände Walsrode und Soltau, war es eine Selbstverständlichkeit, als sie die Anfrage von Michael Haacke erreichte. Der Verantwortliche für die Kinderhilfe Kovel aus Altenboitzen suchte einen Krankenwagen für die 1260 Kilometer entfernte Stadt in der Ukraine mit ihren 69 000 Einwohnern.

Bei den beiden Verbänden wurde er sofort fündig.

„Ich habe einen Anruf aus Soltau bekommen, ob wir 5000 Euro zum Gesamtbetrag von 15 000 Euro beisteuern könnten, damit ein Reservefahrzeug abgegeben werden kann. Wir können aus den vielen Spenden, die uns tagtäglich erreichen, das Geld nehmen, packen noch 1000 Euro für erste Medikamente drauf – und am kommenden Samstag fahre ich den Wagen zum Zentralkrankenhaus nach Kovel. Die freuen sich schon gewaltig auf diese großzügige Spende.“ Haacke ist den beiden Verbänden sehr dankbar und erinnert daran, dass die Kinderhilfe einmal von dem damaligen DRK-Chef Hans-Dieter Sohn und Mitarbeiter Gottfried Galler ins Leben gerufen wurde. „Wir haben immer gut zusammengearbeitet.“

Vollgetankt steht er nun erst einmal in Altenboitzen bereit und ist mit vielen wichtigen Dingen ausgestattet; unter anderem eine Trage und Atemschutzgeräte. 330 000 Kilometer hat es hier bereits treue Dienste geleistet, in Kovel aber wird es wohl das modernste Fahrzeug sein. „Dort fahren sie kleine russische Busse mit grünen Vorhängen“, berichtet Haacke. Das sei die Spende eine sehr gute Ergänzung. Noch ist es ruhig in der Stadt, „und darum wollen viele Ukrainer so schnell wie möglich wieder nach Hause, in ihre eigene Wohnung“. Gleichzeitig soll ein weiteres Fahrzeug mit Hebebühne, das Haacke aus Rinteln erhalten wird, auf die lange Tour gehen.

Aber erst einmal gibt es Probleme: „Ich bin völlig verwirrt,“ sagt Haacke am Freitagmorgen, als wir ihn in seinem Haus, dem alten Schulgebäude von Altenboitzen, treffen. Gerade hat er erfahren, dass die ukrainischen Flüchtlinge, die ihn auf die Tour nach Kovel begleiten wollten, nur noch als „Touristen“ zurückkehren dürften. Und bei einer durchaus möglichen, erneuten Flucht aus ihrem Land würden sie ihren „Flüchtlingsstatus“ verlieren. „Der Landkreis hat sie Informiert. Sie hätten dann alle Ansprüche als Flüchtlinge verloren, auch die ihnen zurzeit zugestandenen finanziellen Leistungen der deutschen Behörden. Darum werde ich erst einmal allein dorthin fahren.“ Haacke klärt die prekäre Situation jetzt erst einmal mit dem Landkreis ab. „Ich kann sie doch nicht einfach wieder fahren lassen. Und dann geht gar nichts mehr.“

Haacke, der „Rauschebart“, berichtet von vielen Spenden aus der Region. Aus Kirchboitzen zum Beispiel, wo die Schüler eine Zeitung herausgebracht haben und mit dem Verkauf 500 Euro an Spenden hereinholten. Oder vom Spendenlauf des Soltauer Gymnasiums, der sagenhafte 25 000 Euro einbrachte. „Wir sind den Menschen so dankbar.“

Aber auch von den Zuständen in der Ukraine hat Michael Haacke mittlerweile schon so einiges in Erfahrung bringen können. Etwa, dass die Rente für eine Frau, deren Mann im Krieg gefallenen ist, nur 50 Euro beträgt, dass die Preise für Lebensmittel und für Treibstoff gigantisch gestiegen seien. „Und trotzdem wollen sie alle zurück. Sie lieben ihre Heimat so sehr“, sagt Haacke.  mü

Auch interessant

Kommentare